Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9643699-7657652--07-7657658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 schließe sie sich seinen Angelegenheiten an; sie hofft es dadurch für die Ansprüche zu gewinnen, von denen sic erfüllt ist, für die Anforderungen, von denen sie beständig gequält wird. Gelingt es uns, diese beiden Hindernisse von uns zu entfernen, die Zerstreuung von außen und den beständigen Hinblick auf uns selbst von innen, so wird das Gefühl hervortreten und das zu seiner Unterstützung geeignete Verhalten wird einfacher seyn, als man glauben möchte. Wollte man die Erziehung dieser Seelenkraft als eine Kunst betrachten, so bestünde dieselbe, wie bei manchen andern Dingen, darin, auf die Andeutungen der Natur zu horchen, sie zu befolgen und zu unterstützen; denn diese sind, richtig verstanden, die Stimme der Vorsehung. Ist es nicht offenbar, daß die Vorsehung uns, im ersten Lebensalter, im Schooße der Familie festhalten wollte, als an dem Orte, wo diese wichtige Erziehung von selbst beginnen konnte? Aber nicht den Kindern allein ist — wie man zu glauben geneigt ist — diese Schule geöffnet; hier soll auch die Selbsterziehung der Aeltern sich fortsetzen, die der Greise sich vollenden. Hier schöpfen jene die reichlichste Belehrung; die Familie ist für sie eine Schule, wo sie täglich lernen, was man das ganze Leben hindurch lernen muß, wo sie lieben lernen, es um so besser lernen, als es hier ihr Beruf ist, sich edel zu erweisen und die süße Freude des Gebens zu kosten. Hier ist ihnen das schöne Vorrecht zu Theil geworden, für Andere zu leben und sich ganz zu vergessen. Der Schooß der Familie ist es daher, wo das Gefühl entstehen, wachsen und sich befestigen soll, und wir haben Grund, Mißtrauen in jene überspannten Empfindungen zu setzen, welche gewisse Personen außerhalb ihres Familienkreises affectiren, aber innerhalb desselben nicht zu verbreiten verstehen, so wie wir oft bemerken, daß das Gefühl vertrocknet oder eine falsche Richtung nimmt bei denen, welche durch Glücksverhältnisse des Genusses jener natürlichen Verbindungen beraubt wurden. Es läßt sich im Allgemeinen dieses Vermögen des Herzens nur in so fern unverletzt erhalten,als man im Wahren bleibt, sich vor