Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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besserlich, als der Egoismus der Ansprüche des Ehrgeizes. Stolz, Eitelkeit, Eigenliebe verengen das Herz in jedem Sinne und gestatten ihm nicht, sich zu öffnen; sie erhalten es beständig in einem Zustande der Feindseligkeit und des Mißtrauens, in einer Neigung zur Gewaltsamkeit. Der Stolz erzeugt Entfernungen, da, wo das Gefühl zu nähern und zu verbinden strebt; er will herrschen und das Gefühl sucht zu gefallen. Die Eitelkeit verlangt Auszeichnungen, während das Gefühl jene Gleichheit fordert, die allein dem Vertrauen den Weg bahnt; die Eitelkeit hascht nach lautem Beifall, das Gefühl scheut denselben, weil er der innern Neigung schaden könnte. Die Eigenliebe bringt Störung in die Lebensverhaltnisse durch ihre Empfindlichkeit und ihre Ansprüche; das Gefühl bedarf vor Allem der Sicherheit in den Beziehungen zu Andern. Der Stolz will protegiren, die Eitelkeit zeigt sich gerne mächtig, beide mögen sich zuweilen im Geben gefallen, weil sie dadurch in einer gewissen Superiorität erscheinen; aber ihre Wohlthaten tragen das Gepräge des Prunkes. Das Gefühl nimmt die Protection an, wenn es deren bedarf; es findet sogar im Empfangen einen Genuß; es weiß die Schuld der Dankbarkeit freudig zu tragen und die Hand zu segnen, die die Wohlthat verbreitet hat. Gibt es selbst, so weiß es nichts von seiner Großmuth, weil die Erregung ihm natürlich ist. Die Eigenliebe kann zu gefallen suchen; das Gefühl strebt zu helfen, Genüsse zu bereiten. Die süßeste Wollust auf Erden, das Gefühls sich geliebt zu wissen, kann durch die Eigenliebe vergiftet werden. Der Stolz würdigt den Gegenstand seiner Zuneigung herab, das Gefühl möchte ihn erheben und ehren. Die Empfindsamkeit des Herzens entwickelt sich nur in dem Maaße, als man sich feiner selbst entkleidet und sich gewöhnt, in Andern zu leben; nun gibt es aber keine thätigere, beharrlichere, allgemeinere Selbftbegaffung,. als jene, die ihren Beweggrund in der Eitelkeit hat. Die Eigenliebe ist eine um so gefährlichere Feindin des Gefühls, weil sie^ um es zu verlocken, sich verbirgt, sich unter den Formen der Freundschaft bei ihm einschmeichelt, den Schein annimmt, als