Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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sich Bahn zu brechen. Die eine hat ihren Ursprung von außen, die andere in unserm Innern. Jene liegt in der Zerstreuung, die aus jedem äußern Tumulte entsteht, uns von Gegenstand zu Gegenstand fortreißt, uns nicht erlaubt, bei einem Gegenstände lange zu verweilen und, uns in beständiger Unruhe erhaltend, uns von der Beschäftigung mit uns selbst abhält. Diese liegt in der thätigen, ehrsüchtigen Persönlichkeit, welche unter der Gestalt des Stolzes, der Eitelkeit, der Eigenliebe erscheint. Jene zerstreut das Gefühl, diese macht dessen Quelle vertrocknen. Das Gefühl ist ein geheimes, in der Tiefe unseres Herzens verborgenes Princip, das wir oft nicht darin vermuthen und das wir zu entdecken suchen müssen. Es enthüllt sich nur in der Stille der Sammlung; es fühlt das Bedürfniß, sich auf sich selbst hinzulenken, seine eigenen Regungen zu beobachten und ruhig dabei zu verweilen. Daher gefällt es sich in der Einsamkeit und in der Stille. Es ist eine zarte Pflanze, die an einem abgelegenen Orte und im Schatten wächst, ein feiner Wohlgeruch, der, der freien Luft ausgesetzt, schnell verdunstet. Ernste und würdige Gedanken sind sein bester Schutz. Es vermag nicht, verschiedenen Gegenständen zugleich zu genügen, oder schnell von einem zum andern überzugehen; es haftet um so fester, je länger es haftete. Das Gefühl fürchtet im Allgemeinen Alles, was den Anschein einer Berechnung hat; es fürchtet, auf Hindernisse zu stoßen, ja sie auch nur wahrzunehmen; es sieht darin einen Zwang für seine Freiheit, ein Hinderniß jener Hingebung, jenes Vertrauens, die ihm so wohl thun. Wer weiß es nicht, wie tief die Verletzungen sind, die der Mißbrauch der sinnlichen Lust der Erregbarkeit der Seele zufügt. Der Schaden ist um so größer,. je materieller und gröber jene Genüsse sind. In dieser Ueberschreitung des Maaßes scheint der Mensch das Bewußtseyn seines innern Lebens zu verlieren; es hat diese Art der Trunkenheit den Schlaf des Herzens, wie der Vernunft zur Folge. Gehen indessen diese Verirrungen nicht bis zur Entwürdigung, so verletzt der sinnliche Egoismus das Gefühl nicht so allgemein und so unver-