Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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@0 wie Viele den Jrrthum hegen, als sei die Moral nur eine Wirkung der natürlichen Neigungen, so verfallen zuweilen die Philosophen ihrerseits in den Fehler, daß sie die Moral von den Gefühlen gänzlich lostrennen und diese sogar der erster» opfern wollen. Aber das richtig geleitete Gefühl ist eine glückliche und stufenmäßige Vorbereitung zur Ausübung der Pflicht; es macht sie angenehmer und leichter; es verleihet Kräfte zur Erfüllung derselben; man könnte es das Jünglingsalter des moralischen Lebens nennen. Das Gefühl wird durch Uneigennüzzigkeit genährt; es macht, daß wir die Pflicht unbewußt üben; es verbindet damit einen eigenthümlichen Reiz und verfolgt oft dieselben Zwecke, wie die Pflicht, wenn es auch den Begriff und das Verdienstliche derselben noch nicht damit verbindet. Die Kultur und richtige Leitung des Gefühlsvermögens macht einen wesentlichen Theil der ersten Periode der inneren Erziehung aus. Wohl ist dieses schöne Vermögen eine Gabe der Natur, die es ungleich unter die Menschen vertheilt hat; Niemand ist aber bei diesem Schatze des Herzens leer ausgegangen. Diejenigen, welche scheinbar in der Dürftigkeit geblieben sind, haben ihre Armuth oft selbst verschuldet, indem sie den ihnen zugefallcnen Antheil vernachlässigten oder verschwendeten. Wenn das Gefühl mit dem Alter schwächer zu werden scheint; wenn die Erfahrung, die es nur erleuchten, wenn der gesellige Umgang, der, in mancher Beziehung, es nähren sollte, ihm verderbliche Verletzungen zufügen, so haben wir an dem uns selbst verursachten Schaden mehr Antheil, als wir glauben, und wir sollten vor Allem unsere Leichtfertigkeit und Unbehutsamkeit anklagen. Zwei Hauptursachen sind es, welche diese sanfte Gewalt des Herzens in uns verletzen und zerstören, wenigstens sie verhindern,