Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1850
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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entgegenstellen kann. In einem egoistischen Hetzen rst den Lerdenschasten nicht beizukommen. Rühmet gewissen Menschen dre Schönheiten der Natur, die Reize der Freundschaft, deö Studiums, des häuslichen Lebens — eure Stimme wird verhallen in der Wüste ihres Herzens. In einer besondern Sphäre kann die Vernunft größere Wirksamkeit äußern. Sie kann zur Vorsicht ermahnen, uns die Folgen unserer Handlungen Vorhalten, dadurch die Beobachtung der socialen Gesetze befördern und zeigen, daß das Laster, wenn es auch kein Nebel an und für sich wäre, doch viele Nebel nach sich ziehe. Es ist dieses jenes Nützlichkeitssystem, das aber für die innere Besserung unwirksam ist; denn eine Kraft, die nur zurückhalten kann, reicht oft auch dazu nicht aus. Es muß ein Antrieb dem andern, der Aufschwung der guten Gefühle den schlechten Begierden entgegengesetzt werden können, wenn die Leidenschaften nicht sehr oft die von der Pflicht gezogenen Grenzlinien überschreiten sollen. Die Gefühle sind die lebendigen Kräfte der Seele. Darum lasset uns dieselben zugleich mit dem Verstände cultiviren, sie niemals ohne Nahrung und ohne Uebung lassen und uns nicht ganz auf die Macht der Vernunft verlassen. Während der langen Lehrzeit, wo im Kinde Alles, außer dem Verstände, nur passiv ist, werden Gedächtniß und Räsonnement vorzugsweise geübt, die Gefühle aber bleiben zurück, das der Eigenliebe ausgenommen, dessen man sich oft als Sporn bedient. Was muß nun daraus erfolgen? Das, was wir bei den Erwachsenen sehen: eine Schwäche der uneigennützigen und ein immer steigendes Uebergewicht der sinnlichen oder egoistischen Motive, ein Wille, schwach für das Gute, heftig und geschickt für alles Andere. Wir ersehen aus diesen Betrachtungen, daß die zur Selbstbeherrschung nothwendige Stärke des Willens nur in einer nach richtigen Principien geleiteten, sorgfältigen häuslichen Erziehung gefördert werden kann, der Schule aber eine sehr geringe unmittelbare Einwirkung zu Gebote steht. Der Hauptzweck der Schule bleibt stets die intellectuelle Bildung, die Ausstattung mit gewissen Kenntnissen und Fertigkeiten. Nm diesen Zweck nicht zu verfehlen, sieht sie sich genörhigt, Belohnungen und Strafen anzuwenden. Als ein Mittel, an die Gebote der Pflicht zu erinnern, die Vorstellung derselben zu verstärken, mag deren Einfluß nützlich sein; er kann aber verderblich werden, wenn Belohnung und Strafe sich gleichsam als die Motive der Pflicht darstellen. Die Moralität der menschlichen Handlungen ist in ihrem Lebensprincip zerstört, wenn die Vorstellung des Guten