Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1850
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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*—» 14 "T* die wie mt duech die Beobachtung uuseees eigenen Herzens ee^ langen können, ist eine schwierige Aufgabe. Das Spiel der Federn, die uns in Thätigkeit setzen, entzieht sich unserem Auge. Die Motive, die wir unser» Eutschlüsseu unterlegen, sind nicht immer die wahren. Wir sind zu sehr geneigt, die Macht des Räsonnements zu übertreiben. Dieser allzustarke Glaube an dessen Einfluß in der Moral ist vielleicht ein Jrrthum des Jahrhunderts, das stolz auf die Kenntnisse ist, welche die Vernunft über so viele Dinge verbreitet hat. Wir geben uns gerne dem Glauben hin, daß wir nach VernunftSprincipien handeln. Unferm Geiste fällt es nicht schwer, diese «Principien aufzustellen und die Uebereinstimmung unseres Lebens mit denselben zu beweisen. Etwas ganz Anders aber ist es, den feinen Faden aufznflnden, der unsere Handlungen mit unsern Gefühlen verbindet. Der Einfluß unserer geheimen Antriebe, der Neigungen und Abneigungen, der guten oder schlechten Verlangen, die uns beseelen, ist schwer aufzufinden, oft unangenehm sich einzugestehen; und dennoch sind diese Seelenbewegungen die unbekannte Quelle unserer meisten Entschlüsse. Wenn wir auch einsehen, daß unsere Freunde durch jene Gefühle und Eindrücke bestimmt werden, die das, was man den Charakter nennt, ausmachen, so glaubt doch Jeder, er werde nur von der Vernunft geleitet. Unsere sogenannten Motive werden erst hintenach gefunden und die allgemeinen Grundsätze, die für den Augenblick etwa mit unserem Verhalten in Einstimmung sind, erscheinen uns als dessen Beweggründe. Die Vernunft ist nicht im Stande, unsere verschiedenartigen Neigungen zu schaffen, sondern nur uns zu lehren, wie wir die vorhandenen lenken sollen. Nicht desto weniger bleibt der Einfluß der Vernunft immer heilsam; sie vereinigt die schwächer» Gefühle, um die heftigern zu zähmen. Ihre Kunst besteht darin, einer Neigung eine andere entgegenzustellen, und sie hat keine Mittel zur Bezähmung der Neigungen, wenn sie nicht Gefühle in der Seele findet, die ihr beistehen. Es muß daher eine Hauptbeschäftigung der Erziehung seyn, die Antriebe zu bilden. Diese sind von sehr verschiedener Art, von den niedern egoistischen Instinkten an bis zu denen, welche die Seele in das Reich des Idealen erheben. Die egoistischen Neigungen, die physischen Instinkte bedürfen keiner Pflege; sie wachsen ohne unsere Sorgfalt. Nähren wir jene nicht, die ihnen das Gleichgewicht halten können, so fehlt nicht allein jeder Aufschwung zum Guten, sondern wir haben auch der Vernunft die größte Macht entzogen, die sie den ungeordneten Begierden