Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1850
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 Hülfsnn'ttel anzuwenden. Immer jedoch bleibt es wahr, daß sie ihre Macht mit weiser Sparsamkeit gebrauchen muß. In der That wird der Wille auch dadurch entnervt, wenn derselbe beständig einem fremden Einflüsse unterworfen bleibt. Die jetzige Erziehung, obgleich von den früher» rauhen und strengen Formen befreit, hat dennoch diese Klippen nicht vermieden. Ein Kind, das von dem Wunsche beseelt ist, seinen Eltern zu gefallen, kann wohl ein Muster des guten Betragens sein, so lange der Wunsch, Beifall zu erhalten, noch fortbesteht; aber kraftlos und ohne alle Consistenz sein, wenn dieser Beweggrund nicht mehr vorhanden ist. Es muß lernen, sich selbst einen Zweck vorzusetzen und auf seine Gefahr die besten Mittel zu wählen, um ihn zu erreichen. Der freie und überlegte Entschluß, die Fähigkeit, die mit demselben verbundenen Schwierigkeiten vorauszusehen, und der Vorsatz sie zu besiegen, das ist'S, was dem Verstände seinen Gehalt und dem Charakter Festigkeit gibt/ Wir müssen daher zwei in seiner Leitung scheinbar entgegengesetzte Wege befolgen: den der Unterwerfung, um eS zu gewöhnen, seine launenhaften Wünsche zu bezähmen, und den der Freiheit, damit sich ein unabhängiger Wille in ihm bilde — eine Schwierigkeit, die man selten nach ihrem ganzen Umfange betrachtet; daher entwickeln sich, vielleicht gerade in der sorgfältigsten Erziehung, wenige ausgesprochene Charaktere. Eines der gewöhnlichsten Symptome der Willensschwäche, die Unentschlossenheit, liegt außer unserm Einflüsse; wir wissen keine bestimmte Regel zu geben, sie zu bekämpfen, und das Räsonnement vermag hier wenig. Die Unentschlossenen räsonniren gerade zu viel; sie sehen an jedem Gegenstände hundert Seiten, unzählige Folgen bei jedem Entschlüsse; was ihnen abgeht, ist eben die energische Richtung, welchen einen Beweggrund über die andern siegen macht. Soll man nun dem Zögling sagen, er müsse sich entscheiden, ohne erst zu überlegen, welche Folgen sein Entschluß haben werde? Das hieße ja gerade gegen die Vernunft handeln. Aehnliches gilt von der Unbeständigkeit. Hier hat ein lebhafter Wille den Schein der Stärke, aber nicht das Wesen derselben, da es ihm an Dauer gebricht. Was soll nun der Erzieher thun? Es ist nicht in seine Macht gegeben, eine erloschene Lust wieder anzufachen, und von der andern Seite wäre eS thöricht, in einem Verfahren zu beharren, dem ein Verlangen oder ein Gefühl zu Grunde lag, die man nicht mehr empfindet. Wenn demnach die Vernunft ganz an ihrem Platze ist, da, wo es gilt, eine unsinnige Hartnäckigkeit zu beugen, so hört sie