Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1850-01-01 · 1850 · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1850
Date
1850-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9643684-7657613--0010-7657622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9 sicht auf die beiden Hauptbedingungeu der moralischen Vervollkommnung? So wird sich uns alsbald die Antwort aufdringen, daß die Liebe zum Guten an Umfang und Kraft gewonnen, daß aber die Selbstbeherrschung offenbar sich eher vermindert habe und seltener als in früheren Zeiten gefunden werde, und daß die Zahl derjenigen, die sich zu anstrengenden, Ausdauer erfordernden Geschäften eignen, in der jetzigen Generation geringer, als in den früher» sey. Diese Erscheinung ist leicht zu erklären. Die Liebe zum Guten steht mit der intellektuellen Bildung in enger Verbindung, und es übt diese einen sehr großen Einstuß auf jene aus. Wir verstehen hier unter Bildung weniger den Besitz von Kenntnissen, als die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten. Geistesbildung, wenn sie gut geleitet wird, nährt schon an und für sich das Gefühl dessen, was edel, rein und ausgezeichnet ist; sie führt beständig zu jenem Wahren hin, welches das Wesen des Guten, zu jenem Schönen, das — nach dem Ausdrucke eines Weisen — der Glanz desselben ist; sie erzeugt ein Bedürfniß, ein Vorgefühl der Tugend; sie unterhält das Feuer derselben, wenn es einmal in das Herz eingedrungen ist; sie wird deren Ausübung leichter und angenehmer machen. Da das Gefühl des Wahren seiner Natur nach uninteressirt ist, so stimmt es die Seele für edle Regungen und bereitet sie zu Handlungen der Aufopferung vor. Befragen wir uns selbst, in jenen Momenten, wo in unsern Studien eine ueue Wahrheit, ein erhabener Gedanke unsern Geist fesselte, wie weit entfernt von uns waren dann jene von dem Hauche der Leidenschaften durchwehten oder von der gierigen Selbstsucht ausgetrockneten Regionen. Liegt nicht in der tiefen Ueberzeugung, welche das Wahre, in der Gemüthsstimmung, welche das Schöne hervorbringt, eine verborgene Gewalt, die uns fähiger macht, das, was recht, lobenswerth, mit der moralischen Ordnung übereinstimmend ist, zu empfinden? Die Tugend wird nicht sowohl öffentlich verletzt, als vernachlässigt, mißkannt, vergessen. Je mehr Höhe und Umfang der Geist erlangt, desto besser wird er die Beziehungen wahrnehmen, durch welche die sittlichen Wahrheiten sich aneinander reihen, mit dem menschlichen Schicksale und mit dem Wohle der Gesellschaft und dem individuellen Glücke verbunden sind. Geben wir daher den intellektuellen Kräften die Pflege, die sie selbst ansprechen und, weit entfernt, daß wir von ihren Fortschritten etwas zu besorgen hätten, werden wir sie vielmehr zu unserer Besserung anwenden. Stellen wir der Jugend das Wahre und Gute als Etwas dar, das feiner selbst, nicht äußerer Zwecke wegen, erstrebt werden muß; zeigen wir ihr, daß es ein gemeinschaftliches Eigenthuw

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.