Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1849
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9643697-7657592--32-7657606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 wollen, was nicht in die Sphäre der Kinder gehört — in solchen Verhältnissen möchte es, bei Kindern, die von Natur nicht zum Fleiße und zur Ordnung geneigt sind, nicht bloß zur Sicherung eines guten Erfolges des Unterrichts, sondern schon in Rücksicht auf die sittliche Bildung allerdings wohlgethan seyn, die Ueberwachnng der Knaben bewährten Lehrern zn übertragen. Dieselbe Nothwendigkeit wird auch bei Kindern eintreten, denen die Natur nur ein schwaches Fassungsvermögen oder ein schlechtes Gedächtniß verliehen hat; die Aeltern dieser Kinder möchten, bei der Gemüthsbewegung, die die Wahrnehmung solcher Mängel in ihnen erregt, wenn sie auch dieselben nicht ganz erkennen und zum Theil für bösen Willen halten, nicht geeignet seyn, sich mit denselben zu beschäftigen und besser thun, die Hülfe eines Fremden, der kaltblütiger und daher ruhiger bleibt, in Anspruch zu nehmen. Wohlhabenden Aeltern, welche die Abende erlaubten Zerstreuungen widmen wollen, wird es nicht zu verargen seyn, wenn sie sich eine Bequemlichkeit verschaffen, die ihnen ihre Ver- ' hältnisse gestatten, und dabei nicht bloß die Ueberwachung der Arbeiten, sondern auch die Beaufsichtigung auf Spaziergängen, beim Schwimmen, Baden, Spielen bezwecken; sie mögen zu den Halbpensionen ihre Zuflucht nehmen. Der dadurch entstehende Aufwand wird jedenfalls zweckmäßiger angewendet seyn, als so mancher Luxus in Geräthen, Kleidung und dergl. Werden die Halbpensionen nur von solchen Aeltern benützt, ist die Zahl der Halbpensionäre einer Anstalt nicht zu groß, dann ist ihre Wirksamkeit auch pädagogisch zweckmäßiger und von jenen Nachtheilen frei, die bei einer zu großen Zahl nicht zu beseitigen sind. Daß eS an solchen Anstalten, die je nach den Leistungen, die sie übernehmen und je nach der Fähigkeit und Tüchtigkeit des Unternehmers wehr oder weniger kostspielig seyn, jedenfalls aber, bei der in allen Erwerbszweigen steigenden Concurrenz, ihre Forderungen so niedrig als möglich stellen nicht fehlen werden, dafür bürgt die Nothwendigkeit, in der sich die meisten Lehrer befinden, neben ihrem Schulgehalt, der zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse in der Regel nicht genügt, einen Nebenerwerb zu suchen. Zu wünschen bleibt nur, daß die Leiter solcher Anstalten erfahrene Schulmänner und Pädagogen seyn mögen; nur in diesem Falle wird der Zweck erreicht und die Nachtheile vermieden, die, wie wir oben entwickelt haben, aus einer unpädagogischen Leitung entstehen. Sollte man aber nicht, durch Einrichtungen, die von der Schule ausgehen, für diese Beaufsichtigung sorgen? Wir glauben, uns aus triftigen Gründen dagegen auösprechen zu müssen.