Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1849
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Bei diesen Aufgaben wird jedoch kein Zwang stattfinden dürfen; sie werden dem freien Willen des Schülers überlassen bleiben können, was auch bei etwaigen Aufgaben im Zeichnen von Karten, in Verfertigung mathematischer Körper u. dergl. gilt. In den Kreis der häuslichen Arbeiten gehören noch, bei den Anfängern, kleine Aufgaben in der Formenlehre und Uebungen im Schreiben. Daß ohne diese verschiedenartigen, obwohl nicht gleichzeitigen häuslichen Leistungen, der Schüler nicht zu der Summe von Kenntnissen und dem Grade der Fertigkeit gelangen kann, die er, bei dem frühzeitigen Austreten der meisten Schüler, wozu die Aeltern sich durch die Lebensverhältnisse leider immer mehr gedrungen fühlen, besitzen soll, wird von keinem Erfahrenen in Zweifel gezogen werden. Zu dieser durch äußerliche Gründe gebotenen Rücksicht kommt noch ein pädagogisches Moment hinzu, daS von gewichtiger Bedeutung ist. Der Schüler soll zum freien, selbstständigen Gebrauch seiner Kräfte und seines Wissens geführt werden. Dazu wird er aber nicht gelangen, wenn er nur unter den Augen und der Anleitung des Lehrers denkt und arbeitet; es wird ihm wie jenen verzärtelten Kindern ergehen, die man, weil sie beständig bewacht werden, nicht ohne Führer gehen zu lassen wagt, weil sie vor Wagen, Pferden nicht auszuweichen, bei dem kleinsten Hinderniß sich nicht zu rathen, ihre Glieder überhaupt nicht recht zu gebrauchen wissen; so wird auch jener die Gegenwart des Lehrers bei seinen Arbeiten für unentbehrlich halten. Selbst dann, wenn — was wohl selten der Fall seyn wird — der Lehrer sich jeder Hülfsleistung enthält, wird er, gewohnt durch die anspornende Gegenwart des Lehrers und durch den Wetteifer der Mitschüler zur Benützung der bestimmten Zeit, zur Aufmerksamkeit angetrieben zu werden, da, wo dieser Sporn fehlt, vielleicht der anhaltenden Aufmerksamkeit, der Sammlung, der ununterbrochenen Thätigkeit sich unfähig zeigen; von der andern Seite wird die Besorgniß, in der gegebenen Zeit nicht fertig zu werden, so wie der Blick auf rascher arbeitende Mitschüler in dem Minderbegabten oder Mindervorgerückten eine gewisse Unruhe erzeugen, die ihn an dem vollem Gebrauch seiner Kräfte hindert; endlich wird daö Voneinanderabsehen, das Zuflüstern nicht ganz verhütet werden können. Die häuslichen Arbeiten sind überdies für den Knaben ein Antrieb, sich die schöne Gewohnheit anzueignen, sich nicht so leicht stören zu lassen, sich-zu sammeln und nicht auf das zu achten, was um ihn her gethan und gesprochen wird.