Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1849
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 nungsliebe, Reinlichkeit, bekannt, und sie geben unS die beste Gelegenheit, Mängel und fehlerhafte Neigungen zu verbessern und heilsame Gewohnheiten zu bilden, wenn, wie vorausgesetzt werden muß, der Lehrer die Arbeiten der einzelnen Schüler öfter durchsieht und sich nicht mit einer allgemeinen mündlichen Correctur begnügt. Gegenstand häuslicher Aufgaben sind ferner Uebungen im schriftlichen Gedankenausdruck. Sind diese gehörig vorbereitet, dem Standpunkte des Schülers angemessen und mit Hinsicht auf die Eigenthümlichkeiten des jugendlichen Geistes gewählt und geformt, so gehören sie zu den nützlichsten Selbstbeschäftigungen, zu denen, welche die Selbfithätigkeit am kräftigsten wecken, dem Schüler nicht nur seinen Besitzthum an Begriffen und AuSdrucksfähigkeit in's Bewußtseyn bringen, sondern auch zur Erzeugung neuer Gedanken antreiben und befähigen und den Lehrer in die innere Beschaffenheit seines Geistes und Gemüthes blicken lassen. Häusliche Beschäftigung sind auch Repetitionen in den rein historischen Wissenschaften, wie Erdbeschreibung und Geschichte. In der letzten Wissenschaft halten wir die feste Einprägung der Facta nach chronologischer Ordnung besonders in unseren Zeiten für unerläßlich, damit die Jugend bewahrt werde vor jenem so gewöhnlichen oberflächlichen Räsonnement über geschichtliche Fragen, über Völker und Staaten, vergangene und gegenwärtige Zustände, vor jenen unwahren Zusammenstellungen und Vergleichungen, die gewöhnlich aus Mangel an positiven Kenntnissen entstehen. Es gehören diese Aufgaben keineswegs zu dem bloß mechanischen Auswendiglernen, wenn der Lehrer beim Eraminiren nicht auf wörtliches Hersagen des Gelernten ausgeht, sondern durch die Stellung der Fragen die Schüler veranlaßt, den Ausdruck zu ändern und zu zeigen, daß sie den Inhalt richtig gefaßt und mit Verständnis repetirt haben. Auch das so bildende Memoriren eines Gedichtes, einer schönen prosaischen Darstellung, womit schon in den untern Klassen begonnen werden muß, wird kein bloßes Gedächtnißwerk seyn, wenn Uebung in der Richtigkeit und Schönheit des Vortrags dabei bezweckt wird. Die Lehrer der Mathematik — die Arithmetik inbegriffen — und der Physik werden zuweilen Veranlassung zu Aufgaben finden, theils zur Uebung, besonders aber, um zum Denken und Erfinden anzuspornen; zugleich sind sie ein treffliches Mittel, die Kräfte und den Wissenstrieb des Einzelnen kennen zu lernen.