Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1849
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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schulen und der, bloß auf die Kenntniß einer todten Sprache, deren Klänge und Wendungen unsere ursprünglichsten, mit der Muttersprache verwachsenen Empfindungen gleichsam nur symbolisch bezeichnen, und ihrer, unserm Leben fremden Literatur, auf die neuern Zeiten übergegangen find. Wir wenden noch immer bei dem Unterricht der Muttersprache an, was selbst bei Erlernung einer fremden nur in sehr beschränktem Maaße angewandt werden sollte, und die Abstraktionen über die Sprache und deren Bau, welche Grammatiker und Rhetoren als Resultate ihres in den Regionen der Allgemeinheit sich bewegenden Denkens aufgestellt haben, werden der, nur in Anschauungen und Bildern thätigen Vorstellungskraft deö Kindes als GeisteSnahrung gegeben. So wird das mit großer Anstrengung und unnatürlichem Zwange zu frühzeitig und daher nur oberflächlich beigebracht, was in einem späteren Alter mit weit geringerer Mühe und in viel kürzerer Zeit gründlich und fruchtbringender gelehrt werden könnte, hingegen Anderes unbeachtet gelassen, was die Entfaltung der Anlagen naturgemäß fördern würde. Erft dann, wenn wir die Stellung der Grammatik, so wie alles Abstracten und Allgemeinen zu der lebendigen, anschaulichen und fpeciellen Erkenntniß überall beachten und bei keinem Unterrichte vergessen, daß das allgemeine Gesetz nur das, unter der Anleitung des Lehrers vom Schüler selbstgewonnene Resultat aus der Beobachtung des Einzelnen, mit dessen Anschauung und Anwendung der Schüler bereits vertraut ist, seyn darf; wenn wir niemals vergessen, daß alles Abstrakte gar leicht in halb oder falsch verstandene Phrasologie ansartet und den Verstand gewöhnt, Worte für Begriffe zu nehmen und sich in dunkeln und unklaren Vorstellungen zu bewegen — erst dann werden unsere Schulen sich von dem Roste, der ihnen von ihrem Ursprünge, der lateinischen Schule, noch anklebt, gänzlich befreien. Diese Betrachtungen möchten dem Gegenstände, den diese Blätter besprechen wollen, fremd zu seyn scheinen; sie stehen jedoch mit demselben in enger Verbindung. Wäre bis zu einem gewissen Alter Entwickelung der sinnlichen und geistigen Kräfte der einzige Zweck der Schule, so würden die Forderungen an den Schüler außer der Schulzeit sehr geringe seyn; der Lehrer würde sich darauf beschränken können, den Schüler je nach der Stufe seiner Geistesentwickelung zur Lösung von leichten Problemen, zur Zeichnung beschriebener Figuren, zur Verfertigung gewisser regelmäßiger Körper und dergl. anzuspornen, nur das wählen, was das Interesse des Schülers erregt, und selbst die-