Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladung zu der am ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1849
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— 6 ein von sittlichen Ideen geleitetes Wesen zu finden, und sehen wir dabei von den Gestaltungen ab, welche die bürgerliche Gesellschaft dem menschlichen Leben ertheilt hat, so wird jeder unS beistimmen, daß Entwickelung der Kräfte, der körperlichen wie der geistigen, auf dem Wege und durch die Mittel, die die Natur uns vorzeichnet, der srühern Erziehung und Bildung eigentliches, ja alleiniges Ziel seyn müsse. Glücklich die Bildungsanstalt, der es vergönnt ist, nur in diesem Sinne zu wirken und sich für den größten Theil des Knabenalters nur dieses Ziel vorzusetzen. Sie wird eine Anstalt der Menschenbildung in der wahren Bedeutung des Wortes seyn; sie wird sich fern halten können von jenen Abwegen und jenem verkehrten Treiben, worauf die frühzeitige Bildung zum Wissen, besonders zu der Wissenschaft von Wortformen und Abstractionen, nothwendig gerathen muß; sie wird von sich abhalten können alle jene künstlichen Mittel des Anspornens, der Anreizung, die in Herz und Gemüth mehr zerstören, als der Geist dadurch gewinnt; sie wird nicht nur die beste intellectuelle, sondern auch die beste sittliche und daher wahrhaft religiöse Bildungsanstalt seyn. Doch eine solche Anstalt liegt im Reiche der Ideale; die Wirklichkeit mit ihren materiellen Interessen und Anforderungen macht ihren Einfluß schon auf das frühe Jugendalter geltend; dem größten Theile der Aeltern schwebt nur der Gedanke vor, daß ihre Söhne recht bald die Kenntnisse erwerben möchten, wodurch sie brauchbar in einem Geschäfte, einem Gewerbe, einem Nahrungszweige werden; ihnen ist diejenige Anstalt die vollkommenste, in welcher dieses am schnellsten erzielt wird. Die Schule darf es nicht wagen, sich über diese an sie gestellten Forderungen hinwegzusetzen und muß zufrieden seyn, einen Vergleich zwischen den pädagogischen Vorschriften der Menschenbildnng und den Geboten des praktischen Lebens zu erzielen und die Entwickelungsgesetze der menschlichen Natur zu beobachten, ohne die Anforderungen der socialen Verhältnisse aus den Augen zu verlieren; sie muß daher aus den Lehrstoffen, die sie zu wählen sich gedrungen sieht, durch die bei denselben angewandte Lehrweise den möglichst größten Gewinn für die naturgemäße Geistesentwickelung zu ziehen suchen. Möchte sie nur dieses beständig im Auge haben und sich gänzlich frei machen von jenem naturwidrigen Bildungsgänge, der uns selbst diesen Gewinn verloren gehen läßt. Leider haben wir, bei unverkennbar richtiger» Einsichten und tieferm Eindringen in die psychologischen Gesetze, die Traditionen noch nicht abgestreist, die aus den Kloster- JL. v