Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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15 fett verfahren? Wer einige Erfahrung hat, wird diese Frage verneinen müssen; wie könnten sonst Aeltern, denen an der sittlichen Bildung ihrer Kinder gelegen ist, sie in Stücke wie: „Drei Tage aus dem Leben eines Spielers", „Die neue Fanchon", „Die Nachtwandlerin", „Don Juan", „Figaro" u. a. gehen lassen? Glaubt man, daß die Eindrücke, die sie hier empfangen, ohne Nachwirkung bleiben? daß sie, mit den Bildern und Erinnerungen solcher Darstellungen in der Einbildungskraft und dem Gedächtnisse, dem Unterrichte, besonders aber dem in der Religion und Sittenlehre, ungetheilte Aufmerksamkeit widmen, demselben mit dem erforderlichen Ernst, der nöthigen Sammlung folgen werden? Werden sich die Bilder des kurz vorher Gesehenen und Gehörten nicht überall störend hervordrängen? Werden die frivolen Seenen und Zweideutigkeiten nicht eine frivole Stimmung erzeugen, die sich bei der geringsten Veranlassung kund gibt, und wird nicht die Lust an ernster und trockener Beschäftigung verschwinden? Wenn wir auch annehmen wollen, daß die energischere Natur, die geringere Empfänglichkeit und Reizbarkeit und die an sich stärkere und von Außen mehr angespornte Wißbegierde des Knaben die Gefahr vermindere, so befördert sie doch die, in jeder Beziehung so schädliche Frühreife. Bei Mädchen aber, wo die Empfänglichkeit größer, die Phantasie entzündbarer, die Eindrücke bei seltener« Zerstreuungen und Ablenkungen dauernder und die Gegenwirkung der geistigen Kräfte geringer sind, ist die sittlich-verderbliche Einwirkung unberechenbar, wenn sie auch nicht gleich sichtbar wird. Wie können überdies die empfangenen Eindrücke erlöschen, da sie fortwährend rege erhalten werden durch die Gespräche, die im Beiseyn der Kinder geführt werden über die Aufführung, über Stellung und Costüme der Darsteller, über den Grad der Natürlichkeit, mit welchem gewisse Rollen gespielt, Reize in Bewegungen und Geberden entfaltet wurden, so daß die Mädchen selbst zur Nachahmung' des Gesehenen verleitet werden. Zu dem Theater gesellt sich eine nicht gehörig überwachte Unterhaltungslectüre. Die zum Theil frivolen Romane, welche