Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 erreichte. Wie steht es aber in dieser Beziehung mit der jetzigen Schaubühne? Wie selten geht ein Stück über „die Bretter, welche die Welt bedeuten", das man auch nur zu den sittlich-unschädlichen zählen könnte? Mag indessen manchen neuern Dramen eine moralische Wirksamkeit im weitern Sinne durch die veranschaulichten Folgen der Leidenschaften oder durch seine socialen und politischen Tendenzen und Beziehungen zugeschrieben werden, auf die Jugend können sie nur eine schädliche Wirkung ausüben. Denn welche Leidenschaft ist, selbst bei den bessern Stücken die Triebfeder, die Alles in Bewegung setzt, von der die Helden und Heldinnen entzündet sind? Es ist die Liebe, und zwar in ihren gewaltigsten Wirkungen, in ihrer das ganze Gemüth beherrschenden Macht, und nicht bloß die idealisirte, gleichsam vergeistigte Liebe einer Thekla, einer Jungfrau von Orleans, sondern auch die, aus dem sinnlichen Triebe entspringende, sich auch auf sinnliche Weise äußernde, die oft von den, mit ihr zusammenhängenden Leidenschaften begleitet ist. So erscheint sie selbst in Werken unserer großen Dichter. Ist es aber mit den Zwecken der sittlichen Erziehung vereinbar, der zarten Jugend diese Leidenschaft mit allen ihren Schattirungen und Wirkungen vor die Augen zu führen? Ist das minder bedenklich, als die Lectüre solcher Werke, die doch jeder gewissenhafte Erzieher seinen Zöglingen versagt? In andern neuern Dramen wird in schauderhaften Katastrophen das Walten eines Fatums vorgestellt, dem der Mensch auf keine Weise entgehen könne, oder das wegen eines, von den Aeltern begangenen Verbrechens über die Kinder verhängte Geschick, und so die Lehre von der Unfreiheit des menschlichen Willens und der Nichtigkeit menschlicher Tugend anschaulich gemacht. Andere, besonders der französischen Literatur entlehnte Stücke erschöpfen alle Schauder und Gräuel, die eine überspannte Phantasie zu produciren vermag, bringen Laster und Verbrechen, vor denen das Gefühl zurückbebt, moralische Ungeheuer aller Art auf die Bühne, um ein blasirtes Publikum, das von dem Einfachen und Natürlichen nicht mehr erregt wird,