Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 fn'edr'gung der Eitelkeit und jeder Forderung der sinnlichen Begehrungen als das beneidenswertheste Glück gepriesen, die gezwungene Entbehrung derselben als daS bemitleidenswertheste Geschick betrachtet; hören die Kinder recht viel von reich ausgestatteten Gemächern, vom neuesten Geschmacke in Anzügen und Geräthen, von glänzenden Soireen und Gesellschaften sprechen, selten aber von den geistigen Gütern und Genüssen, von den Bestrebungen edler, für irgend ein höheres Jntrresse begeisterter Menschen; werden diese gar als ideologe Thoren und Phantasten bezeichnet; nehmen Eitelkeit und Sinnengenuß die erste Stelle bei den Vergnügungen ein: dann können wir nicht hoffen, daß die Kinder eine große Empfänglichkeit für sittliche und geistige Eindrücke an den Tag legen, noch weniger, daß dieselben einen Einfluß auf den Willen gewinnen, demselben einen sittlichen Karakter aufdrücken werden. Wenn nun die Schule, mit den geringen Mitteln, die ihr in der sittlichen Bildung zu Gebote stehen, in ihrer Wirksamkeit so sehr von der des älterlichen Hauses abhängt, so müssen wir um so mehr wünschen, daß alle Aeltern von der Bedeutung der sittlichen Erziehung und den Bedingungen, unter welchen sie gedeihen kann, durchdrungen seyen, besonders aber daß sie die Reinheit des kindlichen Gemüthes mit der größten Sorgfalt pflegen möchten. Wie weit man aber in vielen Häusern noch davon entfernt ist, diese Sorgfalt anzuwenden, davon zeugt besonders die Leichtfertigkeit, mit der man mit dem Theater und der Unterhaltungslectüre in der Erziehung verfährt. Wenn Schiller in einem seiner früheren Aufsätze zu zeigen suchte, wie die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet werden könne, so glauben wir, daß er heutzutage die moralische Wirksamkeit der Schaubühne mit einem andern Maaßstabe gemessen haben würde. Mögen manche der damaligen dramatischen Producte'eine solche Tendenz gehabt, auch einen entsprechenden Einfluß in einem gewissen Grade geübt haben, obwohl Schiller selbst bei den „Räubern" gewiß keine Wirkung auf die Moralität beabsichtigte, noch, wenn es der Fall gewesen, diese Absicht