Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 was Druck und Ungerechtigkeit entfernt, die allgemeinen Leiden der Menschheit mildert und Eifer für die Gründung von Vereinen für das. körperliche und geistige Wohl der Menschheit — diese höchsten Resultate der sittlichen Bildung und somit auch der Religiosität — zugenommen haben und in alle Stände gedrungen sind; daß die geistigen Interessen eine weit größere Macht über die Menschen erlangt haben, daß besonders in den mittleren Schichten der Gesellschaft ein Eifer für Erkenntniß der Wahrheit und Kundgebung des als wahr Erkannten sich manifestirt, wie wir ihn in der gepriesenen alten Zeit vergebens suchen, wo oft Willkühr für Recht, blinder Glaube und Gehorsam für religiöse Pflicht und dumpfe Gleichgültigkeit für Bürgertugend galt, wo Rechte verhöhnt wurden, die durch Natur und Vernunft geheiligt waren. — Wir wollen indessen uns nicht verbergen, daß ein anderer Kreis der sittlichen Eigenschaften und Handlungen, wie der, welcher mit der Beherrschung der Leidenschaften und Begierden , mit der Genügsamkeit und Zufriedenheit mit seinem Loose zusammenhängt, in der Religiosität eine kräftige Stütze sindet und dieser die Abnahme derselben ebenfalls zu den Umständen gehört, welche die sittliche Bildung erschweren. Diese muß nun um so mehr Aufgabe der Erziehung seyn, je mehr der Glaube an seiner Macht verloren hat, je weniger Aeltern und andere miterziehende Personen selbst davon durchdrungen sind, je zweifelhafter es ist, ob selbst für die religiöse Erziehung günstige Verhältnisse im Stande seyn werden, dem Glauben eine so feste Grundlage zn sichern, daß er in der Folge unerschüttert bleiben werde, und je schwieriger es ist, die Zöglinge vor dem Einflüsse des Lebens, der Societät, der geistigen Athmosphäre, die sie umgibt, zu bewahren. An welche Bedingungen nun die sittliche Erziehung und Bildung geknüpft, welcher Weg dabei einzuschlagen sey — dieses zu entwickeln kann nicht der Gegenstand dieser wenigen Blätter-seyn. Was aber die Schule, den Unterricht angeht, so glauben wir, daß neben dem religiös-sittlichen Unterrichte die Geschichte und die deutsche Literatur besonders geeignete Mittel