Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 mit dem ganzen übrigen Bildungssysteme waren, das überall auf Klarheit der Begriffe und auf Selbstüberzeugung durch eigenes Denken hinarbeitete; oder weil ste, im Umgänge mit Genossen, die nach einem andern Religionssysteme erzogen wurden, bald die älterliche Frömmigkeit als das Produkt einer blindgläubigen Zeit betrachten lernten. Wenn dann Scheu vor der älterlichen Autorität, die Besorgniß, dieselben zu kränken, die Kinder antrieb, ihre Zweifel zu verbergen, dann lernten sie die verderbliche Kunst, in der Religion unwahr zu sein, eine Kunst, von der ste vielleicht in der Folge einen schlechten Gebrauch zu machen verstanden. Und sehen wir nicht Intoleranz gegen Andersglaubende im Gefolge dieser Religiosität und die Religion oft mit dem höchsten Sittengesetz, der allgemeinen Menschenliebe, im Widerspruch? Sehen wir dieselbe nicht oft in eine Werkheiligkeit ausarten, die den moralischen Werth des Menschen mit einem ganz falschen Maaßstab mißt und ein unmoralisches Handeln mit sogenannten frommen Werken auszugleichen wähnt? Wenn endlich die Religion zur alleinigen Basis der sittlichen Bildung gemacht wird, müssen wir dann nicht befürchten, daß, wenn späterhin der Glaube wankend werden sollte, auch die Sittlichkeit gefährdet werde? Noch bedenklicher möchte eS seyn, den Schein der Rechtgläubigkeit den Kindern gegenüber anzunehmen; der unbefangene Blick der Jugend hat die Maske bald durchschaut und dann möchte das Mißtrauen gegen die religiöse Leitung der Aeltern sich auch auf die sittliche übertragen. Der Verlust, welchen die sittliche Bildung durch Abnahme der Gläubigkeit an das Ueberlieferte, an der Orthodoxie erlitten hat, möchte demnach nicht so hoch anzuschlagen seyn, als man dem Anscheine nach glauben sollte, und wir mögen uns mit dem Gedanken trösten, daß jen e Sittlichkeit, welche den wesentlichsten Theil der Religion ansmacht und durch diese vorzüglich bezweckt wird, keineswegs abgenommen hat; daß wahre Humanität, Achtung der Menschenwürde und Menschenrechte, die weit mehr als Barmherzigkeit ist, den gläubigsten Zeitaltern oft fremd war; daß Theilnahme für Alles, was das Gemeinwohl fördert,