Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 die Liebe aber sie zu besiegen antreibt. Und wer mag eS verkennen, daß so viele Rohheiten, deren Aeußerungen oft von Bosheit nicht zu unterscheiden sind, verschwunden sind, daß die verfeinerten Gefühle ein edleres Verhältniß zwischen Aeltern und Kindern gebildet haben, daß der Veranlassungen zu Züchtigung und Strafe viel wenigere Vorkommen, daß ein besserer Ton, ein zarteres Verhältniß in vielen Familien herrschend geworden ist, ein Verhältniß, in welchem die sympathetische» Gefühle an Kraft gewinnen und Lehren und Ermahnungen mehr zum Herzen dringen. Diese so wie die Mittel der Strafe und Belohnung werden offenbar auf eine zweckmäßigere Weise angewendet, nach richtigern Grundsätzen dabei verfahren und dadurch ein größerer Gewinn für die Sittlichkeit erzielt, als sonst durch strengeres Verfahren erreicht werden konnte. Aber der Einfluß, welchen die Religion vormalö in der Erziehung übte, wie steht's damit? Hat die jetzige Erziehung diesen Hebel der Sittlichkeit nicht großentheils verloren? Unstreitig ist die wahre Religion, die, welche mit der übrigen Bildung und geistigen Anschauung, zu der unsere Zeit sich erhoben hat, im Einklänge steht und gleichsam mit derselben verschmilzt und sie verklärt, ein schätzbares Erziehungsmittel, wenn die Erzieher selbst inniglich von derselben durchdrungen sind. Allein das, was von der Religion im höhern Sinne gilt, von der Religion, die uns in dem einzelnen Menschen ein Glied der Menschheit sehen läßt, welcher der Weltengeist ihre Bestimmung und die Mittel sie zu erfüllen in den ihr verliehenen körperlichen und geistigen Kräften angewiesen, und die dem Menschen das Gefühl seiner Würde gibt und ihn erhebt, gilt es von den Religionen im Allgemeinen, auch von jenen, welche, indem sie die Beobachtung vieler Gebräuche vorschreiben, den Menschen beständig der Versuchung zur Sünde aussetzen und ihn in seinen eigenen Augen als sündhaft und den göttlichen Strafgerichten verfallen erscheinen lassen? Wie oft sehen wir gerade aus den strenggläubigsten Familienkreisen die ungläubigsten Kinder hervorgehen, weil die religiösen Vorstellungen, in denen man sie erzog, zu heterogen