Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— 6 Leben zu verleihen, und eben so wenig Gelegenheit bietet sich dem Lehrer, dem Leichtsinne, der Selbstsucht, der Neigung zur Verschwendung entgegen zu wirken; sie kann im Allgemeinen mehr abwehrend den Ausbruch gewisser Aeußerungen des Egoismus, des Zornes, der Herrschsucht zurückhalten, als den Gefühlen und Begehrungen eine sittliche Richtung und Begrenzung geben. Hier muß sie das Meiste der Wirksamkeit des älterlichen Hauses überlassen, und selbst in dem kleinern Theile deS sittlichen Lebens, der in ihrer Sphäre liegt, muß sie die häusliche Mitwirkung in Anspruch nehmen, wenigstens muß sie verlangen, daß ihr nicht entgegen gewirkt werde, wenn die Mittel, deren Anwendung ihr verstattet ist, nicht wirkungslos bleiben sollen. Wenn man demnach zugeben muß, daß unsere Zeit, obwohl die intellectuelle Bildung so weit über die frühere vorangeschritten, in der sittlichen nicht gleichmäßige Fortschritte gemacht hat, so würde man dennoch gegen unser Zeitalter ungerecht seyn, wenn man, mit manchen Gegnern aller Bewegung, die nur die Schattenseite des Neuen in's Auge fassen und den Karakter der Jetztzeit im Vergleiche mit dem der früher» nur nach einigen Vergleichungspunkten beurtheilen, behaupten wollte, die jetzige sittliche Erziehung und Bildung stehe gegen die vormalige weit zurück. Wenn auch die häusliche Zucht an Strenge verloren hat, dem Willen der Kinder mehr Freiheit gestattet, ihren Wünschen und Ansprüchen mehr nachgegeben wird, ihre Genüsse und Vergnügungen sich vermehrt haben und man sie im Allgemeinen eine zu große Rolle im häuslichen und geselligen Leben spielen läßt, so wird man dennoch nicht läugnen können, daß der sonst beständig angewendete Hebel der Furcht und Strafe oft die böse Begierde nur zurückdrängte, die aber, von der Furcht befreit, nur mit desto größerer Stärke hervorbrach; daß die in größerer Einschränkung erzogene Jugend, zur Freiheit gelangt, dieselbe um so mehr mißbrauchte, je weniger sie solche mit dem rechten Maaße zu gebrauchen gelernt hatte; daß die Liebe mehr als die Furcht vermag, daß ihr Wirken jedenfalls von größerm sittlichen Werthe ist; daß die Furcht die böse Lust zu verbergen,