Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1846
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 nur den geringer« Theil der Mittel zur moralischen Bildung. Diese bedarf einer besonder«, darauf gerichteten Erziehung, bedarf einer speziellen Belehrung, verbunden mit Uebung und Gewöhnung, bedarf eines planmäßigen, darauf berechneten Verfahrens. Die meisten der angeführten günstigen Umstände, die der intellectuellen Bildung zu statten kommen, gehen der sittlichen ab. Die Methode beruhet auf keinen so sichern Grundlagen; man kann darüber noch zu keiner allgemeinen Uebereinftimmung kommen, da in der Psychologie noch so große Verschiedenheit der Grundsätze und Meinungen herrschet und selbst die Begriffe vom sittlichen Leben noch von einander abweichen; die folgerechte Anwendung der Methode ist weit schwieriger und daher die Zahl der dazu Befähigten weit geringer; hier locket kein so nahe liegender Lohn, hier winken keine in die Augen fallenden äußere Vortheile, treibt kein wetteifernder Ehrgeiz; das Errungene ist nicht so greifbar und daher minder anspornend zu fortgesetztem Bemühens die Schwierigkeiten, statt abzunehmen, wachsen mit den Lebensjahren und mit der körperlichen Reife; das Leben bringt gefährlichere Reize, mächtigere Hindernisse, je mannichfaltiger es an Bedürfnissen, je reicher an Genüssen, je größer die Empfänglichkeit für dieselben wird und je höher die Ansprüche sich steigern. Die Schule kann hier die Lehre nicht mit praktischen Anwendung en verbinden und befestigen, und hat nur über wenige Mittel zu verfügen. Sie mag die im Schulleben sich darbietenden Veranlassungen ergreifen, um den Schüler in der Beherrschung des Zornes, in den Tugenden der Gerechtigkeit, der Nachgiebigkeit und Versöhnlichkeit, der Wahrhaftigkeit und des Gehorsams zu üben; sie hat aber keine Gelegenheit, ihn in den so wichtigen Tugenden der Mäßigkeit, der Genügsamkeit, der Bezähmung der sinnlichen Begierden, der Bescheidenheit und noch vieler andern durch Uebung zu stärken, noch ihm Beispiele derselben, so wie der Sanftmuth, der Dankbarkeit, der Redlichkeit, des Wohlwollens, des Mitleids und der Mitfreude, der Aufopferung, der emsigen Thätigkeit vor die Augen zu stellen und dadurch der Lehre Kraft und