Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1844
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9643689-7657531--129-7657547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 der es durch seinen Unterricht allein nimmermehr vermögen würde, sondern kann nur durch das Zusammenwirken der meisten Lehrer einer Anstalt erzielt werden. Um aber solchen Einstuß auszuüben, ist es nicht genug, wenn er von einer tüchtigen Gesinnung belebt ist, er muß auch dem Schüler als ein durch seinen Beruf und seinen Karakter achtungswerther Mann gelten, als ein Mann, den derselbe, was die Sittlichkeit des Lebens und Handelns betrifft, sich zum Vorbilde nehmen könne, dessen Worte er stets beachten, dessen Lehren er seinem Gedächtnisse einprägen soll. Ist es aber möglich, daß diese Vorstellung im Gemüthe des Schülers wurzele, wenn die Aeleern nicht in dem Tone der Achtung von ihm sprechen, wenn sie an ihm mäkeln, das, was ihnen mangelhaft an ihm erscheint, vor dem Schüler, sei es auch ohne Uebelwollen und bloß um die Leere des Gespräches auszufüllen, hervorheben oder gar selbst Mangel an Achtung kund geben? Wird der Schüler nicht balv dahin gelangen, den Lehrer als einen Miethling zu betrachten, bei dem er dieses und jenes lernen und allenfalls dessen Befehle, in so fern sie sich auf den Unterricht beziehen, befolgen, im Uebrigen aber nicht zu beachten habe, dessen Lob ihn nicht erheben, dessen Tadel ihn nicht herabsetzen könne? Werden dann nicht alle, auf die sittliche Bildung hinzielende 'Bestrebungen fruchtlos bleiben? In der That bestätigt die Erfahrung die Wahrheit dieser so natürlichen Schlußfolgen. Leicht wird dem Lehrer sein Bemühen bei jenen Schülern, deren Achtung von ihm im häuslichen Kreise nicht geschmälert, vielmehr gepflegt und verstärkt wird; mit einem Worte vermag er sie zu lenken, schon ein Verweis ist ihnen eine empfindliche Strafe, mit Widerspenstigkeit hat er fast niemals zu kämpfen, zur Unwahrheit und Lüge nehmen sie nie ihre Zuflucht und er sieht seinen Beruf mit dem besten Erfolge gekrönt. Schwer aber wird dem Lehrer sein Beruf bei dem Schüler, in dem diese Achtung nicht vorhanden ist; er muß Alles mühsam erkämpfen, sieht feine Worte ohne Eindruck vorübergehen, muß den Gehorsam oft erzwingen, den ausbrechenden Muthwillen mit Strafen zügeln, und wenn der Schüler auch im Wissen fortschreitet, Gefühle und Gesinnungen sinken zur Alltäglichkeit herab.