Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1844
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9643689-7657531--127-7657545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
n bleiben würde. Leider bleibt die Verirrung nicht dabei stehen. - Wer war nicht schon Zeuge, wie Aeltern mit wohlgefälliger Aufmerksamkeit zuhörten, wenn Kinder erzählten, was sie sich in den Stunden dieses und jenes Lehrers erlaubt, welche Streiche sie unentdeckt und ungestraft verübt, wie gewisse Schüler ihn zu hintergehen und zu täuschen wüßten? Wer war nicht schon Zeuge, wie Aeltern lächelnd zuhörten und zusahen, wie der muthwillige Knabe das Wesen seines Lehrers nachahmte, irgend eine Eigenheit, eine Manier desselben mimisch darstellte, ja bis zur Karrikatur entstellte? Wer bemerkte es nicht, wie man sich des Nachahmungstalentes, der Beobachtungsgabe des Kleinen freute, ja ihn zur Widerholung aufforderte? „Das ist ja ein unschuldiger und harmloser Scherz, der dem Lehrer nichts von der ihm gebührenden Achtung entzieht." Falsche Beschönigung! Selbst in den Augen der Erwachsenen, wenn sie sich nicht auf eine hohe Stufe der Bildung erhoben haben, verliert ein achtungswerther Mann an Ansehen, wenn seine lächerlichen oder sonderbaren Eigenheiten öfter zum Gegenstände nachahmender Darstellung gemacht werden; der Anblick der Person, erinnert dann an jene Scenen, die sich in unserer Vorstellung dergestalt mit ihr verbinden, daß jeder Gedanke an sie dieselben zugleich mit hervorruft und so den Eindruck ihrer Vorzüge schwächt. Wie vielweniger ist der flüchtige, von den sinnlichen Eindrücken und der Phantasie beherrschte Knabe im Stande, dem Lehrer gegenüber, nur dessen Stellung im Auge zu haben und die mit so vielem Beifall dargestellten Manieren von seinem Jdeenkreise fern zu halten; ja wird er nicht, eingedenk des Beifalls, den er eingeerntet seine Aufmerksamkeit darauf richten, Eigenheiten auszuspähen und dem Lehrvortrage nur ein flüchtiges Gehör schenken? Wird er nicht, selbst in der Schule, wenn er sich vom Lehrer unbemerkt glaubt, zur Belustigung seiner Gefährten und aus Muthwillen, seine Nachahmungskunst üben und einen frivolen Geist in seine Klasse bringen? Schlimmer noch als beifälliges Zuschauen solcher Nachäffungen von Aeußerlichkeiten sind — und auch sie gehören nicht zu den Seltenheiten — Unterhaltungen, in welchen die Privatverhältnisse von Lehrern, ihre sonstigen Beschäftigungen, ihr häusliches Leben, ihr moralischer Karakter in Gegenwart von Schülern besprochen