Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1844
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
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10 Zwecke zu erreichen, gegen sie selbst manche Unwahrheit und Täuschung, die sie späterhin entdecken; die Kinder merken es, wie die verschiedenen Glieder des Hauses oft etwas gegen einander verheimlichen, oder anders darstellen, als es ist; oder es wird einem Kinde gar befohlen, etwas geheim zu halten, und wenn es deßhalb befragt werden sollte, mit einer Unwahrheit zu antworten; man erlaubt sich ein dem Kinde bekanntes Ereigniß in der Erzählung zu verändern, manches, wenn auch nur der Ausschmückung wegen, hinzuzufügen; sollte nun das Kind, von Natur ohnehin geneigt, alles zu vergrößern, das Beispiel der Erwachsenen nicht nachahmen? Sollte es nicht ebenfalls zur Erreichung seiner Absichten, sich Abweichungen von der Wahrheit erlauben? Dazu kommt noch die Flüchtigkeit und Oberstächlichkeit vieler Kinder, ihre Neigung sich das Zweifelhafte so vorzustellen, wie es ihren Wünschen entspricht, das ihnen Unbekannte mit der Phantasie zu ergänzen. Es verdienen daher die Aussagen der Kinder keinesweges unbedingten Glauben. Am meisten aber mißtraue man den Kindern, wenn es ihnen darum zu thun ist, ihre Unwissenheit, ihre Trägheit und Nachläßigkeit in den Augen der Aeltern zu bemänteln und die Schuld von sich abzuwälzen; wenn sie eine erlittene Strafe in ein grelles Licht stellen, um das Mitleid zu erregen oder eine kleine Rache an dem Lehrer zu üben, da es Kinder gibt, die jede ihnen auferlegte Strafe für ungerecht halten. Sie werden aber um so mehr sich ihrer Neigung zu entstellen und zu übertreiben hingeben, wenn sie wissen, daß sie bei den Aeltern leichten Glauben finden. Wenn durch die angeführten, häufig genug sich zutragenden Vorfälle der Schule in so fern Unrecht wiederfährt und Nachtheil erwächst, als ungerechte Urtheile über sie gefällt werden, die ihr in der öffentlichen Meinung schaden, so ist der Nachtheil viel größer, wenn die Aeltern unbehutsam genug sind, ihren Tadel in Gegenwart der Kinder auszusprechen. Hier fühlen wir uns gedrungen mit einigen Worten die Aufmerksamkeit der Aeltern auf ein, in der Erziehung sehr bedeutsames Moment hinzulenken: auf das Gefühl der Achtung und Ehrfurcht. Denn wie es schlecht um eine bürgerliche Gesellschaft steht, wenn es