Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1844
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
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6 kund, die man der Anstalt, der man seine theuersten Wesen anvertraut, im Interesse dieser ihr Anvertrauten erweisen soll? Wohl fehlt es, Dank den großen Fortschritten in den letzten Decennien, nicht an Aeltern, die auch in dieser Beziehung es beurkunden, daß sie zu den wahrhaft Gebildeten gehören; es gibt jedoch noch immer auch solche, die in dieser Hinsicht sich mancher Mißgriffe, ja schwerer Verstöße gegen das Geziemende sich schuldig machen. Es ergeht nänllich dem Unterricht- und Erziehungswesen, wie der Politik. Man glaubt, der gesunde Menschenverstand — und diesen spricht sich wohl jedermann zu — und ein gewisser Grad von allgemeiner Bildung — den wieder jedermann zu besitzen glaubt — seien genügend, um über diese Gegenstände ein Urtheil fällen zu dürfen, Gebrechen zu bemerken, Verbesserungen Vorschlägen zu können, und hält sich daher für berechtigt, Lob und Tadel zu spenden. Selbst derjenige, der sich nie mit der Jugend auch nur in einzelnen Stunden beschäftigt, niemals derselben einige Aufmerksamkeit geschenkt hat, wähnt aus dem Stegreife über das, ihm nur von Hörensagen oder aus sehr flüchtigen Bemerkungen bekannte Verfahren der Schule und über ihre Leistungen, seine Ansicht, als eine wohlbegründete aufstellen, cm entscheidendes Urtheil darüber abgcben zu können; um so mehr müssen demnach sich Aeltern dazu befähigt und befugt halten. Aber diese vermeinte, allgemeine Urtheilsfähigkeit ist in der Pädagogik ein fast eben so großer Jrrthum, wie in der Politik. Die Kunst der Menschenbildung ist fürwahr eine der schwierigsten; sie erheischt, bei guten Naturgaben, ein gründliches Studium der geistigen Menschennatur und der Gesetze ihrer Entwicklung, rin vielfältiges Denken, verbunden mit einer vieljährigen Erfahrung; selbst der Mann von Geist und Wissenschaft verfällt, wenn ihm jene Erfordernisse abgehen, in irrthümliche Behauptungen, um wie viel mehr derjenige, dem methodisches Denken nicht zur Gewohnheit geworden und dessen sonstige Beschäftigungen diesem Jdeenkreise fern liegen. Irgend ein Zufall, ein Besuch, führt mehrere Bekannte zusammen; man unterhält sich von den Stadtneuigkeiten, von Putz, von einer Kindergesellschaft, von einem Kinderballe — diesen trefflichen Veranstaltungen zur Bewahrung des kindlichen Sinnes, der Einfachheit,