Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1843
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9643689-7657510--103-7657522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und sein Gesichtskreis dehnte sich nach allen Richtungen aus. Im Jahre 1825 erregte er die Aufmerksamkeit der Gebildeten seiner Glaubensgenossen durch die von ihm herausgegebene Zeitschrift: „Geist der pharisäischen Lehre." In derselben wußte er, mit aller von den Umständen ihm gebotenen Behutsamkeit und Schonung, durch Darstellung der geschichtlichen Entwickelung des Judenthums und durch Uebersetzung einiger schätzbaren exegetisch - philosophischen Abhandlungen aus der spanisch-arabischen Schule, Lichtstrahlen nach allen Richtungen in ein mit Dunkel umhülltes Gebiet zu werfen, und die Geister zum selbstthätigen Denken und Forschen anzuregen. Diese Zeitschrift wurde die Veranlassung zu seiner Anstellung an unserer Schule, für welche sich auch der edle Schoss Ihm, damals Senats - Commissarius bei der israelitischen Gemeinde, der jeden Fortschritt in derselben mit dem lebendigsten Eifer beförderte, sehr interessirte. Creizenach wurde dadurch den drückenden Verhältnissen, in denen er bisher lebte, enthoben, und wenn auch seine Arbeit sich nicht minderte und er, bei vermehrten Bedürfnissen und als zärtlicher, für die Zukunft der Seinen besorgter Familienvater, neben seinen Schulstunden eine große Zahl von Privatstunden — 5 bis 6 des Tages — übernehmen mußte, so pries er sich dennoch glücklich über eine Veränderung, die ihm einen großem und freicrn Wirkungskreis eröffnete. Und nun begann die Periode seiner Wirksamkeit für unsere Jugend durch Unterricht in mehrern Fächern und besonders in der Religion so wie für die Erwachsenen durch seine Vorträge in der Andachtstunde. Diese, größtenthcils freien Vorträge waren nicht sowohl nach den herkömmlichen Vorschriften der Rhetorik kunstgerecht! ausgearbeitete Reden, wo oft ein Gedanke so lange verdünnt wird, bis er alle seine Kraft verliert, als Vielmehr Ausströmungen eines reichen Geistes und Ergiisse eines für das Wohl seiner Glaubensgenossen glühenden Herzens über die wichtigsten Fragen des Judenthumö und der Sittenlehre, voll der treffendsten Citationen und Erklärungen bedeutsamer Aussprüche aus dem ganzen Umfange der religiösen Litteratur. Oft bezogen sich diese Vorträge auf Ereignisse in der Gemeinde, die eben statt gefunden hatten; er ließ keine solche Veranlassung vorübergehen, ohne sie im Geiste der Religion zu beleuchten und herzliche Ermahnungen daran zu knüpfen.