Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde · 1839-01-01 · 1839 · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1839
Date
1839-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/9643689-7657470--073-7657480
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 * daß dieselben Regungen ihre Herzen und die unseren erschüttern können, daß dieselben Saiten in ihnen wie in uns in Schwingungen gerathen. Nehmet die Lebhaftigkeit der Eindrücke weg und alles ist matt und farblos in unserer Seele, wir haben nichts auf die uns Umgebenden zu übertragen; nehmet die Hoffnung hinweg, mit-, zutheilen^ was wir empfinden, und die stärksten Eindrücke erlöschen in unserm Busen, ohne Spuren zurückzulassen und ohne ein Resultat nach außen herbeizuführen. In diesen beiden Beziehungen lassen sich die schlimmen Wirkungen einer zu stark erregten Eigenliebe leicht beurtheilen. Sie verwirrt, sie beunruhigt das Wesen, in welchem sie herrschet und verhindert es, reine Eindrücke von außen zu empfangen. Wem ist es unbekannt, daß, sobald wir von kleinen, persönlichen Leidenschaften eingenommen sind, alles, was unserm Interesse fremd ist, unbemerkt vorübergeht? Gewisse Eindrücke sind zu stark, andere zu schwach; die Harmonie zwischen uns und der Natur ist ^gestört, ja, selbst zwischen uns und den Menschen findet sich keine mehr; unsere Beziehungen zu ihnen haben sich verändert, und — was das Traurigste ist — die Eigenliebe zerstört jenes gegenseitige Wohlwollen, welches uns den Zugang zu ihren Herzen öffnet. Wie die Liebe Liebe erweckt, so pflanzt sich auch die Sympathie fort und ohne sie läßt sich kein Einfluß ausüben. Wie sie uns das Geheimniß dessen, was in Andern vorgeht, offenbart, so ist sie auch ihnen die Bürgschaft für die Wahrheit unserer Gefühle. Man muß ein gegenseitiges Vorgefühl von einander haben, um sich zu verstehen, und schon dieses ist eine Art von Zuneigung. Dadurch, daß wir sie als Wesen von derselben Natur, daß wir sie als Brüder erkennen, machen wir, daß sie unsere Gemüthsbewegungen theilen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.