Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1839
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Eine aufmerksame Untersuchung des Einflusses, den eine lebhafte Eigenliebe ausübt, wird uns überzeugen, daß, wenn sie häufig den glücklichen Erfolg großer, bereits entwickelter Fähigkeiten begleitet, sie nicht desto weniger der ersten Entwickelung zum Nachtheil gereicht. Sie hält, in zwei verschiedenen Beziehungen, den freien Wachsthum des Geistes auf und begünstigt nur eine gewisse Anstrengung des Fleißes und des Gedächtnisses. Einerseits steht sie offenbar der unparthciischen Forschung der Wahrheit entgegen, indem sie, so wie sie sich zu Gunsten einer Meinung ausgesprochen hat, der Einsicht allen Zugang versperrt, und den von ihr Beherrschten nöthigt, eine, dem gesunden Verstände, der Moral und selbst dem Interesse entgegengesetzte Bahn einzuschlagen. Andererseits ist sie dem wahren Talente schädlich, indem sie die Anlagen erstickt, die solches zu erwecken am geeignetsten sind. In der That, was ist Talent? In seinen geringen, wie in seinen glänzendsten Aeußerungen ist das Talent nichts anderes, als die Macht, auf Andere zu wirken, das, was unser Inneres bewegt, auf-sie zu übertragen; es ist der energische und ergreifende Ausdruck des Gefühls, von dem wir beseelt sind. Mag es Worte, Geberden, Töne oder Farben gebrauchen, sich der Leinwand oder des Marmors bedienen, immer ist es eine Sprache, eine lebhafte und rasche Mittheilung zwischen Geistern. Was sind demnach die Bedingungen seiner Entwickelung in der Jugend? Zuvörderst die, daß die Eindrücke kräftig ausgesprochen seien, daß die Gegenstände oder Vorstellungen stark auf den Geist und die Einbildungskraft der Jugend wirken. Sodann gehört dazu die innige Ueberzeugung, daß wir es mit Wesen, wie wir, zu thun haben, daß die Sympathie uns nicht täuscht, wenn sie uns sagt,