Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1839
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 reicherung des Geistes, zur Erweiterung des Jdeenkreises und Berichtigung der Ansichten von Natur, Kunst und Leben, sondern, nächst dem Gebrauch und praktischen Nutzen, nach dem Beifalle und den schmeichelhaften Artigkeiten geschätzt, den man durch dieselben in geselligen Zirkeln zuweilen einärntet, nach der Befriedigung, die sie der Eitelkeit gewähren. Als ob man fürchtete, die Eitelkeit und die Selbstsucht möchten nicht frühzeitig genug in der Seele des Kindes erwachen, eilt man diese Neigungen künstlich zu erzeugen, indem man den Blick des Kindes aus der Unbefangenheit und Sorglosigkeit, welche die weise Vorsehung ihm als freundliche Hüter und Begleiter des Lebensmorgens verliehen, aufscheuchet, ihn auf die äußere Umgebung mit ihren Convenienzen und Vorurtheilen hinlenket, und es anleitet, gleich einem schlechten Schauspieler sich beffändig nach dem Publikum umzusehen. ,,Wie artig weiß jener Knabe zu grüßen, sich in Gesellschaft zu benehmen und zu zeigen, daß er was gelernt hat" — „Wie graziös weiß jenes Mädchen sich zu verbeugen, eine Aufforderung zum Tanze anzunehmen, Artigkeiten zu erwiedern" — „Was würde man von deiner Art zu sprechen sagen? Wie würde jemand, der eben käme, dich gekleidet finden?" Diese und ähnliche Reden hört man beständig selbst im Munde vernünftiger Aeltern; sie sind das Gängelband, an welchem sie ihre Kinder zu dem Gipfel der Bildung zu leiten hoffen. Daher die Seltenheit natürlicher, unbefangener, ihr inneres Leben frei aussprechender Kinder; daher das Gezwungene und Unnatürliche in den Gesprächen und der Unterhaltung, selbst der jüngern Welt, den beständigen Zwang und die ängstliche Besorgniß, etwas zu sagen oder zu thun, was gegen den guten Ton — der doch nicht überall der gute Ton ist — verstoßen