Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1836
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 alles nur leise hingleitet. Sei es Mangel an Bestimmtheit ln den Eindrücken, oder Trägheit der Denkkraft — sie sehen nicht an oder hören nicht zu, und ihr ganzes Wesen scheint in einen dichten Nebel gehüllr. Die Natur versagt jedoch niemals Alles und dem Erzieher kömmt es zu, das, was sie gibt, nutzbar zu machen. Dieses so weiche, so schwerfällige, apathische Geschöpf, das die Vorsehung ihm anvertraut, muß ihm ebenso heilig sein, als jenes so lebhafte, muntere und immer regsame Wesen. Die Wirkung seiner Sorgfalt wird bei jenem zwar minder sichtbar, aber um so reeller sein; sie wird mit größeren Rechte eine Entwickelung heißen können, weil die Keime seiner Fähigkeiten zum Hervordringen einer fremden Wärme bedürfen. In dem Maaße als die Freude, welche die Erziehung macht, geringer ist, wächst die Pflicht, die sie uns auferlegt, werden die Beweggründe in unseren Bemühungen zu beharren, dringender und zu einer Angelegenheit des Gewissens. Gerade bei diesen indolenten Naturen und verwirrten Köpfen wird man bald die Bemerkung machen, daß materielle Gegenstände sich weit besser, als die bloß intellektuellen Begriffe, zur Uebung des Verstandes eignen. In dem Alter jedoch, das wir im Auge haben, sind alle Kinder in dieser Beziehung fast gleich; es ist nicht nur leichter, sie mit anschaulichen Dingen zu beschäftigen, sie ziehen auch einen weit größer« Gewinn aus dieser Beschäftigung. Die allgemeinen Begriffe sind für sie gar nicht vorhanden; wenn'sie in denselben nicht irgend eine Hindeutung auf ihre Angelegenheiten vermuthen, schenken sie ihnen keine Aufmerksamkeit und behalten sie nicht im Gedächtnisse. Nur die Thatsachen haben in ihren Augen Realität. Da nun die Wißbegierde, diese ächte Triebfeder der Denkkraft, keine ruhigere, keine unschuldigere Beschäftigung finden kann, als die Betrachtung sinnlicher