Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1834
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 15)
- Language
- German
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12 Geist aufgegangen zu sein und uns zu zeigen, mit wem wir es von nun an zu thun haben. Dieß zu wissen wäre allerdings sehr wichtig, aber um dazu zu gelangen bedarf es des Studiums. Die so naiven, so natürlichen Kinder find nicht immer streng wahrhaft; fie verstellen sich, so zu sagen, ganz unschuldig, und zeigen uns eine sonderbare Mischung von Feinheit und argloser Hingebung. Der Trieb der Sympathie, der so wundersam zu ihrer Entwickelung gedient hat, ist sehr geeignet, fie über den Gebrauch der Sprache zu täuschen. So lange fie noch klein find, glauben fie, dieselbe sei dazu da, um zu gefallen und etwas zu erlangen, nicht um die Wahrheit mitzutheilen, wovon fie kaum einen Begriff haben. Warum sollten die Worte des Kindes mit den Thatsachen übereinstimmen? Was kümmert es das Vergangene, die geschichtliche Wahrheit? Ihm ist nur dran gelegen, geliebkoßt zu werden, was es wünscht zu erhalten. Befragt es über das, was es gethan; eS wird nur das antworten was, nach seinem Sinne, euch angenehm ist. Eine gewisse List scheint allen Kindern angeboren; wenn fie auch gelernt haben die Unwahrheit in Worten zu meiden, lügen fie noch durch Handlungen; denn auch Handlungen sind Lügen, wenn sie in der Absicht geschehen, etwas Glauben zu machen, was nicht ist; fie sind eine täuschende Sprache, die etwas Unwahres ausdrückt. Man möchte glauben, daß den Kindern mit der Geburt eine feine Heuchelei eingehaucht sei, die fie gleich bet der Hand haben. Dieses kaum zweijährige Kind versteckt mit der größten Behutsamkeit etwas, nach dem es schon lange lüstern ist, nähert fich dann leise der Mutter, möchte ruhig bleiben, vermag es aber nicht, und überhäuft sie mit Liebkosungen; aber die Rothe seines Gesichtes, die Verlegenheit