Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1834
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
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11 ihre Züge länger betrachten, diese geliebten Wesen immer wieder finden zu können, die wir, als Kinder, zu bald verlieren, wenn wir auch so glücklich find sie zu erhalten. Wir haben bei diesen Betrachtungen die sittliche Erziehung im Auge, die so weit hinter der intellektuellen zurück geblieben ist, die Bildung der Gefühle und Zdeen, der Triebe und Neigungen, welche den Willen, diesen Mittelpunkt der Sittlichkeit, leiten und bestimmen, und wobei Alles darauf ankommt, den egoistischen Trieben, die keiner Pflege bedürfen, sympathetische und moralische entgegen zu setzen. Auf welche Weise dieß im frühesten Alter geschehen, wie man die mit der Sittlichkeit in naher Beziehung stehenden Triebfedern verstärken und fittliche Gewohnheiten bilden müsse, ist eine Frage, deren Lösung wir uns nicht anmaßen, wenn auch hier Raum dazu wäre; nur über eine fittliche Eigenschaft, deren hohe Wichtigkeit in unserer Zeit sehr mißachtet, deren Pflege wenigstens häufig versäumt wird, wollen wir einige Bemerkungen zur Prüfung vorlegen: Die Gewöhnung zur Wahrhaftigkeit. Unter den Fortschritten des Kindes find vielleicht die der Sprache diejenigen, welche uns am meisten interesfiren, hier ist alles neu, karakteristisch, mit dem Geistigen in naher Beziehung. Von der Geburt an hatte das Kind, mehr oder minder deutlich, begehrt, gewünscht, seine Organe und Kräfte geübt, aber seine Entwickelung, in dieser Rückficht, ging in so unmerklicher Stufenfolge vor fich, daß man dem Verlaufe nur mühsam folgen konnte und voraussetzte, daß fie bei allen Kindern gleichförmig sei. Sobald aber das Kind spricht, tritt alles aus dem Dunkel hervor; jeder seiner Eindrücke und Gedanke hat sein eigenthümliches Gepräge; man behält, man wiederholt seine Worte. Ein Licht scheint über seinem Karakter und seinem