Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1832
- Date
- 1832-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 20)
- Language
- German
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16 Die Religion vermag ferner den Verirrten, ja selbst in Laster Versunkenen, zur Tugend zurück; »führen. Wem sollte diese Wahrheit nicht aus der Erfahrung bekannt seyn? Wie oft überraschte der Gedanke an Gott und Vergeltung, wenn er sich dem Herzen frühzeitig eingeprägt hatte, den Verirrten mit erschütternder Gewalt, wie oft rief ein freudiges oder schmerzliches Ereigniß diesen Gedanken plötzlich aus der Dunkelheit hervor, weckte den Betäubten aus dem Taumel, in dem er hinlebte, und ließ ihn ein neues Leben beginnen. Bei dem denkenden, und zum Denken von Außen und von Innen oft angeregten Manne mag eine solche Umwandlung vielleicht das Werk neuer Erfahrungen, neuer Ansichten, erweiterter Kenntnisse und liefern Nachdenkens seyn; das Weib aber, dessen Denkweise und Karakter, durch Erziehung, Beispiel und Umgebung gebildet, die einmal erhaltene Richtung nicht so leicht verändert, dessen Gesinnung weniger seine Handlungsweise bestimmt, als vielmehr durch dieselbe bestimmt wird und sich ihr anpaßt, und die daher auch fester und unwandelbarer ist, das Weib wird nur durch starke, das Gemüth tief erschütternde Beweggründe, die sich der mächtigsten Antriebe zu bedienen wissen, von der gewohnten Bahn abgelenkt werden, und diese Stärke besitzt die Religion. Sie wendet sich nicht bloß an den Verstand, sie spricht durch die Gefühle, die sie erregt, zu dem Herzen,' lenkt durch die Bilder, die sie der Phantasie vorhält, den Willen, und ersetzt durch die Seelengenüsse, die sie schafft, die Opfer, die sie fordert. Wenn aber die Religion in einem, dem Menschen eigenthümlichen Gefühle begründet ist, die Moralgesetze unterstützt und verstärkt, zum Guten, zur Erfüllung schwieriger Pflichten anspornt, die Neigungen in Schranken hält. * 4 ,