Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1832
- Date
- 1832-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
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zweifelnd und schwankend, gethan, in seinen eignen Augen zu rechtfertigen, und seine Ansichten und Grundsätze nach seinen Handlungen zu modisiciren und mit denselben in Harmonie zu bringen, der wird einsehen, von welchen Folgen schon eine einzige Übertretung oder Umgehung des Sittengesetzes für den ganzen Lebenswandel seyn kann. Diese Verstärkung des Moralgesetzes durch die Religion ist aber dem Weibe um so mehr Bedürfniß, je weniger es fähig ist, sich feste, unwandelbare Grundsätze und Maximen zu schaffen, die bei dem Manne zuweilen mit der Kraft religiöser Gebote und positiver Gesetze wirken; je dunkler ihm die Aussprüche seines Gefühles in der Anwendung auf einzelne Fälle sind; se leichter es ist, durch Scheingründe seinen Verstand irre zu leiten, durch die Sprache des Gefühls sein Herz zu gewinnen, und durch Überredung und Schmeichelei seinen Willen zu erschüttern; es bedarf der Stütze um so mehr, je gefährlicher für seine Sittlichkeit, die auf das Gefühl gegründet ist, schon eine Erschütterung derselben, ein über dieselbe davon getragener Sieg seyn muß. Der Mensch bedarf ferner der Religion, um böse Neigungen zu bekämpfen, und die Leidenschaften zu bezähmen. Das moralische Gefühl empört sich, wenn wir eine schlechte Handlung begehen wollen, es schweigt aber, wenn unsere, an und für sich guten Neigungen und Triebe aus ihren Grenzen treten, wenn der Trieb nach Genuß in unmäßige Sinnlichkeit, der Trieb nach Eigenthum in Eigennutz und Habsucht, der Ehrtrieb in Ehrgeiz und Herrschsucht, die Sorge für die Zukunft in Geiz, die Behauptung unseres Ansehens in Stolz und Hoffarth ausarten. Diese und andre, der Sittlichkeit und Wohlfahrt des Einzelnen und der Gesellschaft verderbliche Begierden und