Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1832
- Date
- 1832-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 12)
- Language
- German
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8 zu beurtheileri, die Grundlage der Religion, und je lebendiger das moralische Gefühl, je zarter das Gewissen ist, desto empfänglicher ist das Gemüth für den Gedanken eines höchsten Wesens, das der Menschenseele diese Gefühle eingepflanzt, einer Vorsehung, die über die menschlichen Schicksale waltet, und einer Bestimmung des Menschen zu unbegrenzter Fortdauer und Vervollkommnung. Aber das moralische Gefühl ist nicht in allen Menschen, nicht bei allen Handlungen, nicht zu allen Zeiten gleich lebhaft. Bei manchen Menschen ist es nicht oft genug zur Anwendung gekommen, hat noch nicht die Probe der Aufopferung eines bedeutenden Vortheils, eines anziehenden Genusses bestanden, ist noch ungeübt im Kampfe mit den egoistischen Trieben, und ist durch die Vernunft noch nicht zu Grundsätzen und zur Lebensnorm erhoben worden. Zu manchen Zetten steigen Zweifel an seiner gebietenden Nothwendigkeit, an seinem Zusammenhänge mit dem Lebensglücke in der Seele auf, und erschüttern seine Macht in entscheidenden Momenten. Bei manchen Handlungen, besonders wenn große Interessen in der Wagschale liegen, besttzt das Moralgesetz nicht die hinlängliche Kraft, um das Unrechte Beginnen zu verhindern, bei andern von geringerer Bedeutsamkeit wird es durch den sophistischen Verstand beschwichtigt. In solchen Fällen tritt die Religion, deren Vorschriften bestimmter, deren Sprache nachdrücklicher, deren Beweggründe faßlicher und sinnlicher sind, und deren Wirkung rasch und augenblicklich ist, dem wankenden Menschen zur Seite, hilft ihm den gefährlichen Moment, die lockende Versuchung glücklich überstehen, und stärkt so das moralische Gefühl, indem sie das Gewissen unbefleckt erhält. Wer aber weiß, wie geneigt der Mensch ist, was er nur einmal, wenn auch