Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1830
- Date
- 1830-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
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9 auch eine höchst dürftige, ihn vielmehr beherrschende, als seiner Herrschaft unterworfene Einbildungskraft haben. Denn welche Mittel stünden ihm zu Gebote, sich an eine Vorstellung zu erinnern, wenn sie nicht zufällig mit irgend einer gegenwärtigen Wahrnehmung oder Vorstellung in Verbindung steht? Seine Einbildungskraft würde ganz der Gewalt und Leitung der auf sie einwirkenden Objekte und Empfindungen hingegeben seyn. Eben daher würde er nicht über seine Aufmerksamkeit gebieten können, da er kein ihm stets zu Gebote stehendes Mittet besäße, Vorstellungen zurückzurufen und die Nückerinnerung von den, durch die augenblicklichen Bedürfnisse und Zufälle erweckten Vorstellungen und deren Aehnlichkeit und vormalige Verknüpfung mit andern abhinge. Und wenn es wahr ist, daß der Mensch ohne den Gebrauch willkührlicher Zeichen nur Vorstellungen sin nli ch er Wahrnehmungen und gar keine oder sehr wenige eigentliche Begriffe haben würde, so muß es uns noch einleuchtender werden, welch einen mächtigen Einfluß die Sprache aus Einbildungskraft und Gedächtniß und dadurch auf das ganze Denkvermögen hat. Die Sprache und die daraus hervorgegangene Bildung der Begriffe öffnen jenen eine unermeßliche Bahn und geben denselben eine ans Wunderbare gränzende Thätigkeit. Ein Blick auf die Natur der Begriffe und ihre vielfältige Verbindung wird uns dieß deutlicher machen. Die sinnlichen Wahrnehmungen verschaffen nur die Kenntniß physischer Verhältnisse, die auch dem Thiere eigenthümliche Bemerkung der Beziehungen, in welcher die Dinge zu ihm in Hinsicht seiner Erhaltung und seines Wohtseyns stehen. Diese aufeinander folgenden Beziehungen verlöschen einander und kehreu nur mit denselben Umständen wieder zurück, durch die sie hervorgebracht oder von denen sie begleitet wurden; der Mensch besitzt im Um-