Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1986
- Issue
- No. 51 (1986)
- Date
- 1986-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 39)
- Language
- German
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JOSEPH AWJAM (BENDIX) IN MEMORIAM Wir sind “gewoehnt” Nachrufe ueber die “alten” Einwanderer aus Deutschland zu lesen, die man s. zt. gekannt u. geschaetzt hati u. die nun z.T. im biblischen Alter — von uns gehen. Nun ist schon z.T. die 2. Generation an der Reihe. Wer kannte schon diese Generation, die zwar noch in Deutschland geboren war, aber doch hier z.T. unter schwersten Bedingungen aufwuchs, von den Jekkes nicht als voll genommen, u. von den Sabres immer noch als “Jekke” bezeichnet? Diese Generation stand ihren Mann in jedem Krieg — wir hatten derer ja genug, man ging auf Miluim - (Reserve Dienst), an Universitaet nicht zu denken (man hatte ja Kinder u. eine Frau) u. so sind viele dieser Generation sang u. klanglos in Vergessenheit geraten. Joske Awjam (Bendix) ist Schulbeispiel dieser Generation u. aus seiner Laufbahn — die typisch fuer unsere Generation war kann man die Tragik dieser Generation ersehen, die nun auch schon in den 60-er Jahren ist. Nein, Joske, Du bist mehr als ein paar Zeilen in der Zeitung wert, Du repraesentierst eine gesamte Generation. In Breslau 1923 als Sohn von Siegfried Bendix geboren, kam er mit der Jugend-Aliya mit 15 Jah- (Fortsetzung von Seite 38) sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte geschaffen und ausgeschliffen hat um seine Gedanken und seine Weltanschauung der Mit- und Nachwelt zu verkünden, ist der philosophische Aphorismus.- Der Begriff stammt aus dem griechischen Altertum: Die Wahrsprüche des “Vaters der Ärzte”, Hippokrates, tragen diesen Namen. Das Wort selbst hat die Bedeutung des “Begrenzten”, der “Definition”. Besonders beliebt war diese Kurzform bei den Moralisten des spanischen und französischen Barock (Grazian, La Rochefoucauld), dort dient sie vor allem der Darstellung des menschlichen Egoismus. Das Charakteristikum der Aphorismen Margolius’ ist demgegenüber die Betonung des menschlichen Altruismus. Ein weiteres Kennzeichen seiner Aphorismen ist es, die Aussprüche von Vorgängern zu zitieren und sich mit ihnen auseinander zu setzen. “Werte und Wege” heisst eines der reifsten Aphorismen-Werke von Hans Margolius. Es ist 1977 im Strom-Verlag, Zürich, erschienen. In diesem Buch werden viele Aphorismen anderer Autoren zitiert, von Vorgängern und Zeitgenossen, von Berühmten und kaum Bekannten. Vier Jahre später hat Margolius eine Aphorismen-Anthologie, zusammen mit Ernst Kobelt, dem Lektor des Strom-Verlages, herausgegeben. Sie heisst “Besinnung und Einsicht”. Die Autorenliste beginnt bei Tolstoi und endet bei den noch nicht 25-jährigen. In dieser Sammlung zitiert er auch sich selbst. Der letzte seiner Aphorismen ist vielleicht sein schönster: “Es gibt kein Licht, das nur sich selber leuchtet”. Abraham Tobias ren ins Land. Nach Abschluss der 2-Jaehrigen Ausbildung, gehoerte er zu den Gruendern von Sdot Yam — Cesarea, wo er auch seine Frau kennen lernte. Von dort holte ihn der unvergessene Novak — ein Jude aus Dxohobice (Polen) der in Borislav nach Oel gebohrt hatte, u. nun dies auch hier tat. Da aber fuer solchen “Irrsinn” kein Geld u. keine Maschinen aufzutreiben waren bohrte man nach Wasser mit mittelalterlichen Methoden die wir im Jargon als Klapp Maschinen bezeichneten. (Hammer Bohr Maschinen). Diese Bohr Gruppen bildeten eine Clique fuer sich, die aus Russen, Polen u. ein paar Sabres zusammengesetzt war. Ein Jekke darunter? Yoske war lange Zeit der einzige, bis aus Gruenden die nicht hierher gehoeren auch der Schreiber dieser Zeilen dazu stiess. Es gab dann schon eine Gesellschaft “Water Works Ltd” die praktisch Novak war, u. spaeter in sehr komplizierter Form in “Lapidot” aufging mit den Bohr Maschinen die langsam — sehr langsam — gekauft, gemietet oder “geliehen” wurden. Niemals war etwas klar. Yoske, der nie ein Wort zuviel sprach (ueber seine Vergangenheit nie) war schon Bohrmeister u. der Endes Unterzeichnete derjenige d. an d. Auftraggeber vom Orte zu berichten hatte. In den langen Abenden im Dog House (Hunde Huette) kam man sich doch naeher u. es ergab sich, dass wir beide aus Breslau waren u. in die Rehdiger Schule gegangen waren. Dass seine Schwiegermutter meinen Bruder unterrichtet hatte, erfuhr ich erst in der Schiw’a... Also, damals gab es keinen Koch u. kein Radio, u. die Bohrleute fuhren ins naechste Dorf “einzukaufen” u. dann sich ihr Essen selbst zuzubereiten. — Es war auch darnach... Am 7. Juli 1985 ist in Basel nach kurzer, schwerer Krankheit in seinem 97. Altersjahr Prof. Dr. jus. Guido Kisch verstorben. Seiner an dieser Stelle zu gedenken, besteht aus manchem Grund alle Veranlassung. Zuerst sei erwähnt, dass dieser hochbedeutende Gelehrte, nachdem im Fiüjahr 1933 in, Halle, wo er damals Universitätsprofessor war, ‘finstere Nacht und schweres Leid’ über ihn hereingebrochen war, zwei Semester lang an dem Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau Gastvorlesungen über die Rechts¬ und Wirtschaftsgeschichte der Juden gehalten hat. Aber ‘bald wurde diese Anstalt’ — wie Guido Kisch in seiner Autobiographie ‘Der Lebensweg eines Rechtshistorikers’ (Sigmaringen 1975) schreibt — die mehr als achtzig Jahre segensreich gewirkt hatte, teils durch Auswanderung der Lehrkräfte und Studenten, teils durch die Verfolgungen der erstarkenden Nazigewalt in ihrer Existenz bedroht.’ Guido Kisch und seine aus Ostpreussen stammende Gattin, die in Breslau sowie in Leipzig studiert und die ihm in Halle den einzigen Sohn geschenkt hatte, mussten nach den USA emigrieren; es folgten schwere Jahre, bis sich der Gelehrte in dem fremden Land, das ihm freilich nie zur Heimat werden konnte, wieder eine geachtete Stellung hatte erwerben können: als Professor am Hebrew Union Cellege in New York und an der Universität von Norte Dame (Indiana), als Herausgeber der von ihm ins Leben gerufenen Zeitschrift ‘Historia Judaica’, als Verfasser bedeutender Schriften, unter denen sein Buch The In der Bohrung “Zikim” war es schon ander«. Man hatte Autos, es gab einen Koch, u. es wurde sogar zum Mittagessen gerufen. Oel fanden wir zwar s. zt. nicht, aber ich fand einen Freund u. Kollegen der gerade durch seine Schweigsamkeit seinen Arbeitern unumstoessliche Autoritaet war u. auch ihre Interessen gegenueber der Leitung (Salaer, Bonus etc) recht gut wahrnahm. Man erkannte rasch seine Faehigkeiten. Ex war als Bohrmeister u. “ Trouble-shooter” (wie heisst das auf Deutsch) sehr gesucht, wurde nach Aethiopien, Peru u. Suedamerikanischen Laendern als Bohrmeister “ausgeliehen” u. kam immer wieler auf seine geliebte “Chevre” zurueck. Wenn einer sein ganzes Leben, unter chaluzischen Bedingungen, dem Lande widmete — so war es Yoske Awjam (Bendix). Wuerde er dies lesen, so sehe ich sein spoettisches Laecheln vor mir, wie es eben in unserer Generation Usus war u. ist — Zionismus aus der Theorie in die Praxis umsetzen — Ja aber das als Zionismus zu bezeichnen? O, Gott, das tut “man” ja nicht. Mit nur 61 ist Yoske von uns gegangen. Wer ihn kannte, hatte ihn zum Freund. Dass er keinen einzigen Feind hatte in der geschlossenen Clique der Bohrmeister hier im Lande besagt alles. Nicht viele koennen das von sich sagen. Seinen 3 Kindern kann man nur wünschen dass sie sich Yoske Bendix — Awjam zum Vorbild nehmen wie man Erez Israel aufbaut unter schwersten, ja unmoeglichen, Bedingungen. Ashkelon Ben Oni Jews in medieval Germany. A study of their legal and social Status’ (Chicago 1949, 655 p.) besonders hervorgehoben sei. Achtundzwanzig Jahre lebte Guido Kisch mit seiner Familie in Amerika. Alljährlich wiederkehrende Einladungen zu Gastvorlesungen an der Universität Basel, wo sein Leipziger Studienfreund August Simonius lehrte, veranlassten ihn, nach Europa zurückzukehren. Er wurde zum Ehrendozenten in Basel ernannt, dessen bedeutendsten Persönlichkeiten aus der Zeit des Humanismus nunmehr seine Forschung galt: einem Erasmus, Bonifatius Amerbach, Johannes Sichardus, Aene.as Silbius Piccolomini usw. Mit unermüdlichem Fleiss verfasste Guido Kisch in den nun folgenden Jahren und Jahrzehnten seiner Niederlassung in Basel eine grosse Menge wichtiger Schriften, die in der Rechts- und Geschichtswissenschaft überall starke Beachtung gefunden haben, teilweise auch in Sammelbänden zusammengefasst sind. Erwähnt seien hier nur die ‘Forschungen zur Rechts-, Wirtschafte- und Sozialgeschichte der Juden’, sowie die Neuausgaben von Kischs Studien und Quellen zur Geschichte des Deutschordenslandes, darunter der wichtigen ‘Kulmer Handfeste’ (1978, Verlag Thorbecke Sigmaringen). Eine ausführliche Würdigung der hohen Verdienste des Verstorbenen wird 1986 in der Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, erscheinen. Ehre seinem Andenken! Prof. Hans Th lerne, Freiburg 1. Br. ZUM GEDENKEN AN GUIDO KISCH 39