Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1986
- Issue
- No. 51 (1986)
- Date
- 1986-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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MEIN TRAUM Träumte Menschheit gluecklich keine Grenzen der Laender, nur grenzenlose Liebe Einer für den Anderen. Fuer Niemanden Waffen doch fuer alle Brot, nie mehr Kriege, nur noch Siege lieber das Boese, dem Guten und Reinen zugewandt.. Muss es ein Traum bleiben? — * KOMMT!— LASST UNS EINE BESSERE WELT AUFBAUEN! Ich schoepfe aus der Quelle meiner Seele, um Gutes zu erwirken, — zu schaffen, zu vermitteln. Kommt! — Lasst uns alle, alle mithelfen eine bessere Welt auf bauen! Ehe es zu s p a e t! Nora HAUBEN (Fortsetzung von Seite 25) Heidelberg, herausgegeben von Herbert A. Strauss ■'ad dem inzwischen verstorbenen Kurt R. Grossmann). Dazu hatte Fabian einen Beitrag über die Entstehung der “Reichsvereinigung der Juden in Deutschland” geliefert; war er doch einer der wenigen Überlebenden, die bis in den Zweiten Weltkrieg hinein die Existenz und das Schicksal dieser dem Rest der jüdischen Gemeinschaft im Reich von den Nationalsozialisten aufgezwungenen Organisation zeitweise von innen miterlebt hatten. Die 10. Wiederkehr eines Todestages wie der Hans Erich Fabians am 25. Dezember ruft eine Fülle von Erinnerungen wach, die ein historisch ausserordentlich ereignisreiches und menschlich tief erschütterndes Halbjahrhundert umfassen. Die Frage, ob ein “relativ kurzfristiger” Anlass die Wiedergabe auch nur einiger Erlebnisse und Eindrücke rechtfertige, möchte man bejahend beantworten; denn die Generation der vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland geborenen Juden ist im Schwinden begriffen und das Erinnerungsvermögen der nachfolgenden, in alle Welt verstreuten, vermutlich anderen Schwerpunkten zugeordnet. Ernst Gottfried Lowenthal (Berlin-Zehlendorf) FRIEDEL SCHWARTZ s.A. Nach Redaktionsschluss erreicht uns die Nachricht vom plötzlichen Ableben unserer langjaehrigen Mitarbeiterin Friedei Schwartz geb. Engelbert. Friedei Schwartz war fuer alles schoengeistige — Musik, Malerei, Theater, Literatur — aufge schlossen u. verstand es auch, uns allen, diese Themen durch unzaehlige Zeitungsartikel im In- und Ausland weiterzugeben. Jahrelang war sie administrative Leiterin der Tel Avlver deutsch,sprachigen Theaterbuehne “Hagescher”, drueckte aber auch der Programmgestaltung ihren Stempel auf. Sie gehoerte zu den Gruendern und bis zuletzt zum Vorstand des Vereins ehern. Kasselaner in Israel. Auf sozialem Gebiet war sie ehrenamtlich bei “Alin” und anderen Organisationen taetig. Friedei Schwartz wird uns fehlen. Gebräuche und Symbole: Wein, Würze, Wachskerzen Die Feiertage und Ruhetage haben nicht nur festgelegte Gebetsnormen geschaffen, sondern Gebräuche, Handlungen und Legenden, die sich eingebürgert haben und zu Symbolen im Ausdruck religiöser Formen geworden sind. Oft äusserliche Dinge, die sich aber ihr Heimatrecht an den Festen verschaffen konnten, die sich durchgesetzt haben und beobachtet werden. Ein Sukkotfest ist nicht ohne die Hütte denkbar und dem Feststrauss, dem Lulaw, wie dem Etrog, am Chanuka werden Kerzen entzündet, aber auch Krapfen gegessen, zum Schwu’ot, dem Fest der Gesetzgebung wie das der Erstlingsfrüchte gehört der Käsekuchen Diese Dinge konten sich oft besser durchsetzen und erhalten als das Gebet. Vielleicht konnte sich der Sederabend so einbürgern, das Familientreffen, da man die traditionellen Mazzeknödel auch essen kann, ohne die ganze Hagada zu lesen. * Der Weinsegen, der Kiddusch, mit dem die Schabbatot und Festtage eingeleitet werden, konnte sich als feierlicher Umtrunk vor dem Essen behaupten, nicht so die Segenssprüche und Symbole, mit denen der Ruhetag abgeschlossen wird, die Hawdala, die Unterscheidung zwischen dem Tag der Heiligung und dem Alltag. Im Gegensatz zum Kiddusch, den man zu jeder Zeit vor dem Essen abhalten kann, und soll, ist die Hawdala an eine bestimmte Minute gebunden, wenn die Nacht nach dem Schabbat oder Festtag beginnt und drei Sterne am Himmel sichtbar werden. Die Familie ist nicht mehr zusammen. Nach der religiösen Handlung erwartet sie kein Festmahl, die Woche beginnt wieder, der Alltag, der Trubel, die Arbeit, die Sorgen, die man vergessen sollte und wollte. Wie für den Kiddusch bestehen auch für die Hawdala keinerlei biblische Aufzeichnungen. In der Zeit der Mischna, um 200 A.D., ist Sie plötzlich in der Diskussion. Es scheint am Anfang nur ein kurzes Gebet gewesen zu sein, andere behaupten, dass ursprünglich nur der Weinsegen da war, eine dritte Schule lehrt. Gebet und Weinsegen sind zur gleichen Zeit entstanden. Es gibt nirgends soviele Fragezeichen, wie in der Suche nach den Quellen der Symbole. Der Segen darf auch über andere Getränke wie Bier gesprochen werden, aber nicht über Brot wie der Kiddusch am Vorabend der Ruhetage. Später wurden die Segenssprüche und die damit verbundenen Handlungen dem Gottesdienst angeschlossen, um auch denen, die sich die geforderten Dinge nicht erlauben konnten, die Teilnahme an den symbolischen Handlungen zu ermöglichen. Irgendwann haben sich die anderen Symbole angeschlossen, wahrscheinlich zuerst die Kerze, die das Feuer, die Arbeit, symbolisieren sollte, während andere darin die Fackel sehen. Nach altem Brauch wird die Kerze aus dünnen Streifen geflochten, ohne dass es eine einleuchtende Erklärung für diese Sitte gibt, — bei Symbolen darf man keine Fragen stellen, sondern sie als Tradition hinnehmen. Dem Weinsegen, wie dem über das Licht, gesellt sich das Symbol der würzigen Kräuter. Nach einer Auslegung sollen sie die gedrückte Stimmung, die mit dem Ende des Ruhetages den Menschen überkommt, aufheitern. Die Wohlgerüche habenvielleicht ihren Ursprung in dem Weihrauch der Kirche, die sie von den römischen Sitten übernimmt, es war Rom, das die Weihrauchgewächse aus dem fernen Arabien eingeführt hat. -Zur Hawdala wurden Kräuter und Myrtenzweige benutzt, erst im 12. Jahrhundert wird von einem Rabbi Ephraim aus Regensburg berichtet, dass er den Segen über Gewürzkörner spricht, die er in einem Glasbehälter verschlossen hält. Das ist der Anfang der ‘P’sum-Büchse’, den Behälter für die Bessamin, der Würze, der zu den wenigen Möglichkeiten künstlerischer Gestaltung jüdischer Symbolgeräte führte, neben den Kronen für die Torarollen, denen später die Kidduschbecher folgten und die Mesusot, die Gehäuse für die Bibelstellen, die den Türpfosten schmücken. Lange kannte man nur die Form des befestigten Turmes, in einer Form, wie er die Burgen der Edelleute des Mittelalters schmückte, — Bauwerke, die ausserhalb der Jüdischen Lebensform lagen. Man versucht es damit zu erklären, dass Gewürze im Mittelalter kostspielig waren, und man sie so an befestigten Orten lagerte. In unserem Jahrhundert hat sich die Form der stilisierten Blume durchgesetzt, die Blüte wird zum Behälter der Würze. Das älteste Modell aus dem Jahre 1550 aus Friedberg befindet sich jetzt in New York, während das aus dem Jahre 1543, das im Landesmuseum in Kassel war, während des Krieges verschwunden ist. Es bestehen kaum noch einmal so viele Minhagim, Sitten, Gebräuche und Legenden, wie für die kurze Handlung am Ausgang des Ruhetages und der Feste. Man füllt das Glas bis zum Überlaufen, um in den Wein auf dem Untersatz die Kerze zu verlöschen. Das volle Glas soll eine segensreiche Woche versinnbildlichen. Beim Lichtsegen besehen sich einige die Fingernägel, andere die Handlinien, ohne dass man eine Erklärung für den Brauch kennt. Kinder sollen die Wachskerze hoch halten, um einen schön gewachsenen Ehepartner zu bekommen. Man besprengt das Tischtuch mit Wein, um einen gesegneten Alltag zu erhoffen. Nach dem kurzen Gebet werden in vielen Gruppen Lieder gesungen, die sich auf den Propheten Elijahu beziehen, der Prophet des Trostes, der Heilbringer, für den am Sederabend ein Glas Wein reserviert wird, bei der Beschneidungsfeier ein Stuhl aufgestellt, der überall anwesend sein soll. In vielen Orten hatten sich noch lokale Traditionen erhalten, die einmal eingeführt, sich zum ‘Minhag Hamakom’, zum örtlichen Brauchtum entwickeln konnten. Es sind die — vielleicht — Kleinigkeiten, Äusserlichkeiten, Symbole, die sich einprägen, von Generation zu Generation vererben, und die man nicht so schnell vergisst wie den Text der Gebete. Die Hawdala, der Unterschied zwischen dem Ruhetag und dem Alltag hat gleich drei Formen geschaffen, drei Symbole, den Segen über den Wein, den über die Würze und über die Wachskerze. Schliesst sich ein Feiertag an einen Schabbat ein, fallen die drei symbolischen Handlungen aus, der kurze Segensspruch wird abgeändert. Man preist den Ewigen, der ‘zwischen Heiligem und Heiligem unterscheidet. Heinz Werner Goldstein Redakteur: Erich Lewin. Druck: “OT", Tel Aviv, Wolfsohnstr. 48 Tel. 373784. 28