Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1986
- Issue
- No. 51 (1986)
- Date
- 1986-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SCHULE REIMANN IN BERLIN FUER UNSER SCHLESIEN Festschrift fuer Herbert Hupka Langen Mueller Verlag Muenchen-Wien Herausgegeben von Helmut Neubach und Hans Ludwig Abmeier 25 Freunde und Kollegen aus Wissenschaft: Politik und dem kulturellen Leben haben anlaesslich des 70. Geburtstages von Dr. Herbert Hupka, ihm diese Festschrift gewidmet. Im Vonwort heisst es u.A. “Kaum jemand hat nach dem 2. Weltkrieg durch seine Veroeffentlichungen so viel zur Verbreitung des Wissens über Schlesien beigetragen wie Dr. Herbert Hupka. Seine Bücher — sie sind in der Bibliographie am Ende dieses Bandes aufgezaehlt — erschienen in mehreren Auflagen und haben inzwischen die Hunderttausendmarke überschritten. In diesen Werken wird die Bedeutung Schlesiens und insbesondere die kulturelle Leistung seiner Bewohner auf vielfaeltige Weise deutlich.” Die Mitarbeiter schreiben ueber Dr. Hupka und seinen Weg, ueber den Mann der unermuedlich in Wort und Schrift, sei es als Publizist, sei es als Politiker, fuer seine Ueberzeugung eintritt. Ebenso lesen wir in der Festschrift Geschichtliches Schlesien betreffend und wird zu Nachkriegsproblemen Stellung genommen. Den vielen Gratulationen zu Dr. Hupkas Ehrentag schliessen wir uns lierzl. an und wuenschen ihm dass er weiterhin noch viele Jahre erfolgreich taetig sein kann. Ein neues Buch, von Dr. Hupka herausgegebeh, ist: LETZTE TAGE IN SCHLESIEN. Langen Mueller Verlag, Muenchen-Wien das in 35 Erlebnisberichten, Tagebuechern und Erinnerungen stellvertretend fuer alle Anderen — die leidvollen Menschenschicksale der damaligen Zeit (1945 / 1946) ergreifend behandelt und fuer die Erinnerung bewahrt. ERINNERUNGSHEFTE Frau Erika Schubert, Fulda, hat uns 2 Broschueren zugesandt, die eine Familiengeschichte ihres Hauses und die andere, Tatsachenbericht ueber die Vertreibung Januar 1945, gewidmet ihrer Mutter. Im Familienbericht erleben wir noch einmal das schoene Leben im seinerzeitigen Breslau. Der Vater, Paul Schubert, war der Inhaber des bekannten Suedfruchtgeschaeftes im Stadttheater - gebaeude, wo nebenan im Seitenfluegel das schoene Kristallgeschaeft von Peiser durch seine geschmackvollen Auslagen auffiel. Die Familiengeschichte ist mit grosser Liebe geschrieben und zeigt eine besondere Verehrung den Eltern und Geschwistern gegenueber. Mit Juden hat Erika Schubert staendig Fuehlung gehabt, zumal sie in leitender Stellung (bis zum 9. November 1938) in der bekannten Firma Cohn & Scheuer, Breslau,, Karlstrasse taetig war. Sie versteht das rege Leben in der Schweidnitzerstrasse, die Geschaefte, die Auslagen und die Kunden vorzueglich zu zeichnen. Die zweite Broschuerc: Vertreibung aus Breslau betreffend, zeigt die innige Verbundenheit mit ihrer Mutter, die grossen Strapazen, die enormen Gefahren, denen sie ausgesetzt waren. Hier fuehlt man den Pulsschlag der Tage und Naechte, ein langer Weg bis Fulda, wo Erika noch heute wohnt. Sie war schon mehrmals in Israel und wir treffen uns jedesmal bei ihrem Hiersein. (Fortsetzung von Seite 24) staltung der äusseren Aufmachung und zeitgemässe Einbände. Bei Reimann wurde gelehrt, wie Bücher ausgestattet sein müssen. Hinzu kam Gebrauchsgraphik. Klare Typen wurden geschaffen, Schrift, Druck, Etiketten, Inserate und Packmaterial bekamen plötzlich ein neues Gesicht. Entsprechende Techniken wären im Lehrplan. Dann ging man der Raumkunst zu Leibe. Wohnung, Geschäftsräume, Ausstellungshallen u. Siedlungshäuser fielen in diese Rubrik. Viele Hilfsfächer wurden erarbeitet, Kostümgeschichte, Farblehre, Schneiderei. Ueberfüllt waren auch Kurse für Modezeichnen. Ein besonderes Anliegen war die Dekoration der Schaufenster. Bisher war noch niemand darauf verfallen, ein Schaufenster dekorativ wirkungsvoll zu gestalten. Reimann machte die Schaufenster-Dekoration zum Lehrfach und der Erfolg war ein Ansteigen der Verkäufe in den Läden. Mit einem Male waren Schaufenster keine kaufmännische, mehr eine künstlerische Angelegenheit. Durch Reimanns Idee wurde das Schaufenster die Visitenkarte für ein Geschäft. Es machte ihm den Namen. — Nicht so weit ist der Weg vom Schaufenster zum Bühnenbild. Reimann bewährte sich auch als Bühnenbildner, er lehrte die Schüler, die Bühne ins rechte Licht zu setzen, die Aufführung durch Dekoration zu verschönern. Es gab keine verstaubten Berge, keine schlecht gemalten Schlossmauern mehr. Verbesserte Dekorationen für den ganzen Theaterbereich wurden in der Reimann-Schule aufgezeigt und gelehrt. Entsprechend wurden angehende Bühnenbildner auf einer Versuchsbühne ausgebildet. Reinhardt und Piscator nahmen die Ideen zuerst in ihre Inszenierungen. Oft hängt ja der Erfolg eines Werkes auch vom Drum und Dran der Bühne ab. Kulisse und Kostüm — auch das wurde gelehrt — ent- ■ scheiden mit. Für alle Schüler lehrreich waren! dann die Reimann-Kostümfeste Was da an Phani j tasie-Kostümen entstand, war wichtig für die Klasse „Theaterkunst”. Dem grossen Gebiet “Textilkunst” waren Sonderklassen gewidmet. Batik, Spritzechnik, Handhabung verschiedenster Techniken, Stoffbehandlung — in diesen Sparten wurden die Reimann-Schüler ausgebildet und wurden Fachkräfte von Qualität. Überigens: Die Reimann-Bälle waren ein Ereignis für sich. Sie brachten neben jugendlicher Freude am Tanz, am Amüsement, eine gründliche Vorarbeit für Schneiderei, Kostüm-Entwürfe, Saal-Dekoration. An all diesem Faschingstreiben lernte man eben auch. Und dann brachten die Feste Ueberschüsse. Sie wurden für die Unterstützungskasse unbemittelter Schüler verwendet. Auch Vergnügungen haben eben ihren Sinn. Unvergessen jedenfalls die Gauklerfeste der Schule Reimann in ihrem Farbenrausch, in ihrem Lichterglanz und ihrer Festesfreude damals im Sportpalast, wobei sich Berlins Prominenzz beteiligte. Ein amüsantes Bild glücklicher Jugend wurde auch der Korso-Umzug unter der Devise “Alt-Berlin”. Die “ Jettchen-Gebert”- Zeit erstand von neuem mit ihren Krinolinen, Schutenhüten, die Männer im grauen Frack, mit “Vatermördern” und “Plastron’ — man fuhr in alten Wägelchen, Kutschen von anno dazumal, in Krolls Garten. Es war genau so wie in Alt-Berlin. Es war der Juni 1914 und dieses Fest war ein besonderer Höhepunkt der Schule Reimann. Der Krieg 1914 brachte für alle einen Umschwung. Lehrer und Schüler wurden fürs Militär gebraucht. Anschliessend gab es Inflation und Arbeitslosigkeit. Trotz schwerer Zeiten ging es irgendwie weiter. Ein Freundeskreis der Schule entstand, eine Zeitschrift “Farbe und Form” ging heraus, deren Anregungen und Informationen sich meist durchsetzten. Die Mitarbeiter hatten Namen im damaligen Kunstleben. Aus Anlass des 25-jähr. Bestehens der Schule gab es im April 1927 eine sehenswerte Ausstellung. Alle massgebenden Persönlichkeiten der Stadt, Behörden, Presse, Künstler usw. besuchten sie und gaben ihrer Bewunderung Ausdruck. Viele Jahre hindurch wanderte diese Ausstellung durch Europa und USA. Auch auf den Gebieten künstlerischer Photografie und des Films war die Reimann-Lehranstalt führend. Ein “Praktikum der Werbung” folgte. Man forschte der Marktlage nach, man analysierte Werbung, Absatz und Vertrieb. Auch aus dieser Schulung stellte die Schule hervorragende Fachleute. Zusammenfassend sei nochmals ein Rueckblick auf den Aufbau dieser einmaligen Schule gegeben Diese Rueckblende beginnt also mit der aus dem Werkunterricht entstandenen “Schuelerwerkstatt fuer kleine Plastik”. Es folgte die Belebung der Batik-Technik. Vom Kunsthandwerk und der Bildhauerkunst ging es zur Malerei ueber, es entstand eine Schule fuer Modezeichnen und Modeentwuerfe. Künstlerisches Beduerfnis lag ferner vor fuer eine Fachklasse der Plakatkunst, angeschlossen .eine Werkstaette fuer Buchbinderei Die logische Folge war die Klasse fuer Gebrauchsgraphik. Wieder etwas Neues liess Reimann sich einfallen bei den Kursen f. Raumkunst u. Innenarchitektur. Mit allen Fachklassen gab es beim 10 Jährigen Bestehen d. Schule, 23 Abteilungen,, denn zu Fachklassen kamen Hilfsfaecher wie Schattenkonstruktion, Perspektive, Anatomie, Kunst, u. Kostuemgeschichte, Farblehre u. Schneiderei. Natuerlich fehlte eine “Hoehere Fachschule f. Dekorationskunst” nicht, wie es auch die notwendige Reform im Buehnenbild gab. Die Abteilung “Textilkunst” befasste sich mit Neuerungen in Stoffen, Teppichen, Gobelins u.s.w. Zu Beginn d. ersten Weltkrieges wurden Klassen f. Karthognaphie eingerichtet. Schliesslich eroeffnete R. ein Fotostudio. Ein Tonfilmseminar bildete in seinem Rahmen 9 Berufe aus, u. endlich befasste sich das “Reklame-Praktikum” mit Werbefragen. Dem Wirken eines Mannes, Albert Reimann, verdankt man jenen fortschrittlichen Aufschwung, der an seiner einmaligen Schule gelehrt wurde. Mit Schwung blickte man auf die Leistungsschau 1933, die Erfolge waren enorm und die Schaffensfreudigkeit des Albert Reimann erlahmte nicht. Man schrieb viel über den schöpferischen Geist dieser vorbildlichen “Kunstgewerbe-Akademie”. Aber dann kam 1933. Die braune Farbe regierte und vernichtete bald das buntschillernde Phänomen einer Schule, deren Leiter ein Vorkämpfer der Erziehung zum Schönen war, einem, der die Arbeit liebte. Er und seine tüchtige Lebensgefährtin Klara, die seiner Ideen Helferin war, — sie sind unvergessen. Und so etwas gab es also in Berlin. Die Schule wurde dann nach London verlegt, fiel aber 1940 einem Bombenangriff zum Opfer. Jaltas Sachs, s.A. 27