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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1986-01-01 · No. 51 (1986) · p. Seite 25

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1986
Issue
No. 51 (1986)
Date
1986-01-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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fSenforschung Drei informative Publikationen i Mit einst bekannten Namen wie Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel, wie Georg Bernhard, dem Chefredakteur der “Voss” in Berlin, dem SPD-Reichstagsabgeordneten Dr. Rudolf Breitscheid, den Autoren Lion Feuchtwanger und Helmut v. Gerlach begann am 23. August 1933 die erste Bekanntgabe des Reichsinnemninisteriums über die vom Nazi-Regime individuell ausgebürgerten Deutschen. Nunmehr hat das Institut für Zeitgeschichte in München (Leonrodstr. 46 B) — unter der Leitung von Dr. Werner Röder — mit einer nach drei Gesichtspunkten geordneten Edition des gesamten Materials begonnen. Der Titel des Werks lautet: “Die Ausbürgerung deutscher Staatsangehöriger 1933-45 nach den im Reichsanzeiger veröffentlichten Listen”. Die von Michael Hepp (Diessen/Ammersee) betreuten drei Bände (I. Chronologische Reihenfolge; n. Namenliste; in. Register der Geburtsorte, zusammen etwa 1.200 Seiten Gesamtpreis ca. DM 680) sollen noch im Laufe dieses Jahres im Verlag K.G. Säur, München/New York/London/Paris, erscheinen. Band I enthält ausserdem ausführliche Einleitungen zuim Gesamtproblem der Ausbürgerung. Das Werk wird es erstmals ermöglichen, individuelle Fälle unter den mehr als 39.000 Betroffenen auf den 359 Listen zu lokalisieren und damit auch auf die einzelnen Ausbürgerungsakten im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Bonn zurückzugreifen. Die Bände sind auch als ergänzendes Hilfsmittel zu dem vierbändigen “Biographi sehen Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933” (im gleichen Verlag, 1980/83) gedacht, Angezeigt von Dr. ERNST GOTTFRIED LOWENTHAL, Berlin das sich als eine höchst nützliche Informationsquelle erwiesen hat. H. Dies ist keine Autobiographie im herkömmlichen Sinn — eine Kurzfassung kann man im “Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration” (1980) nachlesen. “Bericht an meine Familie” (Hermann Luchterhand Verlag, Darmstadt und Neuwied, 1985), wie Dr. Erwin Lichtenstein (Tel Aviv), der als sorgfältiger Berater bekannte Jurist und wiederholt hervorgetretene Autor (“Die Juden in Danzig unter der Herrschaft des Nationalsozialismus”, Tübingen 1973), seine Erinnerungen an die zwei beziehungsweise drei Stätten seines Werdegangs nennt, sollte ursprünglich ganz schlicht “Rückblick auf 80 Jahre” heissen; denn er sollte, um den Verfasser zu zitieren, “in erster Reihe all der Menschen gedenken, die nicht mehr am Leben sind”, vor allem seiner Familienangehörigen und seiner vielen Freunde. Daraus ist nunmehr dank auch der Ermunterung durch Günter Grass, den dem Autor befreundet gewordenen, gebürtigen Danziger, ein über 200 Seiten starkes, aufschlussreiches Buch geworden. In diesem stellt Lichtenstein, weit über die Begegnung und Wiederbegegnung mit zahllosen, auch allgemein interessierenden Menschen hinaus, Höhepunkte seiner Entwicklung und seiner Erlebnisse in Königsberg/Pr. und in Danzig, im britischen Mandatsgebiet Palästina, in dem er und seine Familie kurz vor Kriegsausbruch Zuflucht fanden, und schliesslich in Israel als unabhängigen Staat dar. Der Königsberger Junganwalt der Jahre 1930/33, danach in Danzig als vielartig tätiger Gemeindesyndikus ein hilfreicher Freund, wurde in Tel Aviv, nach einem zwölfjährigem Zwischenspiel als Buchhändler (Leihbücherei “Mendele”), erneut Rechtsanwalt, und zwar 1953, 20 Jahre nach dem Beginn seiner juristischen Laufbahn. Sein Vater, Dr. Max Lichtenstein (Orteisburg 1860 — Theresienstadt 1942), lange Anwalt in der ehemaligen ostpreussischen Provinzhauptstadt, dort auch Stadtverordneter und jüdischer Gemeindepräsentant, war 1912/13 als Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei Mitglied des preussischen Abgeordnetenhauses (Berlin). In dom nützlichen Personenverzeichnis des mit so viel Liebe, Treue und Freundschaft verfassten Buches figuriert der Vater Lichtenstein als einer unter etwa 500 kurz charakterisierten jüdischen und nichtjüdischen Zeitgenossen. “Es spricht sich ein Jahrhundert jüdisch-deutsche Geschichte aus”, stellt Günter Grass in seinem Nachwort ganz richtig fest. Und am Ende resümiert er wörtlich: “Auch in Israel ...will die Vergangenheit nicht aufhören. Als der Schüler im Jahre 1919 den Königsberger Zionisten Kurt Blumenfeld fragte, was er zu dem Problem der Araber in Palästina zu sagen habe, hiess die Antwort, es gäbe kein arabisches Problem. An dieses Fehlurteil erinnert der Autor die Leser gegen Schluss seines Berichtes. Anlässlich einer Familienfeier wünscht er seinen Enkeln und Urenkeln, ‘dass sie eine Zeit erleben sollten, in der Israel in Frieden mit seinen Nachbarn leben würde”. FUER VIELE WAR ES DIE ERSTE WANDERUNG Dr. HANS-ERICH FABIAN UND DER “VERBAND JÜDISCHER HEIMATVEREINE” Zwar war er — 1902 — in Bromberg (heute Bydgosz/Polen) zur Welt gekommen und in dieser früher posenschen Stadt aufgewachsen. Aber in seinem Herzen und in seinem Tun war Hans Erich Fabian, 1920 in die damalige Reichshauptstadt gewandert, ein Berliner. Hier hatte er Jura studiert und hier hatte er von 1929 bis 1933 als Assessor der preussischen Justiz gedient. Die zehnte Wiederkehr seines Todestage erinnert an einen aufrichtig treuen und anhänglichen Mann, der, ziemlich vereinsamt, am 25. Dezember 1974 in New York dahinging. Ich erinnere mich genau, wo und in welchem Zusammenhang ich Dr. Fabian erstmals begegnete. Als Redakteur mehrerer jüdischer Presseorgane von der NS-Reichpressekammer für diesen begrenzten Bereich als “Schriftleiter” zugelassen, wurde ich 1936 veranlasst, auch noch die Verantwortung für die “Blätter des Verbandes jüdischer Heimatvereine” zu übernehmen. So hatte ich, der gebürtige Kölner, mich zusätzlich mit der Geschichte der Juden in vormals preussischen Ostprovinzen Posen, Westpreussen und Oberschlesien vertraut zu machen, eine Aufgabe, der ich mich mit Interesse unterzog. Jene “Blätter” waren eine 1926 entstandene, kleine, gemeinde- und familienkundliche Monatszeitschrift (heute eine Rarität geworden), und der sie herausgebende “Verband” bildete den Zusammenschluss von nahe zu drei Dutzend, überwiegend in Berlin und Breslau angesiedelter nostalgisch-landsmannschaftlicher Zusammenschlüsse von Juden, die bei den Abstimmungen nach dem Ersten Weltkrieg für Deutschland optiert hatten und sich somit gezwungen sahen, westwärts zu wandern: die ehemaligen Bromberger, Gnesener, Lissaer, Oborniker, Posener, Rogasener und wie sie alle hiessen. 1937 war Fabian, sich inzwischen in anderen Berufen als in der Juristerei durchschlagend, in den Geschärtsführenden Vorstand des “Verbandes” gewählt worden; an der dafür entscheidenden Sitzung nahm ich als Gast teil. Fabians Gesichtsausdruck, Auftreten und Persönlichkeit blieben mir in bester Erinnerung. Als wir uns 1947 zuzm ersten Mal zufällig wiedersahen, in Eilshausen, wo “meine” Jewish Relief Unit aus England, “der Relief” genannt, ihr Hauptquartier hatte, waren 10 Jahre, für Jeden von uns verschiedenartig schwer, vergangen. Was war der Anlass? In dem ostwestfälischen Dörfern kamen damals Vertreter einer in der Entstehung begriffenen Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Gemeinden, einer Art Vorgängerin des heutigen Zentralrats der Juden in Deutschland, zusammen. Fabian, der Theresienstadt überlebt hatte und inzwischen wieder im Justizdienst stand, erschien für die neuentstandene Jüdische Gemeinde zu Berlin. Deren ehrenamtlicher Vorsitzender und gleichzeitig ideenreicher Herausgezer der Berliner Wochenzeitschrift für Fragen des Judentums, “Der Weg”, war er von 1946 bis 1949. Unser Wiedersehen war beidseitig eine besondere Freude. Seitdem ist der persönliche Kontakt, hüben wie drüben, nie mehr abgerissen. Schweren Herzens, eigentlich nur mit Rücksicht auf seine Familie, war H.E.F. 1949 emigriert. Nach fast 20jähnger Tätigkeit als einer der Rechtsberater bei der URO (United Restitution Organization) in New York, und auch da überwiegend mit Berlin- “Fällen” befasst, trat er in den Ruhestand. Seitdem kam er, später als Rechtsanwalt beim Kammergericht zugelassen, alljährlich nach Deutschland, insbesondere nach Berlin, wo unser letztes Treffen noch Mitte Dezember 1974 stattfand. Hier fühlte er sich nach wie vor eher zu Hause als in den U.S.A. Selbst von New York aus, auch dies spricht für seine enge geistige Verbundenheit mit Eerlin, meldete er sich bei den zuständigen Stellen des Landes zu Wort, wenn er sich z. B. von unzureichender, entstellender oder irreführender offizieller Darstellung der neueren und neuesten Geschichte der Juden Berlins betroffen fühlte. Als Berlins Nachkriegsgemeinde auf die ersten 25 Jahre ihres Bestehens zurückblicken konnte, am 20. Dezember 1970, gab Dr. Fabian, aus New York kommend, in einer stark besuchten Feierstunde im Jüdischen Gemeindehaus einen ausführlichen Rückblick auf die ersten und schwierigen Jahre des Wiederaufbaus der Gemeinde. Er, der Jurist mit journalistischen Neigungen, war auch der Initiator der bei dieser Gelegenheit 4er Öffentlichkeit vorgestellten Festschrift “Gegenwart im Rückblick” (im Lothar-Stiehm-Verlag, (Fortsetzung auf Seite 27) 25

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