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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1986-01-01 · No. 51 (1986) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1986
Issue
No. 51 (1986)
Date
1986-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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Die Geschichte einer Maedchenschule DAS riCHO haus Im November 1977 feierte man in der Schule für Sprechbehinderte, Hamburg Karolinenstr. 35 und es kamen viele Gäste Ein altes Frauchen näherte sich der Leiterin Ursula Randt: “Hier habe ich von 1909—1918 gelernt. Es war eine jiid. Mädchenschule. Wir wurden ausgelöscht.” Frau Randt hätte darauf aufmerksam machen können, dass eine verblichene Aufschrift am Eingang daran erinnerte. Ihr fiel plötzlich der Friedhof von Eisenach ein. Da stand auf einem Grabstein: Ihr seid nicht tot. Tot sind nur die, die man vergisst, Frau Randt beschloss, die Schule zum Leben zu erwecken. Das ist ihr in 7jähriger Arbeit durch Schreiben eines Buches glänzend geglückt. Dieses Gebäude wurde von dem Philantropen Marcus Nordheim 1884 mit einer Spende von 100.000 Mark und viel Energie erbaut. Es war die Armenschule für Mädchen der jüd. Gemeinde. Sie fand ihr Ende 1942 mit der Vertreibung der letzten jüd. Kinder und Lehrer in den Tod. Die Verfasserin konnte Material benutzen, das ihr die Archive lieferten. Nicht alle Besucher der Schule wurden ermordet. Es gab unter ihnen Menschen, die trockne Akten und Briefe erklären konnten. So entstand ein höchst fesselndes Buch von 118 Seiten mit vielen belehrenden Bildern, das genau zum 100. Geburtstag 1984 erschien. Der Herausgeber: Verein für Hamburgische Geschichte. Es gibt uns Aufschlüsse über das Ende des jüd. Schulwerks in Hamburg. Es berichtet uns auch viel Grundsätzliches über Erziehungsprobleme, das im Gegensatz zu den heute herrschenden Meinungen steht. Die bedeutendste Persönlichkeit der Schule war Mary Marcus. Geboren 1844, leitete sie die Schule von 1868—1924, also 56 Jahre lang. Das war nichts Ungewöhnliches zu einer Zeit, als es noch keine Pensionierung gab. Einer meiner Lehrer in der Hamburger Talmud Tora starb während der Sommerferien. Fast 60 Jahre lehrte er und nie fiel eine Stunde aus, weil er krank war. Auch sein Tod veranlasste keinen Stundenausfall. Frl. Marcus war streng. Waren die Schularbeiten nicht in Ordnung, so wurden die Eltern bestellt. Sie mussten hören, dass auch sie mit Hilfe dieser Arbeiten noch lernen konnten. Andererseits wusste sie über jedes Kind etwas Gutes zu sagen. Sie war eine Verehrerin Pestalozzis: Jedem Kind müssen alle Lernmöglichkeiten offen stehen. Ihr vornehmstes Ziel: Die Schule sollte als Realschule anerkannt werden. Das brachte aber erst ihr Nachfolger zustande, Dr. Jonas. Die Oberschulbehörde forderte die Anstellung akad. Lehrer und die Einrichtung eines Saals, wo die Schülerinnen Versuche in Physik und Chemie ausführen konnten. So kam ich als Lehrer an die Schule. Am 21.2.1930 war das Ziel erreicht: Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde (Volks- und Realschule). Der Untergang des jüd. Schulwerks in Hamburg war sehr traurig und hier gibt es eine Überfülle von Material. Wir müssen Frau Randt dankbar sein, dass sie es verstand, das Wesentliche zu bringen. Wahrscheinlich verdanken wir es dem Buch, dass das Schulhaus unter Denkmalschutz gestellt wurde. Bei einer eindrucksvollen Feier wurde eine Gedenktafel für die ehemalige jüd. Mädchenschule enthüllt. Schlomo Stein (Jerusalem) EIN BESUCH IN QUMRAN AM TOTEN MEER Touristen fragten mich, ob sie Qumran besuchen sollten. Ich riet ihnen, zuerst “The Shrine of the Book” im Israel Museum zu besichtigen, was sie stärker beeindrucken würde. In der Mitte vom Gebäude steht in Naturgrösse die Imitation einer Jesaiarolle, die man in Höhle 4 von Qumran fand. Wie schön konte man vor 2000 Jahren die hebr. Quadratschrift schreiben! Dagegen sehen viele Rollenfragmente wie verbranntes Papier aus, aber mit Hilfe von Infrarotstrahlen liess sich die Schrift photographieren. Es gibt auch Rollenreste in der Phönikerschrift (althebräisch, vielleicht die älteste Schrift im Orient?) und in Quadratschrift, wo der Gottesname althebräisch geschrieben wurde. In Qumran ist aber nichts von den literarischen Schätzen geblieben. Der beste Kenner der Essäer und ihrer Rollen an der Hebr. Universität ist Prof. Tow. Als er sich zu einer Vorlesung mit Besichtigung der Ruinen von Qumran bereit erklärte, bat ich teilzunehmen. Man wurde 1947 durch Zufall auf die Höhlen aufmerksam, nachdem die Ruinen und der Friedhof schon vorher bekannt waren. In 11 Höhlen hat man Abschriften von vielen Büchern der Bibel gefunden dazu viele Sektenschriften, die uns die Lehren der Essäer erklären. Ihr geistiger Führer war More Zedek — Lehrer der Gerechtigkeit. Aber Tow übersetzt: Der Lehrer, der immer Recht hat. Aus der von Jadin herausgegebenen sehr umfangreichen Tempelrolle ergibt sich, dass sie den Tempeldienst anders auffassten als er im Jerusalemer Tempel ausgeübt wurde. Man hat eine Fülle von Tierknochen in Töpfen gefunden. Man weiss nicht, ob sie von Opfern oder von gemeinsamen Mahlzeiten stammen. In den Ruinen konnte man ein Speisezimmer und einen Schreibraum identifizieren. Ein Tintenfass enthielt eingetrocknete Tinte. Es gab viele Gruben für Tauchbäder, welche von den Essäern oft benutzt wurden. Sie benutzten einen anderen Kalender wie den bei anderen Juden üblichen. Der Archäologe Clermont-Ganneau hatte ihren Friedhof gefunden und die Skelette gezählt. Die meisten von Männern, aber es gab auch Leichen von Frauen und Kindern. Also war Qumran nicht das erste Kloster. Manche Vorschriften der Sektenrolien erinnern an einen Kibbuz. Es gab kein persönliches Eigentum. Wer der Sekte beitrat, musste auf seinen ganzen Besitz verzichten. Man glaubte vor 2000 Jahren an einen baldigen Weltuntergang. Wer zu den Söhnen des Lichts also zu der Sekte gehörte, würde über die Söhne der Finsternis siegen. Den Beginn der Essäer setzt man in die Zeit des Makkabäers Jochanan Hyrkan ca. 200 v.d.Z. Das Ende kam 68 d.Z. während des römisch-jüdischen Krieges (66—72 d.Z.) Als die Römer herannahten, hat man die gesamten Rollen in Höhlen versteckt. Warum kam kein Essäer zurück, denn die Römer haben nicht alle Juden getötet, sondern auch in die Sklaverei verkauft? Gab es keine Anhänger ausserhalb Israels oder wurden sie alle Christen Die Gelehrten wissen es nicht. Schlomo Stein (Jerusalem) Reisenende, die vor mehr als 60 Jahren Jerusalem besuchten, verwunderten sich über die grosse Zahl von Blinden, welche verwahrlost an bestimmten Ecken sassen und milde Gaben bekamen. Diese Unglücklichen kamen sehend zur Welt, aber unbehandelte Augenkrankheiten wie Trachom verursachten die Blindheit. Im Jahre 1912 eröffnete der Augenarzt Dr. Abraham Ticho die Augenklinik in der Raw Kukstr. Ticho kam aus Mähren in Österreich. Die meisten Gelder kamen von Österreich. Man behandelte auch Augenkranke, die nicht bezahlen konnten. Die meisten Patienten waren Araber und nicht Juden. Während der Unruhen warf ein Araber einen Dolch gegen Tichos Rücken. Es war ein Wunder, dass der Arzt am Leben blieb. Die Hauptsache: Tichos Tätigkeit verhinderte neue Erblindungen. Im Jahre 1912 heiratete er Anna, die ebenfalls aus Österreich kam und eine berühmte Malerin wurde. Sie starb 1980 und hat ihren Gatten 20 Jahre lang überlebt. Sie hat Haus mit Inhalt dem Israel-Museum vermacht, das im Laufe von 2 Jahren dort ein mustergültiges Museum errichtete. Anna hat bis zu ihrem letzten Lebenstag gemalt, obwohl sie fast blind wurde. Wir sehen eine Fülle von Gemälden und Zeichnungen an den Wänden und auf Tischen. Sie malte die kahlen judäischen Berge, aber auch viele Wildpflanzen und hässliche Menschen. Dr. Ticho sammelte Lampen für ßchabbat und Chanucka und dazu noch Bücher. Der Eintritt ist frei. Es ist offen zu den selben Zeiten wie im Israel-Museum. Ein freundlicher Fuehrer gibt bereitwillig detaillierte Auskünfte. Wir finden eine gute Cafeteria und einen schönen Garten. Das Erdgeschoss war zu Tichos Zeiten Poliklinik. und Krankenhaus und man hat im 1. Stock gewohnt. Viel Besuch kam. Hier hat Alex Berwald in der Nacht vom 12. zum 13. Juni 1927 versucht zu schlafen. Was alle Arten von Mücken und Sandfliegen dabei angetan haben, hat er in 35 Bildern mit Versen geschildert, die im Museum ausgestellt sind. Berwald hat Wilhelm Busch übertroffen. WER DIES HIER MIT¬ LEIDSLOS BELACHT, DEM WÜNSCHE ICH AUCH MAL SOLCHE NACHT. Vor 60 Jahren gab es noch keine Pumpen, die das Wasser aus den Quellen der Küstenebene nach Jerusalem fliessen. Man war auf Zisternen mit stehendem Regenwasser angewiesen und sie waren eine Brutstätte für Mücken und anderes Ungeziefer. Wer seinen Besuchern Jerusalem zeigt, soll das Ticho Haus im Zentrum der Stadt nicht vergessen. Schlomo Stein (Jerusalem) Dr. HURWITZ LTD. TRAVEL & TOURS AGENCY Tel Aviv, Allenby Str. 113 (Passage? 614025 921351 Individuelle Beratung für Ihre Reise ins Ausland 20

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