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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1986-01-01 · No. 51 (1986) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1986
Issue
No. 51 (1986)
Date
1986-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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rr JUDEN AUS SCHLESIEN MASSGEBEND BETEILIGT Die Landesleitung des “Irgun Olej Merkas Europa” (Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland und Mitteleuropa. — D. Red.) haben sich kürzlich mit der Frage der Zukunft ihrer Wochenzeitung “MB” beschäftigt. So hiess es, zweifellos sehr zur Überraschung und zum Bedauern vieler ihrer Leser, am 15. Februar 1985 auf der Titelseite des in Tel Aviv erscheinenden “Mitteilungsblatts”. Man sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, “dass das MB seine Funktion, der es über fünf Jahrzehnte treu geblieben ist, nicht mehr erfüllen kann”. Es sei daher beschlossen worden, das “MB” Ende März 1985 in seiner bisherigen Form einzustellen und die Vorbereitungen für die Publizierung eines internen Informationsblattes zu treffen... Fünf Jahrzehnte, genauer gesagt: 52 Jahre, das heisst mehr als ein halbes Jahrhundert oder fast zwei Menschenalter und wie schicksalsschwere und schwierige, aber auch hoffnungerfüllende! Solche mitfühlenden, ja mittrauernden Gedanken befallen auch die ausserhalb Israels wohnenden Bezieher und Freunde dieses zionistischen, stets weltoffenen, äusserlich zwar kleinformatigen, aber an inhaltlicher Substanz, politischer und literarischer Qualität und nonkonformistisch-mutiger Kritikbereitschaft reichen Blattes. Wer sich in der Geschichte des jüdischen Pressewesens der letzten 200 Jahre, vor allem desjenigen in deutscher Sprache, ein wenig auskennt, weiss, wievielen Zeitungen und Zeitschriften eine nur kurze Existenzdauer beschieden war. Zu allen Zeiten war die Zahl der Blätter, die es auf Jahrzehnte brachten, gering. Gemessen daran, hat das “MB”, dessen Radius aus nur allzu bekannten Gründen von Anfang an begrenzt war und, unter Berücksichtigung des allmählichen Rückgangs des deutschlesenden Publikum in Israel wie auch in der Diaspora, begrenzt bleiben musste, eine sehr beträchtliche Erscheinungsdauer gehabt, zudem noch unter Überwindung steter drucktechnischer Schwierigkeiten. Erschienen während einer historisch zu nennenden Epoche, war es, auch weil es von den besten Köpfen der deutschen Aliyah geistig gespeist wurde, zu einem namhaften, gedruckten Zeitzeugen geworden. Und so wird es lange in unserer Erinnerung bleiben. Für die Erforschung unserer Zeit, der Perioden der Verfolgung und der allmählichen Selbstrehabilitierung unserer dezimierten Gemeinschaft, wird es weiterhin als eine wichtige und wertvolle Quelle dienen. In seinen 50 und mehr Jahren hat das ‘“MB”, das diesen seinen neutralen, bescheidenen Titel zu ändern nie als notwendig erachtete, genau genommen, nur fünf im Impressum vermerkte Verantwortliche gehabt: Theodor Zlocisti, Robert Weltsch, Max Kreutzberger, Hans Trainer und, seit dessen Tod, Anfang 1979, Hans Capell. Aber das Blatt verfügte stets über einige im Zeitungsmachen erfahrene Redaktionsmitglieder, man denkt dabei an qualifizierte Kräfte wie Kurt Loewenstein, Eli Rothschild und Iwan Lilienfeld (Gabriel Ilan). Auch hatte es für alle Sparten einen Stamm sachkundiger freier Mitarbeiter, für die Innen- und Aussenpolitik wie für Wirtschafts¬ und Sozialfragen und für kulturelle und religiöse Angelegenheiten. Unterdessen ist auch die Zahl dieser Mitarbeiter kleiner geworden und ein der deutschen Sprache mächtiger Nachwuchs so gut wie nicht vorhanden — er ist hebraisiert. Alle solche Erscheinungen spiegeln sich in gewissen Masse noch einmal in der allerletzten, dafür aber 32 Seiten starken Ausgabe des “MB” mit dem Datum von 29. März 1985. An vorderster Stelle gibt Gerda Luft (Tel Aviv), die Seniorin unter BARBARA JUST-DAHLMANN: ,DER KOMPASS MEINES HERZENS’ ZU EINER GANZ AUSSERORDENTLICHEN “BEGEGNUNG MIT ISRAEL” Herder-Verlag Freiburg Diese aussergewöhnliche Neuschöpfung ist erstrangig dem grossartigen HERDER-Verlag zu verdanken, der es sich während dieser Jahre immer wieder zur Aufgabe macht, Bücher herauszugeben, deren Motive in engem Zusammenhang mit Israel, seinen Problemen! und den Fragen des Judentums überhaupt stehen. Das sind in Kürze auch die Kriterien dieses Bandes, von Frau Dr. jur., Amtsgerichtsdirektorin Barbara Just-Dahlmann effektiv “mit Herzblut” geschrieben, auch der Titel besagt es schon. Die Autorin war lt. Anmerkg. des Verlags Trägerin des, Moses Mendelssohn- und Theodor Heuss-Preises, bekannt geworden durch ihr “Tagebuch einer Staatsanwältin” (Herder 1983). Soeben erhielt sie zusätzlich die “Hedwig-Burgheim-Medaille”, verliehen vom Magistrat der Universitätsstadt Giessen “in Anerkennung und Würdigung hervorragender Verdienste um Verständigung u. Verständnis zwischen den Menschen”; auch der kürzlich erschienene und Jetzt hier vorliegende Band “Kompass meines Herzens” ist vom Verlag miterwähnt. Schon im ersten Buchteil, “Eine Ankunft mit Rückerinnerungen” konfrontiert uns die Verfasserin mit ihren Freunden in ganz Israel, auch mit solchen, die zu unserem eigenen persönlichen Freundeskreis gehören wie z.B. ZWI GOLDSTEIN, “dem Sohn des damals über 80jährigen Leiters der jüdischen Gemeinde von Mannheim, er (Zwi) selbst Mitarbeiter der einzigen deutschsprachigen Zeitung in Israel” usf. (Leider weilt Vater Goldstein heute nicht mehr unter uns, sein Andenken in- Ehren...). Liebevoll reiht hier die Verfasserin Details an Details (S. 12).- Im “Sprachkurs im Neve-Hanna-Kinderheim” (S. 40) lernen wir Kiryat-Gat und vor allem die grossartige Persönlichkeit von Hanni Ullmann kennen, nun schon seit Jahren die Leiterin des bekannten Vera-Salomon-House an der Kreuzung Raanana-Kfar-Saba, ein elegantes, vornehmes Heim für Ältere mit angeschlossener Krankenabteilung. So vielseitig ist Hanni Ullmann, die “nebenbei” noch grössere Reisen nach Europa und Amerika unternimmt.. (Vielleicht sollte ihre heutige bedeutende Leistung in einer eventuellen zwei_ ten Auflage dieses Buches miterwähnt werden). Auf S. 145 faszinieren die “Bibelgespräche” und die anschauliche Schilderung des Tales GEHI- NOM, der “Hölle”, mit ihrer jahr tausende alten HISTORIE —alles gesehen eben mit den Augen dieser gründlich-wohlgesonnenen Autorin! — — Und schliesslich auf S. 152 das herrliche, tief ergreifende “Gebet des Josscl Rackower”, eine echte HIOB-Gestalt, von Frau Barbara Just-Dahlmann intuitiv erlasst, miterlebt.. Man müsste noch manches anführen, aber — man muss dieses Buch lesen. Hier spricht eine deutsche Christin, Jedoch, wie und was sie spricht, ist und bleibt für uns Israelis eines der grossen WUNDER unserer Zeit! Dank ihr und dem Verlag, noch und noch! - - Frieda Hebel den langjährigen, ständigen freien Mitarbeitern, eine politische Rückschau auf die fünfzigjährige Entwicklung der Organisation und ihres Wochenorgans. Die meisten übrigen Beiträge sind eigens für die Abschiedsnummer geschriebene Zusammenfassungen, oft bilanzartig und nicht frei von Emotion. Andere sind geeignete Nachdrucke aus früherer Zeit. Schliesslich dankt Fred (Seev) Estreicher, als Generalsekretär (Direktor) des “Irgun Olej Merkas Europa” der Sprecher der Organisation, den Lesern und Freunden, aber auch den Redakteuren und Mitarbeitern des “MB” für ihre Treue. Das Blatt habe, so stellt er aibschliessend fest, “seinen Platz in der Presse unseres Landes behauptet”. Es sei “Ausdruck der besten Tradition des deutschen Judentums und vor allem des deutschen Zionismus” gewesen, “wohl die älteste Wochenschrift in Israel”, fügt er nachdenklich-besinnlich hinzu. In der Tat, das “MB” wird in Zukunft vermisst werden, auch ausserhalb Israels und — nicht nur von Juden. EGL, langjähriger “MB”-Mitarbeiter in Deutschland. ZEICHEN DER TREUE Bernhard Brilling (fr. Breslau) über Prenzlau Auf wenigen Seiten der kürzlich erschienenen Festschrift “Prenzlau — Hauptstadt der Uckermark — 1234—1984” (Selbstverlag Heimatkreis Prenzlau, Günter Schulz, Drosselweg 9, D-2121 Barendorf; DM 35) behandelt Professor Dr. Bernhard Brilling, Münster/W., wesentliche Gesichtspunkte “Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 1698 — 1942” —• bemerkenswert auch deshalb, weil seine Ausführungen vermutlich die erste zusammenhängende Veröffentlichung über diesen Gegenstand sein dürften. Aber, obwohl er 1906 in Tremessen in der früheren Provinz Posen geboren wurde (und lange bis 1939 in Breslau ansässig und tätig war), ist er auch mit Prenzlau, mit dem jüdischen Prenzlau, geistig eng verbunden geblieben; denn sein Vater, der in Tel Aviv gestorbene Samuel Brilling, war von 1911 bis 1933 der Kantor und Lehrer der Prenzlauer Gemeinde. Daher also rührt Briliings Interesse, sonst eher an Schlessien und Westfalen gebunden, auch für — Prenzlau! Im Mittelpunkt der Darstellung steht die 1847 gegründete “neue” Gemeinde, zu der auch die Juden in der näheren Umgebung zählten. (1846 insgesamt etwa 360; 1932 ungefähr noch 300; erheblich dezimiert durch Auswanderung ab 1933 und durch Deportation ab 1942). Brilling beschäftigt sich ferner stichwortartig mit dem Leben, der Struktur, auch mit dem sich bis 1933 vollziehenden sozialen Aufstieg der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Aufgeführt sind schliesslich die jüdischen Kultusbeamten seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, denen Brilling, selbst ausgebildeter Rabbiner, stets besondere Aufmerksamkeit zollt. Ein kleiner “Urkundenanhang”, beginnend mit 1692, darunter, 1814, die Annahme endgültiger Familiennamen der Juden verzeichnend, bereichert die Arbeit ebenso wie die Qualität zweier Fotos der Synagoge (1832) beziehungsweise des Synagogenplatzes (1984). Zwei andere Aufsätze der Festschrift gehen auf bekanntere Juden aus Prenzlau näher ein, nämlich auf den SPD-Politiker Paul Hirsch (1865 — 1940 Berlin), den Dortmunder Oberbürgermeister der Jahre 1925/32, und auf Professor Gustav Mayer (1871 — London 1948), einen Historiker des Sozialismus und der politischen Parteien. E. G. Lftwenthal 19

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