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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1986-01-01 · No. 51 (1986) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1986
Issue
No. 51 (1986)
Date
1986-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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The Rabbin ate of Venice by Rabbi Dr. DANIEL LEWIN, Montreal, Quebec, 1981 Privately circulated. Kurz besprochen von MORDECHAI NOY, Ramat Chen Rabbiner Dr. Daniel Lewin hat uns aus seinem Wohnsitz Montreal eine Forschungsarbeit ”The Lewin-Steinberger Saga” gesandt, als Privatdruck in Englisch 1981 erschienen, und dieses neben seiner Untersuchung ueber die Rabbiner von Venedig, die ebenfalls hier besprochen wird. Der Verfasser, geboren 1901 in Pinne/Posen kann auf eine reiche Vergangenheit auf dem Gebiet des Unterrichts in juedischen Faechern und des Rabbinats zurueckblicken, von der wir nur als Stichproben erwaehnen koennen: Kattowitz-Myslowitz, Bresl.au, Berlin, London, Kanada, Cornwall-Ontario, Montreal, Dorval, St. Agatha des Monte, Quebec, Montreal nochmals, seit 1978 dort. Der Verfasser ist der Sohn des Rabbiners Dr. Louis Lewin, s.A. geboren 1868 in Znin, der im Jahre 1941 in Tel Aviv starb. Seinem Leben und beruflichem Tun sind mehrere Seiten der Arbeit gewidmet. Rabbi Lewin hat eine gruendliche und gut fundierte Familienforschung ausgefuehrt, in der bedeutende Talmudgelehrte und Wissenschaftler erscheinen, sie erstreckt sich ueber mehrere Jahrhunderte und Laender. Der zweite Teil ist der Familie seiner Gattin Inez gewidmet, und hier eroeffnete sich dem Schreiber dieser Besprechung eine persoenliche Reminiszenz: ihr Vater war Salomon Steinberger, aus Ungarn, Nachkomme auch er bedeutender Vorfahren — er war 30 Jahre hindurch Vorbeter und Ba’al Kriah in der Synagoge der Isr. Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main, unter Rabbiner Dr. Salomon Breuer, er war hochgeachtet sowohl wegen seines beruflichen Koennens als auch seiner Gelehrsamkeit und gewinnenden Persoenlichkeit halber. Mir, wie so sehr vielen anderen Bar-Mizwahjungen, hat er (im Jahre 1918) die Thoravorlesung beigebracht, was, wie igwaiHCTiwiiM———fa— (Fortsetzung von Seite 16) ten ur.s eine Begruessungsschrift. Die Strassen wa_ ren voller Menschen, und in der Syagoge selbst waren alle Gaenge gefuellt, Damen und Herren hielte brennende Kerzen in der Hand, eine Anzahl junger schoener Mädchen streuten Blumen vor uns her. Die Synagoge erstrahlte in Licht aus hunderten von Wachskerzen. Herr Plessner las ein schoenes Gedicht, in dem er den Willkommengruss und die Dankbarkeit der Gemeinde zum Ausdruck brachte, andere uebergaben uns Adressen in Deutsch und Franzoesisch um ihre Anerkennung zu bezeugen. Wir liessen später besondere Behaelter fuer diese anfertigen. Wh verliessen Posen am Abend, reisten waehrend der ganzen Nacht und erreichten am naechsten Abend um 10 Uhr Berlin...” Nach festlichen Empfängen dort ging die Reise weiter nach Frankfurt am Main, wo unter anderen die Rothschilds besucht wurden, mit denen Mrs. Montefiore verschwägert war, auch trafen sie dort den bekannten Maler Moritz Oppenheim, von dem sie in ihrem Heim in Ramsgate drei Originalgemaelde besassen. Am 16 Juni gelangten Sir Moses und Frau zurueck nach England, von wo aus sie am 1. Maerz aufgebrochen waren. Mitgeteilt von Mordechai Noy, Ramat Chen er mir noch nach vielen Jahren in London in Erinnerung rief, gar nicht so leicht war, er ahnte damals nicht, dass auch ich, wenn auch in bescheidenem Masse, ein gelegentlicher Thoravorleser wurde. (Die persoenliche Note sei mir gestattet.) Umfassendes Wissen und Gründlichkeit, wie sie in dieser Arbeit dem Verfasser beistanden, finden ihren Niederschlag auch in seiner grossen Forschung ueber die Rabbiner von Venedig. * Diese wissenschaftliche Darstellung, von der zu hoffen ist, dass sie nicht nur als provisorischer Sonderdruck, sondern in Buchform erscheinen soll, ist das letzte Kapitel der Forschungarbeit ueber die Rabbinen, Gelehrten und Persoenlichkeiten von Venedig. Sie umfasst die Zeitspanne vom 13. bis 19. Jahrhundert und enthaelt eine Namensliste der Rabbiner in dieser Zeitfolge, wie eine Bibliographie. Der eigentliche Text zeigt dass das Rabbinat von Venedig seine Sonderstellung in dem Rahmen des europ.aeischen Judentums einnahm, entsprechend derjenigen der juedischen Gemeinde in Venedig. Der Beginn eines organisierten Rabbinats geht zurück auf den Anfang des 16. Jahrhunderts und stand im Zeichen einer bitteren Familienfehde, an der auch Rabbiner ausserhalb Venedigs teilnahmen. Im spaeteren Zeitverlauf gibt es eine Yeshiva Klalith schel Venezia, die nicht nur eine Akademie fuer hoeheres Lernen war, sondern auch massgebende Entscheidungen fuer ganz Italien und sogar auch für das Ausland traf, von wo man sich an die dortigen Rabbinen mit Anfragen halachischer Natur wandte. Die Rabbiner waren im Anfang nicht besoldet, wodurch die allgemeine Achtung vor ihnen stieg. Im Rahmen der Jeschiva wurden geeigneten jungen Gelehrten die Titel “Chaver” und “Morenu” verliehen. Die Jurisdiktion der Rabbinatsbehoerden war weitgehend eingeschraenkt durch die Zulassung der Inanspruchnahme der weltlichen Gerichte. Der Verfasser bringt reiches Material ueber die Verfassung und Entscheidungen des Rabbinatsgerichts. Im Jahre 1594 verstaerkte sich der Einfluss der Laienfuehrer der Gemeinde, die die Privilegien der Rabbiner einschraenkte.n und bei Weigerung von deren Seite mit Strafen und sogar dem “Cherem” (Bann) drohten. Auch die Bemuehungen der Regierung und Kirche, die Rabbiner nicht zu einflussreich werden zu lassen, trugen in dieser Periode zur Minderung ihres Ansehens bei. Ein Streitpunkt zwischen Thora, und Laienautoritaeten war unter anderem die Verleihung der Ordination — “Semicha” und der Approbierung (hasmacha) neuer Buecher. Auf dem letzteren Gebiet gab es wiederholt Streitigkeiten, auch mit rabbinischen Autoritaeten ausserhalb Venedigs, vor allem in der Schabbatai Zvi-Periode. Die Anwendung des Cherem-Bannspruchs wiederholte sich in anderen Fällen, sowohl was die von Venedig ausgehende Initiative betrifft, der andere Gemeinden folgten, als auch im umgekehrten Falle. Beispiel fuer das erstere Vorgehen war der “Cherem” gegen die unter 25-Jaehrigen, das historisch-philosophische Werk “Meor Enajim” des Rabbi Azaria dei Rossi zu studieren, im weiteren Falle — der beruehmt gewordene Bannfluch gegen den Marranenspross Uriel da Costa aus Holland, des Ketzertums angeklagt. Hier war es der gelehrte Rabbi von Venedig, Leon Modena, der dieserhalb mit dem Rabbinat von Hamburg in Briefwechsel stand. Zu gewissen Perioden war das “Exkommunizieren” den venezianischen Rabbinern von den weltlichen Behoerden untersagt. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderte hatten die Rabbiner von Venedig gegen die ueberhand nehmende Spielsucht zu kaempfen, auch hier mittels des Bannfluchs, der sogar bis zum 18 Jahrhundert wirksam bestand. Zur positiven Seite der Taetigkeit sind zu erwnehnen: Entscheidungen wegen des Verbotest nicht juedischen Weines, der korrekten Schreibweise des Buchstabens “VAV” in Thorarollen und Einsetzung einer Zentralsammelstelle fuer Hilfeaktionen fuer die Juden im Heiligen Lande; fuer diesen Zwecke wurden auch Aufrufe an andere Gemeinden erlassen. Auch Aktionen zur Ausloesung Juedischer Gefangener (“Pidjon Schwujim”) gingen von Venedig aus. Andererseits, in schlechten Zeiten der Gemeinde Venedig selbst, fehlte es nicht an “Appeals” an andere Gemeinden, z.B. an England und Holland, Hilfe zu leisten. Zu Beginn der Shabatai Zvi-Periode im Jahr 1666, sandten die Rabbis in Venedig nach Konstantinopel um festzustellen ob an dem Erscheinen des Messias etwas Wahres war, und die von 17 dortigen Rabbanim unterschriebene Antwort war: “Shabatai ist der wahre Messias, wartet auf die baldige Erloesung”. Die Unterschriften waren allerdings gefaelscht... Die Meinungen der rabbinischen und Laienpersoenlichkeiten in Venedig waren geteilt. Ein Aufruf warnte und riet in der Oeffentlichkeit die Sache totzuschweigen, und wurde kurz danach widerrufen. Abwarten wurde die Losung, Jedoch die damals ausgeloeste “Teschuvah” (Rückkehr)- Bewegung begrüsst. Weitere Einzelheiten koennen hier nicht wiedergegeben werden, sind aber in der Forschungsarbeit von Dr. Lewin eingehend und mit Quellenbelegen geschildert. Weitere Schilderungen des Eingreifens der venezianischen Thoragelehrten in Streitigkeiten besonderer Art betreffen die Diskussionen um die Persoenlichkeit des Rabbi Mosche Chaim Luzzatto (“Ramchal”, der obwohl der Verfasser des noch heute selbst in orthodoxesten Kreisen hochgeschätzten Buches “Messilath Jeschar im”, anderer Schriften wegen der Ketzerei beschuldigt wurde, dies bringt uns zum ersten Drittel des 17. Jahrhunderte). Auch hier kam es zu einem “Cherem” der Schriften seitens der Rabbiner Venedigs. Es ist nur natuerlich, nach allem bisher Gesagtem, dass auch in der unseligen Diskussion ueber die Persoenlichkeit des hochgelehrten Rabbi Jonathan Eibenschuetz, der bekanntlich des Sabbatianimus beschuldigt wurde, das Rabbinat von Venedig um Stellungnahme angegangen wurde (1752), woraufhin sie sich im Anfang dem vom bedeutenden Thoragroessen anderer Laenderergangenen “Cherem” anschlossen, um später den Irrtum einzusehen und Eibenschuetz in Schutz zu nehmen. Von besonderem Interesse sind die von Lewin angefuehrten Anfragen halachischer Natur, die einerseits von Venedig an Talmudautoritaeten anderswo und umgekehrt von solchen an die Rabbiner von Venedig gerichtet wurden; detaillierte Angaben liegen ausserhalb dieser Besprechung. Die Namensliste die der Schrift beigefuegt ist, bringt Erinnerungen an beruehmte Familien des italienischen Judentums, wie Rapoport, Zarfati, Medina, Padua, Treves, Cividal Castaellazo, Modena, Saraval, de Fano, Luzzatto, Cohen-Porto, Pogetto, Pichhio, dies nur eine Auswahl. Wie oben' gesagt, man möchte wünschen, dass das gesamte Werk in Bälde in Buchform erschei nen soll! 17

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