Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1986
- Issue
- No. 51 (1986)
- Date
- 1986-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Max Simonsohn-ein zionistischer Raw Der von uns so früh dahingegangene Rabbiner Dr. [Max Simonsohn war weder Mitglied der zionistischen noch der misrachistischen Organisation und trotzdem hat er, wie nur wenige seiner Berufsgenossen, in seinem Leben und seinem Wirken das Idal des Zionismus verwirklicht. Er war ein parteibefreiter Rabbiner in dem Sinne, dass er die zionistische Idee nicht als Sache einer Partei oder einer Gruppe im Judentum ansah, sondern sie zum Inhalte seiner Anschauung vom Judentum machte. Diese Idee vertreten und unermüdlich von der Kanzel in Predigten und Ansprachen verbreiten, hiess ihm nicht Parteipolitik treiben und setzte daher die Zugehörigkeit zu einer Partei nicht voraus. Sie bedeutete ihm heiliger Dienst an dem von ihm heissgeliebten Volk und Verwirklichung eines religiösen Gebotes, nämlich, das des Jichuw Haarez) der Besiedlung Erez Israels. Es fällt schwer, Dr. Simonsohn einen Platz in den Reihen der deutschen Zionisten zuzuweisen. Als der Schöpfer des Zionismus, Theodor Herzl, das Programm der Wiedergeburt des jüdischen Volkes unter Schaffung einer öffentlich-rechtlichgesicherten Heimstätte in Palästina verkündete, schlossen sich ihm zwei Gruppen von Juden an, diejenigen intellektuellen Kreise im Westen und Osten Europas, die gleich Herzl die Judenlage untersucht haben, die Feststellung der Existenz der Judenfrage machten und die Heilung in der grundlegenden Änderung der politischen und sozialen Struktur des Volkes durch die Konzentrierung von Massen in einem Lande erblickten. Es war ein rationaler Weg von Menschen, die nur wenig mit dem überlieferten Judentum zu tun hatten oder ihm sogar ablehnend gegenüberstanden. Im gesetzestreuen Lager des Volkes im Osten gab es Kreise, die gleichfalls auf die neuen Ideen positiv reagierten, aber nicht aus logischen Erwägungen, sondern aus ganz anders gelagerten Empfindungen. Es waren Männer, die vollkommen an dem Hergebrachten und Überlieferten festhielten, die in sich den Traum und die Hoffnung einer messianischen Zeit trugen, die sich aber darin von der Mehrheit unterschieden, dass sie an die Verwirklichung dieser Hoffnung dachten und Wege zu ihrer Durchführung suchten. An Suchern und Schwärmern dieser Art fehlte es nie in der jüdischen Geschichte. Sie treten uns als Anhänger vermeintlicher messianischer Bewegungen und zum Teil als abenteuerliche Palästinareisende entgegen. Die meisten dieser Unternehmungen waren zwar fruchtlos, sie hörten aber als Ausdruck des Dranges zur Erlösung nie ganz auf. Wenn man dafür ein Schlagwort gebrauchen will, kann man dieses Streben in Parallele zum Begriffe der Selbstemanzipation von Pinsker als Selbstgeulla bezeichnen. Trotz aller bestehenden weitanschaulichen Unterschiede haben sich die lm (Schluss von Seite 7) Abschliessend stellt der Gerichtshof fest, dass eine solche Apostasie Lebens- und Leibesstrafe verdiene, aber der Geist der Zeit mache eine Milderung der Gesetze erforderlich. Damit ist die Untersuchung der Justizabteilung des preussischen Königs Friedrich II. abgeschlossen. Ob er weiter an seinem Ort leben dürfe, müsse der Finanzabteilung überlassen bleiben. Datum: Berlin, 12. Dezember, 1785. Also vor 200 Jahren. Was hat das jüdische Volk und die Menschheit nicht alles in diesen zwei Jahrhunderten erleben müssen. Löwenstein Von Rabbiner Dr. E. URBACH, Breslau Osten sehnsüchtig Wartenden und zur Tat Strebenden Herzl bedingungslos angeschlossen und sind häufig im Kampfe mit weiten Kreisen des religiösen Judentums zu eifrigen Verfechtern und Verbreitern der Ideen der jüdischen Renaissance geworden. Es sind, um nur einige Namen zu nennen, die Rabbiner Samuel Mohliwer, Jizchak Reines, der sefardische Chacham Alkaley und der von Dr Simonsohn so unendlich verehrte und von uns tief betrauerte Raw Jizchak Jaakauw haKohen Kuk. Dieser Galerie gehört auch Rabb. Dr. Simonsohn an. Ihm war die Arbeit für Erez Israel, genau wie für die genannten Männer, der wichtigste Teil seiner Rabbinertätigkeit. Er arbeitete nicht unter dem engen Gesichtskreis seinr Gemeinde, sondern vom Aspekte der Nöte und Bedürfnisse des gesamten Klall Jisrael. Unter diesem Gesichtspunkte ist seine ganze Arbeit und auch sein Hauptwerk, die Errichtung der jüdischen Schule in Breslau, zu werten. Er trug in sich das Bild eines jüdischen Palästina, das ganz auf den Grundlagen der Tradition aufgebaut ist, in dem die Lehren unserer Propheten und unserer Grossen zur wahren Herrschaft gelangen. Für die Verwirklichung dieses Bildes setzte er seine ganze Person ein, wenn aber die palästinensische Wirklichkeit in sehr vielem diesem Bilde nicht entsprach, so lag es ihm absolut fern, irgend jemand deswegen verantwortlich zu machen oder gar die Richtigkeit und Zweckmässigkeit des Ganzen in Frage zu stellen. Da gab es für ihn nur einen Spruch: Wir religiösen Juden müssen mehr für das Aufbauwerk tun, dann werden wir auch mehr erreichen. Ich hatte das Glück, ihn vor seinem Tode über die religiöse Lage der Juden in Palästina sprechen zu hören; da lauteten seine Ausführungen: Unsere Jugend besitzt wie jede andere ein starkes ethisches und soziales Gefühl. Wenn nun zu ihr Menschen im Namen der Religion sprechen, die ihren sozialen und ethischen Ansprüchen nicht entsprechen, können sie unmöglich auf diese Jugend wirken. Von Kwutzoth und Kibbuzim der arbeitenden jüdischen Jugend, deren Leben und Treiben doch nicht seinen Anschauungen und Vorstellungen entsprach, sagte er, wird die Geulla kommen. Er sah in ihnen nämlich die gleiche Begeisterung und gleiche Aufopferung für die Sache des Aufbaues, die ihn beseelte, und glaubte, dass diese Jugend den Weg zu der von ihm erkannten Wahrheit finden wird. Jedes Gespräch über Schattenseiten und ungünstige Erscheinungen im Leben Palästinas verletzte ihn. Er sah sie sicher und beobachtete sie vielleicht noch schärfer als alle anderen. Aber seine Parole lautete: Nicht darüber sprechen, sondern so wirken, dass es immer besser und schöner wird. Erez Israel und alles, was darin baut und arbeitet, war ihm heilig und unantastbar. Für alles, was zu einem Erfolge des Aufbaues beizutragen versprach, ob es Keren Hajessod oder Keren Kajemet oder zuletzt die Jugendalija war, war er ganz und gar zu haben, und das während einer Zeit, wo diese Dinge unzeitgemäss und unpopulär waren. Er besass den Mut zur Unpopularität, wenn die Sache, die ihm heilig war, dadurch gefördert wurde. Seine Begeisterung für die Erfolge unserer Renaissancebewegung äusserte Bich am klarsten in seiner Beziehung zur hebräischen Sprache. Neben dem Aufbauwerk in Erez Israel ist die Wiederauferstehung der hebräischen Sprache das grösste Wunder, das der Zionismus vollbracht hatte. Eine Sprache, die vor 50 Jahren noch als tot bezeichnet wurde, beherrscht alle Gebiete des Lebens in Palästina und erobert sich weite Kreise der Juden in allen Ländern der Welt, erzeugt neue literarische, kulturelle und religiöse Werte. Diese Erscheinung war unserem unvergesslichen Raw eine Quelle ewiger Begeisterung, mit Menschen, die die Sprache beherrschten, sprach er nicht anders als hebräisch. Unendliche Freude strahlte aus seinen Augen, wenn er erfuhr, dass man für irgend einen modernen Terminus ein hebräisches Äquivalent fand, wenn er irgendeine besonders schöne Wendung hörte, oder gar etwas von dem Sprachschatz der Kinder in Erez Israel erfuhr. Den jüdischen Kindern Breslaus die Kenntnis des Hebräischen zu vermitteln, war ihm heilige Pflicht, und seine Schule in Breslau war die erste in Deutschland, die diesem Gegenstände einen gebührenden Platz im Unterrichtsplane einräumte, und es ist zum grossen Teil sein Verdienst, wenn wir heute in Breslau einen grossen Kreis Hebräischsprechender besitzen. In Breslau werden die jüdischen Schulen, in denen heut an tausend Kinder im Geiste Dr. Simonsohns erzogen werden, ewiges Zeugnis von seinem Wirken ablegen. In Erez Israel war es ihm nicht mehr beschert, so ein bleibendes Werk zu erricHten. Die Breslauer Judenheit wird auf Anregung der Zionistischen Organisation die Errichtung eines Baues auf dem heiligen Boden des Landes der Sehnsucht Dr. Simonsohns ermöglichen. Dieses ^Haus, in dem jüdische Jugend aus Deutshland arbeiten und lernen wird, soll seinen Namen tragen, und so wird sein Andenken in der Gemeinschaft der arbeitenden und schaffenden Jugend Erez Israels fortleben . NACHBEMERKUNG: ZU DEM ARTIKEL RABB. Dr. MAX SIMONSOHN s.A. Prof. Dr. Josef Walk hat uns freundlicherweise obigen Nachruf auf Rabb. Dr. Max Simonsohn überlassen der nach seinem Ableben im Jahre 1936 in den Monatsblaettern „Zion” erschienen ist, und den wir wortgetreu abdrucken, anlässlich des öOjaehrigen Jahrzeitstag am 20. Ijar (das bürgerliche Datum ist 29. Mai 1986). Der Artikel ist szt. von Rabb. Dr. E. Urbach, Breslau, verfasst worden. Der Verfasser lebt als Prof. Dr. Efraim Urbach, Jerusalem und ist in der National-Akademie fuer Wissenschaft teatig. Seine bedeutendsten Werke ueber den Talmud etc. sind weit ueber Isral hinaus beruehmt und bekannt. KURT SCHWERIN: DIE JUDEN IN SCHLESIEN Die in der vorigen Nummer der Mitteilungen (Nr. 50) besprochene Arbeit von Kurt Schwerin, Die Juden in Schlesien: Aus ihrer Geschichte und. ihrem Beitrag zu Wirtschaft und Kultur, ist kürzlich in erweiterter Form, mit 16 Abbildungen, unter dem Titel “Die Juden im wirtschaftlichen und kulturellen Leben Schlesiens” im Jahrbuch der Schles. Friedr.-Wilh.-Universität zu Breslau, Bd. 25 (1984), Verlag Jan Thorbecke, Sigmaringen (Seiten 93-177) nachgedruckt worden. Auszüge der Arbeit erschienen ausserdem in der Kulturpolitischen Korrespondenz (Bonn), April 1984, und in dem Katalog der Ausstellung “Grosse Schlesier”, die vom Dezember 1984 bis Mai 1985 im Deutschlandhaus in Berlin gezeigt wurde. 8