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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1986-01-01 · No. 51 (1986) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1986
Issue
No. 51 (1986)
Date
1986-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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EIN göttliches Gebot ist es zu beten; denn es heisst (Exod. 23): “Dienen sollt ihr dem Herrn eurem Gotte, dienen mit ganzem Herzen und ganzer Seele” (Deut. 11). Wie anders aber könnten Herz und Seele dienend sich dem Schöpfer nahen als im Gebet! Haben doch schon unsere Stammväter Abraham, Isaak und Jakob im Gebete sich zu Gott erhoben. Abraham, so erzählt der Midrasch, hat das erste “Morgengebet”, gen Himmel geschickt, wie es heisst (Gen. 19): “Uind Abraham stand früh auf am Morgen am Orte, wo er gestanden war vor dem Ewigen” — “wo er vor ihm stand im Gebet” — fügt erklärend der Midrasch hinzu, er betete das Schacharitgebet. Abraham, von der Sonne seines aufsteigenden Glückes beschienen, legt dankend im Gebet die Güter, die ihm Gott gegeben, zurück in des Gebers Hand, um so geheiligt sie wieder demutsvoll von Ihm zu nehmen, im Morgenlichte seines Lebens. Ein wahres “Morgengebet”! Dies lehrte uns Abraham. Und Isaak, erzählt der Midrasch weiter, sprach zum ersten Male — zur Tagesneige — mit seinem Herrn im Minchagebet. Schon neigt sich im des Glückes Sonne gegen Westen. Ein Abimelach treibt ihn, ihm seine Güter neidend, von der Scholle die ihm Brot und Nahrung gibt. Ja selbst das Lebenselement, das Wasser, ihm den Durst zu löschen, missgönnet ihm des Königs Meute. Und dann, gerade ihm, dem Isaak, der mit der Seele auch seinen Körper Gott geweiht, ward ein Esau zum Sohne. Ein Esau, des rohe Jägerhand sich fast zum Brudermorde hebt. Und doch, dies alles kam vom Herrn. Kein Mensch kann schattenlos des Lebens Bahnen wan. dein. Und scheint des Glückes Sonne auch zu sinken, Isaak dankt doch dem Schöpfer im Gebet Sein ist das Recht, drum betet er das Nachmittagsgebet zur Abendzeit des Glückes. Dies lehrt uns Isaak. Die Sonne sank. Jakob der Stammvater, erzählt der Midrasch weiter, spricht zum ersten Mate zur nächtigen Stunde das Maarivgebet. Denn DAS GEBET Von Prof. Dr. S. LEVT, Mannheim so heisst es (Gen. 28): “und Jakob traf an diesem Ort und übernachtete dort”, wen traf der dort — fragt der Midrasch weiter deutend — Gott im Gebet. Nacht wars um Jakob. Heimatlos, vertrieben von des Vaterhauses Schwelle durch Esaus rohe Faust, mit knapper Not Labans Rotte entgangen, muss er in eine ungewisse Zukunft wandern, Nacht wars an Jakobs Schicksalshimmel! Und doch. Auch dieses kam von Gott! Er kann auch aus der dunklen Nächte Grauen des Tages goldne Lichter wieder wecken. Wohl ists jetzt Nacht. Doch Ihm sei Dank für das, was Er uns gab — was Er uns wieder geben wird. Jakob betete das Maarivgebet, das Gebet der Nacht. Dies lehrt uns Jakob. Und seitdem beten sie alle, die sich der Ahnen Enkel nennen. Auch von Daniel, dem königlichen Diener und Propheten, heisst es (Dan. 6) “dreimal des Tages betete er zum Herrn”. Welch andere Waffen hätte und hatte auch Israel als das Gebet? Was rettete die jammervollen Sklaven vom ägyptischen Zwingherrn? Nicht das Schwert! Zum Herrn riefen sie in ihrer Not, im Gebet. (Deut.) Was half dem schwachen Hirtenknaben David als er vor Goliath stand? Nicht wars die Heldenfaust! “Du kommst”, sprach er, “mit Schild und Lanze, ich aber komme im Namen meines Herrn”. Und siegend schlug der Schwache hier den Starken. Durch das Gebet. So bleibt als heiliges Vermächtnis unserer Ahnen das Gebet. Uns allen. Gross und Klein. Und beten wir in wahrhaft frommer Weise, Er wird uns hören. Uns alle, denn so heisst es (Ps. 75): “Du hörest unser Gebet, bis zu Dir dringt ein jeder Erdgeborene.” Es sagt hierzu Rabbi Jehuda bar Schalom (Mech.): “Bei uns, den Mensehen, ist es so. Es kommt ein Armer und will etwas haben, man hört ihn nicht. Es kommt der Reiche, man hört ihn an und nimmt ihn auf. Eeim Heiligen, gelobt sei Er, da Ist es anders. Sie alle sind vor Ihm, dem Vater, gleich, die Sklaven und die Herren, die Armen und die Reichen. Wes Herz beschwert ist von tränenvollem Kummer, der komme vor Ihn, wie er auch sei. Sei’s mit der Weisheit wohlgesetzter Rede, sei’s mit der Einfalt einfach kindlich Lallen. Denn also heisst es (Ps. 90): “Gebet des Moses” des Gott erhobenen Menschen, und dann (Ps. 10): “Gebet des Armen, wenn er in der Not ist und ün Gebet sich vor Gott ergiesst.” Wo aber soll man beten? Es heisst (Ps. 8): “Sprechet in eurem Herzen, auf eurem Lager und schweigt, selah.” Der Midrasch sagt zu diesem Verse erklärend: “Es spricht der Heilige, gelobt sei Er: so du beten willst, so bete im Gotteshaus, und kannst du’s nicht, so bete draussen auf dem Felde. Und ist auch dieses dir nicht möglich, so bete zu Hause. Und hast du nicht zu Hause die Kraft zu stehen, so bete auf dem Lager liegend. Und ist der Stimme Kraft dir auch versagt, so bete denkend und denke betend. Der alles hört, vernimmt auch das stille Zittern deiner Seele”, denn so heisst es: “sprechet im Herzen auf eurem Lager und schweiget”. Und dazu sagt noch Rabbi Juda: “Bete, doch lass die Sünde vorher schweigen, dass nicht der Sünde Ruf dein Beten übertöne. Mit reinem Herzen komme vor Gott. Nicht Lippendienst will Er, der Heilige, gelobt sei Er.” “Gott will dein Herz.” Anmerkung der Redaktion: Der vorstehende Artikel wurde von Prof. Dr. Sali Levi, Mannheim, verfasst. & war Studienrat am Ober-Gymnasium (Physik und Mathematik) in Ludwigshafen und starb 1966 in London. Seine Gattin Adelheid Levi geb. Jakobson ist leider vor Kurzem in Tel Aviv verschieden. Mit ihrer Tochter, Ruth Katz, sind wir eng verbunden, sie leitete viele Jahre einen literarischen Zirkel der auch ehrenamtlich in den verschiedenen Logen, Elternheimen und im Rahmen der CENTRA wirkte. Diese erfolgreiche Tätigkeit wurde leider durch Kranheit unterbrochen. Die zweite Tochter des Ehepaares Levi, Lena Baum, lebt in England. Im “Magazin für die Wissenschaft des Judentums,” herausgegeben von A. Berliner und David Hoffmann, Berlin, 1898, wird ein Aufsatz veröffentlicht, der für diese Leser der “Mitteilungen” interessant sein wird. JOSEPH ABRAHAM STEBUCK! EIN GER ZEDEK DES 18- JAHRHUNDERTS Von E. BIBERFELD Der Artikel beginnt mit der Feststellung, dass der Übertritt eines Juden zum Christentum eine alltägliche Erscheinung ist. Sogar gelehrte Männer wundern sich, dass Moses Mendelsohn kein christlicher Philosoph war. Umso seltener ist der Übertritt von Christen zum Judentum. Meistens war er die Folge der Liebe, selten der Überzeugung. Der Religionswechsel eines Christen war mit einer schmerzhaften Operation verbunden. Ausserdem muss das “Joch des Gesetzes” angenommen werden und war mit der Aussicht auf Aechtung und wirtschaftliche Verfolgung verbunden. Darum verdient ein solcher Entschluss Mitleid und muss die Folge der Verrenkung des Verstandes sein. Es ist der Mühe wert, den Beweggründen nachzugehen, die sogar in unserer Zeit und in unserem Staat einen vernünftigen Menschen bewegen können, öffentlich eine Religion anzunehmen, die keinerlei Vorteile verspricht. Ausserdem kennt das Judentum keine Mission und Propaganda. Der Übertritt kann sogar als ein Verbrechen angesehen werden. Mit diesen Werten beginnt die Geschichte des Ger Zedek Abraham J. Steblicki. Er war ein ehemaliger Ratsmann aus Nikolai O/S. Der Autor des Berichts aus dem Jahr 1786 erkennt an dem Verhalten gegenüber den Juden, den Kultur- und Geisteszustand einer neuen Zeit. Es herrscht die Aufklärung. Gegenüber dem Hass der früher die Atmosphäre vergiftete, ist der Geist seiner Epoche wohltuend positiv.. Es liegen gerichtliche Protokolle vor, die wir auszugsweise wiedergeben. Zunächst wird die Ehefrau vor Gericht vorgeladen, die bezeugt, dass ihr Ehemann — ausser Kaffee und Milch — keine Speisen bei ihr zu sich nimmt. Sie war sich nicht klar darüber ob ihr Mann Jude geworden sei. Den Bart nehme er sich nur mit der Scheere ab, am Schabhat besuche er die Synagoge. Wochentags bete er zu Haus mit Riemen auf dem Kopf. Frau Steblicki beschreibt dem Gerichtshof — der sie beschwört, die Wahrheit zu sagen — das Leben eines frommen Juden. Anschliessend wird der 28 jährige unverheiratete Sohn vernommen. Mutter und Sohn beschweren sich in keiner Weise über den ungewohnten Lebensstil des Ger Zedek. Abschliessen wird Steblicki selbst vernommen. Er hat in einem Jesuitenorden studiert, lernte den Fleischerberuf und sei jetzt 60 Jahre alt. Er wollte schon mit 20 Jahren Jude werden. Er beschnitt sich selbst. An Jom Kippur ging er als Jude zum 1. Mal in Sterbekleidern in die Syna. goge. Die Lektüre der Heiligen Schrift habe ihn zum Übertritt bewogen. Er befolgte mit der Beschneidung nur ein Gebot Jesus, der selbst beschnitten war und forderte, dass man ihm folge. Trotz aller Unterhaltungen mit Geistlichen bereue er diesen Schritt nicht. Schliesslich wurde der jüdische Gemeindevorsteher, die Kollegen vom Ratskollegium, dem er angehört hatte, befragt. Alle bezeugten seine untadelige Lebensführung. Der Gemeindevorsteher stellt fest, dass es nicht wahr sei, dass ein Jude, wenn er Christ wird, Jesus fluchen müsse. Soweit der Inhalt des Gerichtsbericht. Leider haben diese Zeichen einer neuen Zeit einen so tragischen Abschluss gefunden. (Fortsetzung auf Seite 8) 7

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