Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 nicht weil wir etwa nicht wie sie hätten sein wollen, sondern weil sie nicht wie wir sein wollten, und solche theologisch-israelische Fakultät von dieser Art entstand in keiner deutschen Universität. So waren wir darauf angewiesen, für uns selbst zu sorgen, auf unsere eigenen Kosten... Durch die Großzügigkeit eines großen Stifters, der Kommerzienrat Jonas Fraenkel, entstand in Breslau das erste jüdische theologische Seminar. An und für sich ist ja die Annahme richtig, dass auch ein Jeschiva-Bachur ein Student ist. Aber so wie jüdischer Kapitalismus kein Kapitalismus ist, und jüdischer Sozialismus nicht identisch ist mit dem der Völker, so steht es auch mit der Theologie: Es gibt wohl viele gemeinsame äussere Anzeichen für das, was wir und die Nichtjuden mit dem gleichen Namen benennen, aber trotz alledem gibtr es keine nichtjüdische Lehre, die unseren Bedürfnissen entspricht. Und wir, in dieser unserer Generation, selbst Hitler hat uns nicht gelehrt, dass ein jüdischer Arbeiter nicht ist wie ein nichtjüdischer, ein jüdischer Kapitalist nicht wie ein nichtjüdischer, ein jüdischer Nationalist nicht wie einer der Goyim - wir sind gewiß nicht berechtigt, Steine auf jene Generation zu werfen, die ihren Irrtum in der liberalen Welt beging, die sich so gab, als ob sie den Eifer der Juden, es den Goyim gleichzutun, mit Freuden begrüsse. Und dies umsomehr, als diese nichtjüdische Umwelt die Tore ihrer Wirtschaft weit für Juden öffnete, deren ökonomische Situation daraufhin so fundiert wurde, dass es einer Anstrengung ihrerseits bedurfte, um ihnen in Erinnerung zu bringen, dass sie trotz allem im Galuth lebten.... Sie konnten doch in derTat irren und glauben, der Übergang vom Jeshiva- Bachur zum Studenten sei nur ein formaler, nicht aber einer des Inhalts. Aber - die Synthese ist Sache des Genius. Ein solcher, groß an Geist und Herz, kann aus eigener Kraft zwei Kulturen in sich vereinigen, und alle, die ihre Beweise von Maimonides bringen, der ein großer Arzt und Wissenschaftler war, oder von Abarbanel und anderen, vergessen, dass es bei diesen kein System war, sondern eben Genius. Wer dem Maimonides es nicht an jüdischer Gelehrsamkeit gleichtun kann, kann ihn auch nicht in der Medizin imitieren... Als man aber das System der Synthese als Ausbildungsweg auch für kleine Gehirne anwenden wollte, musste man natürlich scheitern. Ein «lluj» (genialer junger Talmudgelehrter) kann morgens die Universität besuchen und die Nacht dem Torahstudium widmen, und gleich groß in Torah und Wissenschaft werden, aber wenn man einen einfachen Jüngling aus einer der deutschen Kleinstädte nach Breslau bringt, und ihm auferlegt, die Hälfte seines Tages der Universität, und die andere dem Rabbinerseminar zu widmen, so wird er auf beiden Seiten kahl ausgehen. Von den ersten Lehrern und Gründern des Breslauer Seminars war Graetz ein Genius und ein lluj, der erste Historiker, den das jüdische Volk nach hunderten von Jahren hervorbrachte, und den man später nachzuahmen versuchte, ohne auch nur von weitem an ihn zu gelangen. Es war aber auch unmöglich von den Studenten, die im Seminar die Vorträge von Graetz hörten, zu verlangen, dass sie es ihm gleichtun sollten an Tiefe seines Ausblicks und seiner Begeisterung, und wir sollten uns nicht wundern, dass viele von ihnen es nicht einmal fertigbrachten, auch nur in seinen Anmerkungen und Seitenbemerkungen herumzustöbern. Diese Art von Breslauer Studenten fand den Kompromiss. Sie standen im Leben der europäischen Gemeinden in der Mitte zwischen den Reformern auf der einen und den Orthodoxen auf der anderen Seite, und ihre Kompromissbereitschaft äusserte sich in der Hauptsache darin, dass sie zustimmten, mit den Reformern gleichberechtigt zu sein. Alle waren sie Anhänger des Friedens, in Breslau, der Gemeinde, deren Rabbiner unter den ersten waren, die Moses Mendelsohn in den Bann taten. In Breslau, wo die Flamme des Streites zwischen Geiger und Rabbi Schlomo Tiktin loderte, die beide für sich den Rabbinatssitz in Anspruch nahmen, ging der Riss durch die Gemeinde und drohte, wie an vielen Orten später, die Gefahr, dass sich zwei getrennte Gemeinden bilden würden. Das Breslauer Seminar handelte als Friedensstifter. Während andere, wie Rabbi Samson Rafael Hirsch, der Reform die Lebensberechtigung aberkannten, und halachisch entschieden, das diese nicht zu Israel gehörten, kamen die Breslauer und sagten: diese und auch jene gehören zu Israel. Die Breslauer selbst fanden sich zwar im Lager der Konservativen, und fast alle waren sie in ihren Häusern Hüter der Gebote, aber sie forderten kein Monopol zur Aufzwingung ihrer Anschauungen auf andere. Aus dieser Hochschule gingen keine Eiferer hervor. Sie waren Wissenschaftler, nicht Eiferer G»ttes Feuer, sondern - Logik. Manche deuteten dies zum Guten, andere - zum Schlechten. Es ist möglich, dass ohne die Breslauer das Judentum der Zerstreuung noch zerspaltener geworden wäre, und dass in vielen Gemeinschaften die Tradition vergessen und verstossen worden wäre. Vielleicht auch - gerade umgekehrt: Breslau erleichterte die Abwendung vom Judentum des Verwurzeltseins, zu einem Judentum der Assimilation ohne innere Stärke, und schuf so den Mangel an Entscheidung zwischen den beiden extremen Lagern, und verlängerte den Streit. Wie dem auch sei - Breslau wurde immer von beiden Richtungen aus angegriffen... Aber, während die kleinen Studenten das hinkende Kompromiss schufen, schufen die großen Schüler Breslaus, und deren Schüler, die Wissenschaft des Judentums so wie sie bis zum heutigen Tage bei uns besteht. Die Wissenschaft des Judentums kann nicht ohne die Arbeit der Breslauer Lehrer gedacht werden, ohne die Geschichte eines Graetz, ohne die Darkei Mishna, der Einleitung zum Jarushalmi und den juristischen Studien eines Dr. Zecharja Fraenkel, die historischen Arbeiten Brann>s und so bis zu den Lehrern der letzten Generation - Prof. Michael Gutmann, Heinemann, Levkowitz und Rabin. Und unter den Großen der Schüler: Guedemann, der Oberrabbiner von Wien in Herzl>s Tagen, mit seinen Werken - über die Geschichte der Erziehung in Israel und seinen vergleichenden Studien zwischen der Geschichte der Religi- (Fortsetzung auf S.24) 8888888m88S0XSXKKaXSXKaXSXKaXSXKKaXSXKaXSXKaX^^