Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Richtung Breslau wurde durchbrochen, aber irgendwie stand die Linie, und vielleicht gerade weil sie von zwei Seiten her angegriffen wurde... Jedesmal endete die Diskussion mit der gleichen Frage: «Gibt es eine Richtung Breslau - Manche sagten: es gibt sie, und sie wurde vor 90 Jahren festgelegt mit der Gründung dieses Rabbinerseminars, des ersten in Deutschland, mit der Zweckbestimmung «auf jüdisch-historischem und positiven Boden zu bauen», mit anderen Worten, die Richtung ist fortzubauen, das Judentum zu entwickeln und es zu erweitern, und gleichzeitig das Bestehende, die praktischen Gebote, zu wahren, unter Würdigung allen Kulturgutes in ojektiver Weise. Andere sagten dagegen: Das ist überhaupt keine Richtung. Entweder-oder. Entweder den Knoten mit der Vergangenheit zerschneiden, wie es die Reform tat, oder das Bestehende erhalten, ohne Fortentwicklung, wie es die Orthodoxen tun. Aber - auf Grund des Bestehenden entwickeln, was soll das bedeuten? Und trotzdem wuchsen auf diesem Boden, und gerade während des Entwicklungsprozesses, wundersame Sprösslinge. Eine Pflanze von der Art des «MATMID» (stets Lernbeflissenen) wie sie das Judentum nirgendwo ausserhalb Breslaus kannte. Es wuchsen Geschlechter von beflissenen Gelehrten heran. Hunderte von Rabbinern, die in irgend einer entfernten Stadt in Deutschland, Böhmen oder Ungarn sassen, und mit den Beziehungen eines Minjan von Viehhändlern zu ihrem Vater im Himmel sich zu befassen hatten, von Zeit zu Zeit eine schöne Predigt oder Trauerrede haltend, widmeten ihre freie Zeit der Erforschung des Judentums. Dieser suchte lange Jahre hindurch die korrekte Lesart einer vergessenen Mechiltah, jener entzifferte jeden Grabstein auf dem alten Friedhof des benachbarten Dorfes, ein anderer wiederum übersetzte altfranzösische Vokabeln, die sich im Raschi-Kommentar finden, in Schrift-Französisch und ein weiterer verteidigt mit Verve Philo von Alexandria gegen die Angriffe eines Geistlichen in einer fast unbekannten lutheranisch-protestantischen Zeitschrift. Kleine Arbeiten, wenn ihr wollt, Sandkörner, aber wenn sie sich zusammenfinden, eine Bienenarbeit, die zu einem grossen Bau wird. Viele Städte bildeten Rabbiner aus, aber Breslau übertraf sie alle. Sie war die erste, und erst nach ihr, und nach ihrem Vorbild, entstanden das von Hildesheimer begründete Berliner Seminar, und ihm gegenüber, das der Reformer, ebenfalls in Berlin. Breslauer Schüler gründeten die Wiener und Budapester Seminare, und formten die Gestaltung des Jews College und des Montefiore College in London, beeinflussten das Seminar in Florenz und das in Cincinnati, das Dropsie College, und sie gelangten bis zu den Lehranstalten der Allianz in Frankreich und Istambul. Und noch in unserer Periode reichte ihr Einfluss bis nach Polen, mit dem Versuch der Errichtung eines Rabbinerseminars unter der Leitung des Warschauer Oberrabbiners Prof. Schorr, der ebenfalls ein Schüler des Breslauer Seminars war. Durch Generationen beeinflusste die Breslauer Richtung direkt und indirekt hunderte und tausende von geistigen Führern der Diaspora in Europa, Amerika und Afrika. Während eines Zeitraums von hundert Jahren waren die meisten Rabbiner und Lehrer Breslauer Absolventen, oder Schüler von Breslauer Absolventen, und alles Volk, das aus ihrem Munde Torah vernahm, erhielt sie ohne es zu wissen - aus Breslau. Es ist aber leichter Torah zu empfangen - als sie zu definieren. In Wahrheit stammte diese Lehre aus einer der Eheverbindungen, wie wir sie von Zeit zu Zeit mit dem Zeitgeiste eingehen, und solche Verbindung hat uns jeweils eine kostbare Mitgift eingebracht, in der späteren Entwicklung uns aber verarmen lassen, und schließlich mit einer Scheidung, mit einem «Get», geendet. Der Geist jener Zeit, in der Mitte des letzten Jahrhunderts, war der des modernen Liberalismus. Gedankenfreiheit, kalte Logik, die mit Vorurteilen aufräumt, ungefesselte Forschung. Im Geiste dieser Periode entdeckte man in der Torah ein neues Gesicht: Wissenschaft, und durch die Wissenschaft werden sich uns die Tore zu der Welt der Nichtjuden öffnen. Wenn erst die Führer des Judentums nicht mehr aus dunklen Batei Midrasch, sondern aus Universitäten hervorgehen werden, werden sie ganz von selbst die Anerkennung der Nichtjuden finden. Wenn erst der Unterschied zwischen dem christlichen Geistlichen und dem Rabbiner nicht grösser sein wird als der zwischen dem katholischen und dem protestantischen Priester, wird kein grösserer Unterschied mehr zwischen dem Volk Israel und den Nichtjuden bestehen... Die Idee von Zunz, Geiger und Philippsohn war eigentlich, dass die Ausbildung der Rabbinen Sache der Universitäten sei. Die christlichen Universitäten werden eine Fakultät für die Wissenschaft der jüdischen Religion errichten, und dort werden jüdische Studenten «Theologie» studieren, und mit Abschluss ihrer Studien von der Universität des Königs August von Sachsen oder eines Habsburgischen Fürsten, «Hetter Hora>a», die Lizenz zur Ausübung des Rabbinerberufs empfangen... Wie alle Ideen des «Lasst uns sein wie alle Völker» scheiterte auch dieses Programm, und