Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17 Die R. Dorndorf Schuhfabrik in Dreslau von Diana Prinzessin von Sachsen, geb Um 1876 richtete mein Urgroßvater Raphael Dorndorf, Lederhändler aus Breslau, eine Werkstatt für Schäfte in einem Raum hinter seinem Laden ein. Er ließ Modeschäfte durch vier böhmische Spezialarbeiter anfertigen. Sie nähten Luxusschäfte, die vom städtischen Schuhmacherhandwerk besonders gesucht wurden. Es ist nicht bekannt, wann Raphael Dorndorf zur Eigenherstellung von Schuhwerk überging, aber sicher ist, dass er Damenschuhe für den städtischen Bedarf anfertigte. In seiner neuen Werkstatt in der Graupenstraße beschäftigte mein Urgroßvater 40 Arbeiter. Bereits in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre stieg die Produktion beachtlich an. Neben elegantem Damenschuhwerk wurden nun auch hochwertige und modische Herrenschuhe hergestellt. Anfangs der 1890er wurde Raphael Dorndorf in den Kreisen der fortschrittlichsten Qualitätsschuhfabrikanten Deutschlands aufgenommen und in den Vorstand des Verbandes Deutscher Schuh- und Schäftefabrikanten berufen. 1896 zeigte er einen Satz Goodyear Maschinen auf der Berliner Gewerbeausstellung in voller Arbeit, was große Aufmerksamkeit auf sich bezog und ihn als einer der weitsichtigsten Schuhfabrikanten hervorhob. Man besuchte seinen soeben in Breslau-Pöpelwitz neu eingerichteten Fabrikationsbetrieb als einen Musterbetrieb der Maschinenausrüstung und Qualitätsfabrikation. Der Verkauf so hochwertiger Schuhe, die mein Urgroßvater produzierte, war auf dem deutschen Markt im ausgehenden 19. Jahrhundert noch immer schwierig. Er hatte in Breslau außer seinem alten Stammgeschäft noch eine Verkaufsfiliale eingerichtet und wegen des großen Rufs seiner Ware im Ausland auch Verkaufsstellen in Prag und Wien. Weitere Verkaufsniederlassungen folgten 1894 und 1896 in Dresden und Berlin. Die übrige Produktion ging durch eine besondere Vertriebsgesellschaft an den Schuhhandel, eine für damalige Verhältnisse in der deutschen Schuhwirtschaft sehr fortschrittliche Vertriebsweise. Mein Urgroßvater konnte sich gänzlich auf seine Arbeit als Fabrikant konzentrieren. Mit der Vollmechanisierung des Betriebes brach Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts eine neue Epoche der Firma R. Dorndorf an. Das Ziel war, deutsche Damen- und Herrenschuhe auf höchstem Niveau zu produzieren. Mit deutscher Arbeit und deutschen Fabrikationsmitteln sollte ein Niveau der Schuhfabrikation erreicht werden, das in Amerika mehrere Schuhfabriken bereits erreicht hatten. Jede Erfahrung wurde für dieses Ziel genutzt. Raphael Dorndorf schickte seinen Sohn Hans, meinen Großvater, für ein Jahr nach Amerika, um die dortigen Produktionsmethoden kennen zu lernen. In Amerika wurden mehrere moderne Produktionsmaschinen gekauft und mit erfahrenen Fachleuten nach Breslau gebracht. In idealer Konkurrenz arbeiteten in Breslau amerikanische Meister und die von Raphael Dorndorf ausgebildeten deutschen Meister zusammen. Einer der amerikanischen Meister, Frank Scoll, der den vollendeten Naturputz der Böden erfand, war jahrelang für die Firma Dorndorf in Breslau tätig. Die Firma R. Dorndorf schritt von Erfolg zu Erfolg. Material und Verarbeitung des Rahmenschuhwerks erreichte höchstes Niveau. Mein Urgroßvater entwickelte als erster den Naturausputz der Sohlen. Hans Dorndorf verbesserte die amerikanische Bulldogform, für die er aus Amerika in den 1890er Jahren Leistenmuster mitgebracht hatte. Fast gleichzeitig wurde in die Fabrikation der zusammenklappbare Schuhleisten eingeführt, der eine schonende Arbeit am Schuh beim Ausleisten ermöglichte. Als Raphael Dorndorf 1904 starb, hatten die Fabrikate der Firma bereits Weltruf erlangt. 1906 wurde von seinen Söhnen Kurt und Hans Dorndorf die neue Fabrik am Neukircher Weg gebaut. Sie umfasste ausgedehnte Fabrikationsräume in einem großen Hauptbau und in angeschlossenen Shedbauten eine eigene Leistenfabrik mit Drehbänken, alle Nebenabteilungen einer Schuhfabrik und eine chemischen Abteilung, in der die ausgezeichneten Putzmaterialien für den Dorndorf-Schuh entwickeltwurden. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Schuhfabrik Wernick in Waldheim i. Sachsen erworben und zum Spezialbetrieb für Luxusherrenschuhen, darunter die Marke „Edox" ausgebaut. 1913 betrug die Tagesproduktion im Breslauer Betrieb 2200 Paar. Über ein Duzend eigene Verkaufsstellen im Inland sorgten neben Filialen in Budapest, Prag, Wien und Triest sowie den besten Schuhgeschäften Deutschlands für die Präsentation und den Verkauf der Produkte. Die Dorndorf- Schuhe wurden auch in Amerika verkauft. An- Dorndorf fang 1914 wurde wegen der Zollschwierigkeiten mit Russland in Kalisch eine Zweitfabrik für die Montage der fertig dorthin gelieferten Schäfte gegründet, die eine Tagesproduktion von 300 bis 500 Paar erreichte. Sehr stark hatte sich der Export nach Übersee entwickelt, besonders nach Südafrika und Indien. Der Dorndorf-Schuh konnte mit den englischen Fabrikaten überall gut konkurrieren. Während des Ersten Weltkrieges wurde durch Ankauf einer Fabrik in Freiburg i. Schlesien eine eigene Unterlederfabrik eingerichtet. Kurt und Hans Dorndorf hatten die fabrikatorische Tradition ihres Vaters fortgesetzt: Kurtals Fabrikationsfachmann und Techniker, Hans als Organisator und Praktiker der Schuhherstellung. Während des Ersten Weltkrieges wurden kriegsbedingt wesentliche Teile der Produktion auf die Herstellung von Militärstiefeln umgestellt. Nach dem Krieg wurden im Breslauer Betrieb wieder hochwertige Schuhe produziert, die ebenso modebestimmend, schön und qualitätssicher waren wie die weltberühmten Dorndorf-Schuhe der Vorkriegszeit. Die Fabrik war nun auf die ausschließliche Herstellung von Herrenschuhwerk edelster Machart spezialisiert. Durch Umorganisation des Betriebs nach damals neuen Gesichtspunkten wurde eine hohe Produktivität erreicht, so dass die verschiedenen Klassen von Erzeugnissen zu zeitgemäßen Preisen auf den Markt kommen konnten. Kurt Dorndorf starb 1927 und 1932 sein Bruder Hans, mein Großvater. Mein Vater Rainer Dorndorf musste 1933 nach Frankreich und später nach Irland emigrieren. Firma und Fabrik gingen in den Besitz des bekannten Damenschuhfabrikanten Maier Langermann in Niederauerbach-Pfalz über. Die Dorndorf-Langermann Schuhfabriken wechselten 1939 im Zuge der Arisierung ihren Besitzer und wurden von Richard Greiling übernommen, einem ehemaligen bulgarischen Generalkonsul und Besitzer der Greiling-Zigarettenfabriken in Dresden. Noch während des zweiten Weltkrieges wurde die Fabrikation komplett aus Breslau nach Niederauerbach in der Pfalz verlagert. 1951 kam die Firma im Restitutionsverfahren wieder an den Vorbesitzer bzw. an dessen Erben zurück.