Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jahrhunderts zogen Raphael und Clara mit ihren vier Kindern Kurt, Hans, Emma und Margarete nach Breslau in die Berliner Chaussee 100. Mein Urgroßvater Raphael gründete die R. Dorndorf Schuhfabrik (1876). Seine beiden Söhne, Kurt und Hans, stiegen in die Firma ein. Das Grab von Kurt Dorndorf (gest. 1927) befindet sich mitten im Wald zwischen Wohnwitz und Wolfsdorf auf einem kaum noch erkennbaren Friedhof. Die Grabplatte mit seinem Namen ist jedoch erhalten. Sein großes Landhaus in Deutsch-Lissa wurde 2008 von einem deutsch -polnisch-jüdischen Unternehmer gekauft und denkmalgerecht mit großem Aufwand restauriert. Ein Originalfoto von Kurt und Hans Dorndorf vor einem Kamin dieses Hauses habe ich dem neuen Eigentümer geschenkt. Eine Tochter von Kurt, Käthe Dorndorf, heiratete in den 20er Jahren einen Sohn aus der Familie des Breslauer Bankhauses Ernst Heimann. Paula Stuck geb. Heimann, Deutsche Tennismeisterin 1929, Autorin und Ehefrau von Rennfahrer Hans Stuck, war ihre Schwägerin. Käthe emigrierte nach 1933 mit ihrem Mann und Sohn nach Brasilien. Sie starb nach dem Krieg in der Schweiz. Eine weitere Tochter von Kurt, Hildegard Dorndorf, heiratete den Kaufmann und Sportpiloten Karl Bruegmann und überlebte den Krieg als so genannte „Halbjüdin" auf dem von ihrerbauten„Smetanka Hof" bei Wilxen. Nach dem Krieg zog sie mit ihrer Tochter nach München. Die dritte Tochter, Dorothea (Dorrit), heiratete den Brauereibesitzer Baron Willibald Beck von Peccoz aus Au in der Hallertau und bekam vier Töchter und zwei Söhne. Emma Dorndorf heiratete Moritz Cohn, Mitinhaber des Breslauer KaufhausesTrautner am Ring. Sie emigrierten 1937 mit Familie nach Argentinien. Ein Neffe von Moritz Cohn, Dr. Willy Cohn, war Autor der berühmten Bücher„Kein Recht, Nirgends" und„Verwehte Spuren" über das Breslauer Judentum. Dr. Willy Cohn kam 1941 in Kaunas, Litauen um. Von Medizinaldirektor Wolfgang Pellnitz, Oberfeldarzt d.R. Margarete Dorndorf heiratete den Breslauer Philologen Dr. Reinhold Knick, erwähnt in den Memoiren von Marcel Reich-Ranicki als sein Deutschlehrer in dem Berliner Hohenzollern- Gymnasium. Ihr Sohn Ulrich Knick gründete 1945 die Firma „Knick Elektronische Messgeräte". Mein Großvater Hans Dorndorf (20.10.1871 - 29. 06. 1932) heiratete am 10.06.1904 die aus Wien stammende Margarete Camilla Ehrenreich, geboren am 10.01.1887 in Belgrad alsTochter eines Wiener Bankdirektors. Meine Großmutter starb kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Wie zahlreiche Mitglieder der Familie Ehrenreich kamen ihre Schwestern MarieTherese und Friederike im Holocaust um. Meine Großeltern hatten drei Kinder: Heinz (geb. 1905, Emigration nach Australien 1937, dort gest. 2001), Marion, genannt Mucki (geb. 19.03.1909, lebt seit 1929 in Nordirland) und Rainer (geb. 28.09.1912, Emigration 1933 nach Paris, später nach Irland, gest. 06.05.1986 in Spanien), mein Vater. Meine Tante Mucki heiratete 1929 den Nordirischen Textilmaschinenfabrikanten Lavens Mackie. Sie zog zu ihrem Mann nach Belfast und bekam vier Kinder. Als mein Vater Rainer 1933 von der Gestapo gesucht wurde, verließ er Deutschland aus politischen und rassischen Gründen. Zuerst lebte er bei einer Tante in Paris, zog aber später nach London. Bei Kriegsausbruch zog er nach Nordirland zu seiner Schwester Mucki, später lebte er in der Republik Irland und schließlich in Spanien. 1947 heiratete er in Belfast Georgina Russell, meine Mutter. Als jüngste von drei Töchtern bin ich, Diana Dorndorf, am 30.09.1958 in Irland zur Welt gekommen. Meine Schwestern Alma und Rhoda wurden 1951 und 1954 geboren und leben jetzt in Spanien und England. Ich wuchs in Nordirland auf, machte auf einem Internat in Belfast mein Abitur, studierte in Konstanz Sprach- und Literaturwissenschaften mit Magister-Abschluss (M.A.) und wurde Oberregierungsrätin der Deutschen Bundeswehr. Später heiratete ich den Enkel des letzten sächsischen Königs. Der 1918 abgedankte König Friedrich August soll zusammen mit meinem Großvater Hans Dorndorf in Schlesien oft zur Jagd gegangen sein. Ein Sohn des Königs, Prinz Ernst Heinrich, wanderte mit zwei seiner drei Söhne 1947 nach Irland aus, wo sie mit meinen Eltern gut befreundet waren. Heute lebe ich in Berlin. Ehrenamtlich setze ich mich unter anderem als Schirmherrin einer Stiftung für die Restaurierung des Jüdischen Friedhofs Breslau-Cosel ein, auf dem meine Urgroßeltern beigesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge habe ich mehrere Einsätze mit Soldaten der Deutschen Bundeswehr organisiert, um diesen Friedhof mit vielen Gräbern gefallener jüdischer Soldaten des Ersten Weltkriegs wieder herzustellen.