Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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13 thur mitgebracht hatte. Alle schrien: «Wenn er von den Russen gefunden wird, erschießen sie uns alle» usw. Natürlich wollte Arthur nicht weg und drohte seinerseits. Er hatte ein Kochgeschirr, in dem er eine Pistole hatte. Es hat sich alles beruhigt. Herr Stricker nahm ihm den Revolver weg. Arthur war erst 16 und sah in Zivil wie ein Kind aus. Ein jüdisches Ehepaar nimmt den Bub auf «In jedes Haus kamen Russen und durchsuchten alles. Deutsche Landser wurden abgeführt in Gefangenschaft. Aus vielen Wohnungen hing die gelbe Fahne als Zeichen, dass da Typhus bei manchen Leuten ausgebrochen war. Es waren viele Wasserleitungen kaputt und das Trinkwasser war knapp. Breslau war doch eine wunderschöne Stadt gewesen und jetzt war fast alles nur Trümmer. Es war schon August und jeden Tag verließen Deutsche die Stadt. Ich bin wieder mal an die Ohle gegangen, das war ein Fluß hinter dem Bethanien-Krankenhaus, da habe ich mich gerne ans Ufer gesetzt. Da kam ein Ehepaar, es waren Juden, sie redeten mich an. Ich erzählte meine Geschichte. Die waren ganz gerührt und baten mich, mit ihnen nach Hause in ihre Wohnung zu kommen. Zuerst wollte ich nicht, aber sie ließen nicht locker, bis ich mitging. Deren Wohnung war nicht weit, am Maritiusplatz, da standen noch teilweise die Häuser. Im ersten Stock war die Wohnung, eine riesige Wohnung, fünf Zimmer, Bad, Küche, so was hatte ich noch nie gesehen. Die Frau kochte gleich was. Sie hatte gedacht, ich bin am Verhungern. So lieb und nett wie die Herrschaften zu mir waren, das hatte ich nie vorher erlebt. Natürlich musste ich über Nacht bei den Leuten bleiben. Jetzt erzählten sie mir ihr Schicksal, dass die SS ihre beiden Kinder abgeholt hätte und dass sie erfahren hatten, dass beide in Auschwitz ums Leben gekommen waren. Beim Erzählen wurde geheult. Die Frau bekam richtig Weinkrämpfe. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Herr und Frau Weißdorn, so hießen die zwei, haben wohl auch nicht geschlafen. Die zwei waren von Freunden versteckt worden, sie waren zwei Jahr in einem Keller. Herr Weißdorn musste ein bedeutender Mann gewesen sein. Er hatte eine riesige Bibliothek, ein großer Flügel stand im Wohnzimmer. Ich muss dem Sohn sehr ähnlich gesehen haben, wie Frau Weißdorn sagte. Am nächsten Morgen wollte ich wieder gehen, aber die ließen mich nicht weg. Jetzt wurde mir klar, die wollten mich für immer behalten. Ich wollte bei ihnen bleiben, bis meine Familie zurück ist. Aber was ich so gehört habe im Radio, da wurden alle Deutschen aufgefordert, Breslau zu verlassen. Ich war richtig verzweifelt. Die Weißdorns waren so gut zu mir und ich wollte weg. Herr Weißdorn sagte mir, wenn alles wieder normal ist, wird er wieder ein Auto haben. Wir werden große Reisen machen. Ich glaubte ihm alles. In meinem Herzen waren meine Mutter, meine Geschwister. Herrn Stricker (den ehemaligen Wohnungsnachbar) habe ich getroffen. Er sagte, dass wir Breslau verlassen müssen. Er wolle mich gerne mitnehmen, nach Westen. So bin ich zu meiner Familie Weißdorn gegangen und habe ihr gesagt, dass ich Breslau verlassen will. Wie versteinert haben mich beide betrachtet. Mit seinem früheren Wohnungsnachbar Stricker ging Fritz Walla von Breslau nach Liegnitz, denn vom dortigen Bahnhof, so hieß es, würden Züge gen Westen abfahren: «Es war eine Katastrophe, wie der Liegnitzer Bahnhof aussah. Ich schätze, es waren dort 30.000 bis 40.000 Menschen, die alle nach Westen wollten. Am heutigen Tag, hörte ich, fährt kein Zug mehr nach dem Westen. Erst am nächsten Tag, aber nur bis Cottbus. Es gab keinen Stehplatz auf dem Bahnhof. Herrn Stricker hatte ich verloren, ich fand ihn nicht mehr, er war einfach weg. Ich suchte mir weg vom Bahnsteig ein Nachtquartier. Es war ein Schuppen, in dem auch etwas Heu drin war. Ich bin da gleich eingeschlafen. Der Hunger quälte mich, mein Brot war schon längst aufgebraucht. Ich musste etwas zu essen haben, aber woher? Es war Nacht, finster, so musste ich warten, bis es Tag wurde. Ich bin dann nochmals eingeschlafen. Mich fror es wie einen Hund. Durch Bewegung habe ich mich warm gemacht. Ich bin in die Stadt gelaufen, weil der Zug immer noch nicht da war, um mir was zu essen zu besorgen. Ich habe fast jedes Haus abgelaufen, aber keiner hat was gehabt oder die Häuser waren leer. Polen und andere wollte ich nicht fragen, von denen hätte ich sowieso nichts bekommen. Ein Huhn erbeutet Wie es der Zufall will, ist mir eine Henne über den Weg gelaufen. Mein erster Gedanke war, dieses Huhn zu fangen, was mir auch gelang. Ich habe ihm den Kopf abgerissen und es in meinen Rucksack gesteckt. Jetzt musste ich aufpassen, dass mich keiner sieht und bin schnellstens zum Bahnhof zurück zu den vielen Menschen. Mein Taschenmesser habe ich verloren. Feuer hatte ich auch nicht. Da blieb mir nichts anderes übrig, als mich jemandem anzuvertrauen. Einem alten Mann mit zwei Frauen erzählte ich von meinem Schatz. Die Augen von den drei leuchteten, als wenn es Weihnachten wäre. Die hatten tagelang schon nichts zu essen gehabt. Der Alte und ich sind vom Bahnhof weg hinter Büsche. Ich musste aufpassen, der Alte hat die Henne geputzt und hergerichtet. Dann haben wir eine Bratstelle gemacht und das Huhn gebraten. Ich habe eine Keule von der Henne gekriegt, die andere Keule der Alte. Wir haben gleich an Ort und sTelle gespeist. Wir sind zurück, die zwei Frauen warteten schon gierig auf ihren Anteil. Die trauten sich nicht, dort zu essen, sie gingen auch ins Freie. Ich fühlte mich richtig wohl. Bei Zigeunern Alle warteten auf den Zug nach Cottbus und er kam nicht. Zuerst hieß es, er kommt am Mittag, dann am Abend, dann wieder am nächsten Tag. Ich war immer auf Achse, der Hunger trieb mich dazu. Unweit vom Bahnhof war eine Tongrube. Da waren Zigeuner mit ihren Wohnwagen und Pferden. Von oben konnte ich sehen, wie sie eine Ziege am offenen Feuer drehten. Ich bin noch ein Stück näher rangegangen, auf einmal stand ein riesiger Hund vor mir, ich dachte schon, er frisst mich auf. Da waren auch schon drei Zigeuner, die (Fortsetzung auf S. 14)